Unfall-Serie an Bahnübergängen : Güterzug rast in zwei Autos

Zwei Autos wurden in Tarp (Schleswig Holstein) an einem Bahnübergang von einem Güterzug gerammt – die Fahrer sind schwer verletzt.
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Zwei Autos wurden in Tarp (Schleswig Holstein) an einem Bahnübergang von einem Güterzug gerammt – die Fahrer sind schwer verletzt.

Vier schwere Unfälle in drei Tagen: Wo sich Straßen und Schienen kreuzen, kommt es immer häufiger zu Unglücken.

svz.de von
08. November 2015, 21:00 Uhr

Innerhalb von drei Tagen hat es vier schwere Unfälle an Bahnübergängen in Deutschland gegeben. Dabei starben zwei Menschen, etwa 30 wurden verletzt. Zuletzt rammte ein 500 Meter langer Güterzug am Sonnabend in Tarp (Schleswig-Holstein) mit hohem Tempo zwei Autos. Die beiden Fahrer wurden schwer verletzt aus ihren völlig demolierten Fahrzeugen geborgen. Bis in die Nacht waren Rettungskräfte damit beschäftigt, die Strecke in der Nähe von Flensburg freizuräumen.

Angesichts der Häufung der Unfälle fordert die Allianz pro Schiene bessere Schutzmaßnahmen an Bahnübergängen. Nach Angaben der Deutschen Bahn gehen die Unfälle an Übergängen jedoch zurück. „Über 90 Prozent dieser Kollisionen könnten durch richtiges Verhalten der Verkehrsteilnehmer vermieden werden“, teilte ein Sprecher auf Anfrage in Berlin mit. Die Deutsche Bahn reduziere die Zahl ihrer Bahnübergänge. Rund 4 800 Anlagen konnten seit 2004 demnach bereits beseitigt werden, weitere wurden mit einer technischen Sicherung ausgestattet oder durch Über- oder Unterführungen ersetzt.



Nach Angaben des Sprechers gab es 2013 bundesweit 18.117 Bahnübergänge, von denen etwa 60 Prozent technisch gesichert waren - etwa 20 Prozent mit Schranken, rund 70 Prozent mit Halbschranken und 10 Prozent mit Blinklicht- oder Lichtzeichenanlagen.

Bei der Kollision in Schleswig-Holstein wurde ein Pkw 50 Meter mitgeschleift. An dem Bahnübergang wurde der Bundespolizei zufolge gebaut, die Schranke wurde manuell bedient. Sie war zum Zeitpunkt des Unglücks nach Zeugenaussagen vermutlich geöffnet. Der Zugführer stand unter Schock und konnte zunächst nicht dazu befragt werden, sagte Bundespolizei-Sprecher Hanspeter Schwartz. Eine Aussage des Bahnüberwachungspostens stand noch aus.

Die Allianz pro Schiene fordert, dass ab März 2018 verpflichtend für Pkw und leichte Lastwagen vorgeschriebene Auto-Notrufsystem eCall zu erweitern. Anstatt den GPS-gestützten Notruf nur an die allgemeine Notrufnummer 112 abzusetzen, müsse es festinstalliert eine eigenständige Notfunktion für Gefahrensituationen an Bahnübergängen geben, erläuterte der Geschäftsführer des Verkehrsbündnisses, Dirk Flege, imARD-Magazin „brisant“.

In den vergangenen Tagen hatte es mehrere Unfälle an Bahnübergängen gegeben. Ebenfalls am Sonnabend war im niedersächsischen Lastrup eine Regionalbahn mit dem Anhänger eines Sattelzugs kollidiert, der auf den Gleisen stand. Die Lokführerin, ein Fahrgast und ein Zugbegleiter wurden nach Angaben der Polizei leicht verletzt. Erst am Donnerstag war ein Regionalzug in Bayern auf einem Bahnübergang in einen Schwertransporter gerast, der Lokführer und der Fahrer des Lastwagens starben. 18 Menschen wurden verletzt. Am selben Tag gab es auf der Strecke zwischen Oldenburg und Bremen sieben Verletzte bei einer Kollision zwischen einem Zug und einem Sattelschlepper.

Weitere schwere Unfälle in diesem Jahr:
September:
Fünf junge Männer sterben, als ein Regionalzug auf einem Bahnübergang bei Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) in ihr Auto rast. Laut der Ermittler waren die Halbschranken geschlossen.
Mai: Als ein Gülletransporter bei Ibbenbüren bei Osnabrück einen Bahnübergang überquert, löst sich der Anhänger und bleibt auf den Gleisen stehen. Eine Regionalbahn rammt ihn. Bilanz: zwei Tote.
Auf einem unbeschrankten Bahnübergang in Schleswig-Holstein rammt ein Regionalzug ein Auto. Ein fünfjähriger Junge stirbt.
April: Zwei 14 und 15 Jahre alte Schwestern sterben in Baden-Württemberg, als ein Regionalzug auf einem unbeschrankten Bahnübergang den Wagen ihrer Mutter erfasst.
Februar: Mit einem technischen Defekt bleibt in Niedersachsen ein Traktor mit Gülle-Anhänger auf einem beschrankten Bahnübergang stehen und wird von einem Autozug gerammt. Der Fahrer stirbt.
Januar: Trotz geschlossener Halbschranken betritt in Rudolstadt (Thüringen) ein 62-Jähriger den Bahnübergang. Ein ICE überrollt ihn.

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