Erinnerungen an den Terror : Heimkehr in Einzelteilen

Eines der Triebwerke
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Eines der Triebwerke

Die einst berühmteste Lufthansa-Maschine war in Brasilien ein Fall für die Schrottpresse. Morgen kehrt sie nach Deutschland zurück

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22. September 2017, 08:00 Uhr

Fünf Tage voller Angst und Dramatik: Terroristen entführen die Lufthansa-Maschine „Landshut“. Im südjemenitischen Aden erschießen sie den Flugkapitän Jürgen Schumann. In Mogadischu stürmt die Spezialeinheit GSG 9 am 18. Oktober 1977 die Maschine und befreit die 91 Geiseln; drei Entführer werden getötet.

Die „Landshut“ wird zu einem Symbol des Kampfes gegen den Terrorismus. Doch Jahre später lässt man die wohl berühmteste Maschine der Lufthansa auf einem Flugzeug-Friedhof im brasilianischen Fortaleza verrotten. Nun kommt die Boeing 737 zurück nach Deutschland – in Einzelteilen im Bauch einer ukrainischen Antonow 124.

Morgen um 9.00 Uhr soll das größte Frachtflugzeug der Welt auf dem Bodensee-Airport in Friedrichshafen landen. Bis zu 5000 Schaulustige könnten das Spektakel von der Terrasse des nahegelegenen Dornier Museums aus beobachten, sagt dessen Pressebeauftragter Joachim Umbach. Auf Bildschirmen im Museum soll das Ausladen der „Landshut“-Tragflächen und -Turbinen aus der Antonow 124 übertragen werden. Weitere Teile bringt eine Transportmaschine, die gegen Mittag erwartet wird.

Bewegende Momente könnte es geben, wenn damals Beteiligte auf der Bühne des Museums vom dramatischen Geschehen in den fünf Tagen der Angst berichten. Unter ihnen ist der damalige Co-Pilot Jürgen Vietor. Er musste die „Landshut“ nach Somalia mitfliegen, nachdem der Kapitän im Jemen erschossen worden war. Schon sechs Wochen nach der Befreiung verrichtete Vietor wieder Dienst im Cockpit der „Landshut“.

Erwartet wird auch Gabriele von Lutzau. Die damals 23 Jahre alte Stewardess hatte verzweifelte Passagiere getröstet, Anweisungen der Terroristen übersetzt–- und in einem dramatischen Appell die Bundesregierung über Funk zur Rettung der Geiseln aufgefordert.

Künftig soll rings um die originalgetreu wiederhergestellte „Landshut“ eine Schau im Dornier Museum den deutschen Terror-Herbst mit dem Kampf gegen die linksextremistische Rote Armee Faktion (RAF) veranschaulichen. Ziel der Flugzeugentführung durch verbündete Palästinenser war die Freilassung in Stuttgart-Stammheim inhaftierter RAF-Terroristen.

Bis zur Eröffnung dürften aber noch Jahre vergehen. Die komplett renovierte „Landshut“ werde kaum vor Herbst 2019 zu besichtigen sein, sagt Umbach

Dass die Maschine nun – 40 Jahre nach ihrer Befreiung – ausgerechnet am Sonnabend vor der Bundestagswahl „heimkehrt“, liegt maßgeblich am Einsatz von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD). Eile war wohl unabhängig von der Wahl geboten. Nachdem die Boeing 737 von Lufthansa verkauft wurde und von 1985 bis zu einem schweren Defekt 2008 für verschiedene Airlines im Einsatz war, drohte ihr die Verschrottung. Das Auswärtige Amt kaufte sie für rund 20 000 Euro.

Das ist ein Bruchteil der Gesamtkosten für Abbau, Transport, Renovierung und Präsentation. „Die wurden auf zehn Millionen Euro veranschlagt“, sagt Umbach. „Bezahlt wird das aus Töpfen des Auswärtigen Amtes und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.“ Für die laufenden Kosten von bis 200 000 Euro im Jahr wolle die Familie Dornier aufkommen.

Thomas Burmeister

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