Streit um Verkaufsverbot von Energydrinks : Harmlose Muntermacher?

Energydrinks sind bei Jugendlichen als Partygetränk beliebt.
Energydrinks sind bei Jugendlichen als Partygetränk beliebt.

Sie schmecken zuckersüß und versprechen einen Kick. Jeder Vierte Teenager überschreitet die als unbedenklich eingestufte Menge Koffein

svz.de von
14. September 2015, 12:00 Uhr

Ganz gleich ob Red Bull, Monster oder Booster – koffeinhaltige Energy-drinks sind bei Jugendlichen beliebt. Dafür tun die Hersteller einiges. Sie werben aggressiv für die coolen Dosen und sponsern spektakuläre Sport-Events. Nach einer Ende Mai veröffentlichten Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa trinken bereits 68 Prozent der Teenager in der EU Energydrinks. Jeder Vierte von ihnen überschreitet mit drei und mehr Dosen hintereinander die als unbedenklich eingestufte Menge Koffein.

Die Muntermacher stehen im Verdacht, Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle, Nierenversagen und sogar Todesfälle zu verursachen, warnt die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch. Sie fordert genauso wie die Gesellschaft der Europäischen Kinderkardiologen ein europaweites Verkaufsverbot der trendigen Getränke an Minderjährige. Die SPD-Fraktion im Bundestag setzt sich für ein Abgabeverbot an unter 16-Jährige ein. Nach dem Willen von Foodwatch sollen die hochkonzentrierten sogenannten Energy Shots komplett verboten werden.

Die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke hält die Forderungen für „absolut unverhältnismäßig“. Eine 250-Milligramm-Getränkedose eines typischen Energydrinks enthalte in etwa die gleiche Menge Koffein wie eine Tasse Filterkaffee, argumentiert der Verband. Und auch Bundesernährungsminister Christian Schmidt sagt: „Verbote laufen hier ins Leere. Wir müssen stattdessen das Bewusstsein schärfen. Nachhaltige Erfolge erzielen wir durch Aufklärung und Bildung.“

Er werde noch in diesem Jahr eine Aufklärungskampagne zu Energydrinks und anderen koffeinhaltigen Lebensmitteln starten, kündigt der CSU-Politiker an. Geplant seien Faltblätter, Internet- und Hörfunkbeiträge sowie Materialien für den Schulunterricht.

Der Göttinger Kinderkardiologe Martin Hulpke-Wette hält den Kurs der Bundesregierung für unverantwortlich. Ein Verbot sei schon deshalb notwendig, weil die Folgen des chronischen, hochdosierten Konsums von Energydrinks im Jugendalter noch gar nicht wissenschaftlich untersucht seien, sagt der Mediziner. Mindestens 700 000 Kinder in Deutschland leiden dem Arzt zufolge unter Bluthochdruck, die meisten wüssten davon gar nichts. Die massiven wirtschaftlichen Interessen hätten offensichtlich ein höheres Gewicht als die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen, sagt der Kinderkardiologe. Wie bei Zigaretten und Alkohol müsse auch bei diesem Thema der Jugendschutz greifen. Das Bundesjugendministerium sieht aufgrund des aktuellen Forschungsstandes keinen Anlass für ein Abgabeverbot.

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