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Tödliche Misshandlungen : Höxter: Immer tiefere Abgründe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Frau schildert monatelange Misshandlungen durch beschuldigtes Paar. Polizei sucht weitere Opfer

svz.de von
erstellt am 06.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Die Polizei sucht nach den tödlichen Misshandlungen von Höxter nach weiteren Opfern des festgenommenen Paares. Hinweise auf weitere Tote gebe es bislang nicht, sagte gestern ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es gebe jedoch Hinweise darauf, dass in dem Haus vier bis fünf weitere Frauen gewesen sein könnten und dass weitere Kontakte zu Frauen bestanden. Laut Polizei sind bisher teilweise nur „Namensfragmente“ der Frauen bekannt. Eine 51-Jährige aus dem Großraum Berlin hat den Ermittlern von einem monatelangen Martyrium in Höxter-Bosseborn berichtet.

Auf dem Gehöft in Ostwestfalen sollen ein 46-Jähriger und seine 47-jährige Ex-Frau in den vergangenen Jahren mehrere Frauen gequält haben. Mindestens zwei Opfer aus Niedersachsen starben. Die Ermittler vermuten sadistische Machtspiele als Motiv.

Die 51-Jährige aus dem Großraum Berlin war nach eigenen Aussagen rund drei Monate – von Ende 2011 bis März 2012 – in dem früheren Bauernhaus festgehalten und körperlich misshandelt worden, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Sie habe keine Möglichkeit zur Flucht gehabt. Nach einer „erheblichen körperlichen Auseinandersetzung“ sei die Frau von den beiden Beschuldigten in einen Zug nach Hause gesetzt worden. Aus Angst vor angedrohter Gewalt habe sie die Polizei nicht eingeschaltet, bis nun die beiden tödlichen Misshandlungen ans Licht kamen.

Die Ermittler arbeiten sich laut Staatsanwaltschaft nun auch in den Zeitraum von 1999 bis 2010 vor, der bislang weitgehend im Dunkeln liegt. So wurden inzwischen die Wohnorte des festgenommenen Paares der letzten Jahre ermittelt. Der Sprecher wollte diese aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen.

Auch Hinweisen aus der Bevölkerung geht die Polizei nach. Das heruntergekommene Haus in Höxter wurde am Mittwoch mit Kräften einer Einsatzhundertschaft ausgeräumt. „Unsere Techniker können leere Räume einfach besser untersuchen. Wir müssen viel Müll rausschaffen“, sagte ein Polizeisprecher.

Auch der rund zehn Jahre zurückliegende Mord an der 21-jährigen Schwesternschülerin Frauke Liebs in Paderborn ist laut Staatsanwaltschaft „ein Prüffall“. Hinweise auf einen Zusammenhang mit dem festgenommenen Paar gebe es aber bislang „definitiv nicht“.
 

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