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Bundesumweltministerin : Hendricks stoppt ihre Bauernregel-Kampagne

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Ab dem kommenden Montag werde die Kampagne mit anderen Plakaten fortgesetzt

svz.de von
erstellt am 09.Feb.2017 | 18:18 Uhr

Plötzlich lenkt sie ein. Mit ihren „neuen Bauernregeln“ hatte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) in den letzten Tagen scharfe Kritik auf sich gezogen – sogar aus der eigenen Partei. Aber auch die Bauernverbände, führende Unionspolitiker und der Steuerzahlerbund liefen Sturm gegen die Kampagne mit humorvoll gemeinten Reimen zu den Problemen der modernen Landwirtschaft. Bauern fühlten sich pauschal verunglimpft. Sogar Rücktrittsforderungen gab es. „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“, hatten die Kampagnenmacher für die Plakate gedichtet. Oder: „Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm.“ Jetzt zieht Hendricks die Reißleine, stoppt die Auslieferung der Plakate, die eigentlich ab Montag bundesweit aufgehängt werden sollten.

Bisher waren sie nach Ministeriumsangaben lediglich am Flughafen Berlin-Tegel zu sehen gewesen. Dialog statt frecher Sprüche - Hendricks versucht, ihre Entscheidung zum Erfolg umzudeuten. „Mit den Bauernregeln wollten wir Aufmerksamkeit erzielen und den Dialog anregen. Das ist gelungen“, erklärte ein Sprecher gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. Die Kampagne mit den elf umstrittenen Reimen habe das Thema Landwirtschaft und Naturschutz auf humorvolle Weise schneller als erwartet ins Gespräch gebracht. Jetzt gehe es um den zweiten Schritt: „Wir wollen die erzielte Wachsamkeit für das Thema für einen konstruktiven Dialog nutzen. Dazu bedarf es keiner weiteren Bauernregeln mehr.“

Hendricks‘ Leute hatten die hohen Wellen, die diese Kampagne schlagen würde, wohl nicht vorausgesehen. Anfang der Woche hatte die SPD-Politikerin die Slogans noch in einem Brief an Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) verteidigt. Wurde Sie nun zurückgepfiffen? Etwa aus der SPD-Spitze? Oder gab es ein Machtwort von Kanzlerin Angela Merkel? Im Umweltministerium winkt man ab, spricht unverändert von einer erfolgreichen Aktion. Früher als geplant soll nun die „Phase des Dialogs“ beginnen. Hendricks, so heißt es, wolle mit Bauern und Verbrauchern gleichermaßen ins Gespräch kommen: Etwa darüber, was schieflaufe im Agrarsektor, wie Bauern eine sichere Zukunft geboten werden könne oder wie sich Landwirtschaft und Naturschutz miteinander versöhnen lassen.

Die Union bleibt bei ihrer Kritik an Hendricks. „Frau Hendricks hat mit der Kampagne einen ganzen Berufsstand diskreditiert – und noch dazu mit Steuergeldern. So sieht keine seriöse Regierungsarbeit aus“, erklärte Unionsfraktionschef Volker Kauder gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. „Es war überfällig, dass diese Aktion nun gestoppt worden ist.“ Allerdings distanziere sich die Ministerin nach wie vor nicht ausdrücklich von der Aktion. „Das wäre richtig gewesen, die Kampagne öffentlich als Fehler zu bezeichnen. So bleibt mehr als nur ein schaler Beigeschmack“, so der CDU-Politiker weiter. „Der ländliche Raum hat nur mit den Landwirten eine gute Zukunft. Die Bauern dürfen Opfer von Polemik werden.“

Immer wieder hatte die Umweltministerin sich in den vergangenen Jahren zu Themen der Landwirtschaft zu Wort gemeldet. Mit dem CSU-geführten Agrarressort lag sie im Dauerstreit. Mal ging es um das Verbot des Pflanzenschutzmittel Glyphosat, mal um die grüne Gentechnik, um Düngemittel und Massentierhaltung. Bei der Grünen Woche im Januar hatte Hendricks einen Vorstoß für eine Reform der EU-Agrarsubventionen gestartet. Betriebe sollten nicht mehr allein für ihre Flächen Subventionen erhalten, sondern nur noch in dem Maß, wie sie eine umweltbewusste, nachhaltige Bewirtschaftung betreiben würden. Hendricks lässt jetzt ihre umstrittenen Plakate einstampfen, will sich persönlich der Debatte über die Zukunft der Landwirtschaft stellen – mit Veranstaltungen und in den Sozialen Medien.

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