London : Harry Potter lebt – auf der Bühne

Manchmal kommt Dunkelheit aus einer unerwarteten Richtung – und Harry Potter ist nicht weit, seit gestern im Londoner „Palace Theatre“
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Manchmal kommt Dunkelheit aus einer unerwarteten Richtung – und Harry Potter ist nicht weit, seit gestern im Londoner „Palace Theatre“

Der achte Teil der Saga wird im Londoner „Palace Theatre“ gezeigt und spielt 19 Jahre nach dem Sieg über Voldemort

svz.de von
08. Juni 2016, 12:00 Uhr

„Bewahrt das Geheimnis“, beschwört J.K. Rowling in einem Internet-Aufruf die Fan-Gemeinde. Denn gestern begannen im Londoner „Palace Theatre“ die Voraufführungen einer neuen Harry-Potter-Geschichte. Es ist die Fortsetzung des siebenbändigen Epos, doch nicht als Buch, sondern als Theaterstück.

„Harry Potter and the Cursed Child“ (Harry Potter und das verwunschene Kind) ist ein zweiteiliges Schauspiel, dessen Geheimnisse die Autorin nicht verraten haben will.

Ob das funktionieren wird? Immerhin laufen die Voraufführungen noch fast acht Wochen lang, bevor die offizielle Premiere am 30. Juli stattfinden wird.

Rowling, die das Stück in Zusammenarbeit mit dem Dramatiker Jack Thorne und dem Regisseur John Tiffany geschrieben hat, wollte nur wenig über den Inhalt sagen. Doch so viel ist bekannt: Teil 8 der Serie spielt 19 Jahre nach dem Sieg über Volde-mort und baut auf dem Epilog des letzten Buches auf, in dem der mit Ginny Weasley verheiratete Harry seine beiden Söhne James und Albus auf den Bahnsteig neundreiviertel zum Hogwarts-Express bringt.

„Alles ist gut“. Mit diesem Schlusssatz endete der Epilog, aber das war wohl, typisch Rowling, eine falsche Spur. „Es war immer schwierig, Harry Potter zu sein“, ist auf der Webseite des Stücks harrypottertheplay.com zu erfahren, „und jetzt, als überarbeiteter Angestellter des Ministeriums für Magie, ist es nicht viel leichter“. Die Vergangenheit lässt Harry nicht los, und auch sein jüngster Sohn Albus, der soeben als Elfjähriger in Hogwarts anfängt, „muss mit dem Gewicht eines Familienerbes kämpfen, das er nie wollte“. Beide, Vater wie Sohn, „erfahren die unbequeme Wahrheit: Manchmal kommt Dunkelheit aus einer unerwarteten Richtung.“

So weit, so geheimnisvoll. Wer zu den wenigen Glücklichen gehört, die eine Karte für die Voraufführungen ergattert hat, weiß bald mehr. Bevor erstmals der Vorhang hochging, gab es Zoff um die Besetzung von Hermine. Sie wird von der schwarzen Südafrikanerin Noma Dunezweni gespielt, und einige Fans entrüsteten sich: Das ginge doch gar nicht, Hermine sei schließlich weiß. Daraufhin fand Rowling deutliche Worte und beschimpfte die Protestierer als „einen Haufen Rassisten“.

Als im Oktober letzten Jahres die Theatertickets online angeboten wurden, waren sämtliche 175 000 Karten für die erste Saison binnen 24 Stunden verkauft. Jetzt gibt es noch auf eBay Tickets zu horrenden Preisen zu kaufen. Ein letzter Hoffnungsschimmer bleibt Potter-Fans mit der wöchentlichen Karten-Lotterie: Jeden Freitagnachmittag werden online noch 40 Tickets angeboten. Na dann, viel Glück!

Es war abzusehen, dass die Nachfrage nicht zu stillen war. Schließlich ist die Faszination der Harry-Potter-Marke ungebrochen. J.K. Rowling wurde zur ersten Schriftstellerin der Welt, die es durchs Schreiben zur Dollar-Milliardärin gebracht hatte. Die Gesamtauflage ihrer Harry-Potter-Bücher beläuft sich auf mehr als 450 Millionen Exemplare, sie wurden in mehr als 70 Sprachen übersetzt und fanden in mehr als 200 Ländern weltweit reißenden Absatz. Auch die Verfilmung der Reihe stellte cineastische Verkaufsrekorde auf. Der globale Wert der Potter-Marke wird auf 15 Milliarden Dollar geschätzt.

Doch auch die kulturellen Auswirkungen der Zauberlehrling-Saga sind kaum zu beziffern. Die Potter-Bände haben nicht nur die Stigmatisierung von Brillenträgern beendet und Millionen Kindern den Spaß am Lesen entdecken lassen. Sie sind sicherlich der bedeutendste, weil weitreichendste Kulturexport Großbritanniens seit den Beatles. Ob in Kasachstan oder Brasilien: Überall gibt es Potter-Fans, die ein positives Image von Großbritannien haben und die die einfache Moral der Bände, des Kampfes für die Schwachen und gegen das Böse, aus vollem Herzen teilen.

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