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Bildungsstudie: Zahlen aus MV : Herkunft bleibt entscheidend

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Schulen im Ringen um Chancengleichheit. Wir beleuchten die Hintergründe zur neuen Bildungsstudie

„Die Chancen benachteiligter Schüler bleiben die große Herausforderung für die Schulpolitik“, heißt es im gestern vorgestellten „Chancenspiegel 2017“. Fast jeder achte Schüler mit ausländischen Wurzeln schafft keinen Hauptschulabschluss. Und Schüler aus schwierigen Verhältnissen hinken in Sachen Kompetenzerwerb zwei bis drei Jahre hinterher. Hintergründe zu den Ergebnissen der neuen Bildungsstudie der Bertelsmann-Stiftung, der Technischen Universität Dortmund und der Friedrich-Schiller-Universität Jena:

Was wurde geprüft?
Der „Chancenspiegel“ vergleicht von der Integrationskraft bis zum Erreichen von Schulabschlüssen die Chancengerechtigkeit in den einzelnen Bundesländern. Die Ergebnisse der diesjährigen und vorerst letzten Studie basieren auf Daten aus dem Schuljahr 2014/2015 und zeichnen die Entwicklung seit dem Jahr 2002 auf.

Was sind die positiven Befunde?
Die Schulsysteme aller Länder sind „leistungsstärker und chancengerechter“ geworden, bescheinigen die Experten der Politik und den Lehrern.

Fortschritte gibt es bei der Inklusion: besucht inzwischen jeder dritte Förderschüler eine reguläre Schule, war es vor 15 Jahren nur jeder achte.
Die Hochschulreife erreichten 2002 knapp vier von zehn Schülern, inzwischen sind es mehr als fünf von zehn. Gesenkt werden konnte die Quote der Schulabbrecher, die auch keinen Hauptschulabschluss erreichen, sie ging von 9,2 auf 5,8 pro hundert Schüler zurück.

Ist die Entwicklung in Deutschland einheitlich?
Im Gegenteil, die Unterschiede sind seit 2002 sogar noch gewachsen. In Hamburg erreichen 62 von 100 Schülern die Hochschulreife, in Sachsen-Anhalt sind es nur 38. In Brandenburg brechen nur 4 von 100 ausländischen Schülern ab, in Sachsen-Anhalt sind es fast siebenmal so viele.

Und generell sind die Schüler in Sachsen denjenigen in Bremen in Klasse neun in Sachen Kompetenzerwarb ganze zwei Schuljahre voraus. Auch beim Ausbau der Ganztagsschulen wird die Kluft größer: In Sachsen gehen inzwischen 80 von 100 Schülern auf eine Ganztagsschule, in NRW 41, in Bayern nur 15.

Wo verlief die Entwicklung negativ?

Für ausländische Schüler war das Risiko des Schulabbruchs lange Zeit gesunken, doch seit 2011 hat sich die Kurve für sie umgekehrt: Der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund, die ohne Hauptschulabschluss und damit ohne jede Qualifikation die Schule verlassen, ist auf knapp 13 Prozent gestiegen – damit ist etwa jede achte Schüler dieser Gruppe betroffen. In NRW lag die Quote bei 14,5 Prozent. Die hohe Zahl an Flüchtlingskindern, die seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, schlägt sich in der Statistik noch kaum nieder.

Kaum Fortschritte wurden auch bei der Chancengleichheit für Kinder aus benachteiligten Milieus erreicht. Bei der Lesekompetenz liegen sie in Klasse neun rund zwei Schuljahre hinter ihren Kameraden aus privilegierten Haushalten zurück.

Welche Lehren ziehen Forscher und Politik aus den Ergebnissen?
Die Autoren der Studie fordern einen Rechtsanspruch auf Ganztagsschulen. Nur so ließen sich Kinder aus benachteiligten Milieus und mit Migrationshintergrund optimal fördern. Notwendig seien allerdings auch eine „Qualitätsoffensive und gemeinsame Qualitätsstandards“ für die Schulen, fordert Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung.

Zahlen aus Mecklenburg-Vorpommern

Fast die Hälfte der Grundschüler in Mecklenburg-Vorpommern (47,1 Prozent) wechselt aufs Gymnasium. Im Bundesschnitt sind es 44 Prozent, wie aus dem gestern in Berlin vorgestellten „Chancenspiegel 2017“ der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht. Dabei handelt es sich um eine umfangreiche Analyse schulstatistischer Daten von 2002 bis 2014.

Vergleichsweise viele Schüler im Nordosten bleiben demnach auch am Gymnasium. Auf einen Schüler, der von einer niedrigeren auf eine höhere Schulart wechselt, kommen zwar 3,6 Schüler, die von einer höheren auf eine niedrigere Schulart wechseln. Im Bundesschnitt beträgt der Wert laut Studie 1:6. In Mecklenburg-Vorpommern erwerben 35,2 Prozent der Jugendlichen einer Altersstufe die Hochschulreife. Auch dieser Wert liegt leicht über dem Bundesschnitt von 34,1 Prozent, wie aus der Analyse hervorgeht.

In vielen Kategorien stuft die Studie Mecklenburg-Vorpommern in die mittlere von drei Ländergruppen ein. Zur oberen Gruppe zählt Mecklenburg-Vorpommern in der Kategorie Übergang zum Gymnasium sowie beim Anteil von Jugendlichen mit Hauptschulabschluss, die ins duale System der Berufsbildung übergehen. Auch besuchen mit sieben Prozent überdurchscnittlich viele Schüler eine Ganztagsschule.

Zur unteren Gruppe zählt Mecklenburg-Vorpommern im „Chancenspiegel“ bei der Wiederholerquote, die über dem Bundesschnitt liegt. 2014/15 wiederholten 3,7 Prozent aller Schüler in den Jahrgangsstufen sieben bis neun eine Klassenstufe. Im Bundesschnitt waren es nur 2,7 Prozent.

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