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Wissenschaft : Grüße aus Jurassic Park

vom
Aus der Onlineredaktion

Am 23. Oktober wäre der Jurassic-Park-Autor Michael Crichton 75 Jahre alt geworden. Wie sieht es mit der Idee, die Urzeitechsen wiederzubeleben, heute aus?

Der Tyrannosaurus rex stand praktisch schon vor unserer Tür. Nie war die Rückkehr der Dinosaurier so zum Greifen nahe wie im Jahr 2007, als die US-amerikanische Paläontologin Mary Higby Schweitzer eine wissenschaftliche Sensation verkündete: Ihr war es anscheinend gelungen, in einem 68 Millionen Jahre alten Beinknochen von einem Tyrannosaurus rex sogenanntes „weiches Gewebe“ zu finden, ja sogar Blutrückstände – was praktisch der Entdeckung von Dinosaurier-DNA gleichkam. Die Rückkehr der Urzeitechsen war damit eigentlich nur noch reine Formsache.

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Der Paläontologe und Astrophysiker Thomas G. Kaye vom Burke-Museum in Seattle wollte es genauer wissen und prüfte die Forschungsergebnisse Schweitzers unter dem Elektronenmikroskop nach. Er kam allerdings zu einem ganz anderen Ergebnis: „Es handelt sich hierbei keineswegs um weiches Gewebe von Dinosauriern, sondern vielmehr um bakterielle Biofilme, die später in die Fossilien eingedrungen sind.“ Keine Tyrannosaurus-DNA also.

Die dürfte sich auch in Zukunft schwerlich finden lassen, meinen zumindest der australische Paläontologe Mike Bunce von der Murdoch-Universität in Perth und der Geogenetiker Morten Erik Allentoft von der Universität Kopenhagen. Die beiden Wissenschaftler haben 158 Beinknochen des ausgestorbenen neuseeländischen Laufvogels Moa auf den Zerfall der DNA hin untersucht.

Aufgrund ihrer Studien an den 600 bis 8000 Jahre alten Proben kamen sie 2012 zu dem Schluss, dass die DNA nur eine Halbwertszeit von 521 Jahren hat. Mit anderen Worten, sagt Mike Bunce: „Selbst bei optimaler Lagerung von minus fünf Grad ist die DNA eines Knochens nach maximal 6,8 Millionen Jahren komplett zerstört.“ Zum Vergleich: Das derzeit älteste Genom, das Genetiker 2013 entschlüsselten, entstammt einem im Permafrostboden konservierten Pferd, das vor 700  000 Jahren verstorben ist. Die Dinosaurier sind aber vor 65 Millionen Jahren ausgestorben.

Allerdings wird die Dino-DNA im Film „Jurassic Park“ ja auch gar nicht aus den Fossilien selbst gewonnen, sondern vielmehr aus einer in Bernstein eingeschlossenen Mücke, die am Dinosaurierblut gesaugt hat. Könnte man vielleicht auf die Art und Weise in den Besitz der begehrten DNA kommen? Auch dieser Frage haben sich die Forscher im Zuge des ersten Filmes von 1993 angenommen – und wiesen bald schon Erfolge vor. Heute steht allerdings fest, dass die damals untersuchten Proben verunreinigt waren und keine Dinosaurier-DNA enthielten. Mehr noch: Neuere Forschungen der Universität Manchester legen sogar nahe, dass genetisches Material ausgerechnet im Inneren von Insekten besonders schnell zerfällt.

Der Genetiker Terry Brown und der Paläontologe und Bernsteinspezialist David Penney untersuchten im Jahr 2013 zwei Bienen, die in Bernstein eingeschlossen waren, beziehungsweise in dessen Vorstufe, dem Kopalharz. Weder in dem Tier, das schon 10  600 Jahre in dem Harz verbracht hatte, noch in dem zweiten Exemplar, das erst 60 Jahre eingelagert war, konnten die Forscher noch intakte Bienen-DNA finden. Penney bilanziert: „Es scheint so, als müsste Jurassic Park eine Fiktion bleiben.“ John R. Horner, Paläontologe und wissenschaftlicher Berater der „Jurassic-Park“-Filme, formuliert es augenzwinkernd so: „Wenn Sie ein Stück Bernstein mit einer Mücke darin anbohren würden, und das, was Sie daraus extrahieren könnten, immer wieder klonten, hätten sie am Ende nichts anderes als ein Zimmer voller Mücken!“

Horner hat dann auch einen ganz anderen Einfall, wie man die Dinosaurier wieder zum Leben erwecken könnte. Das Zauberwort heißt „Rückzüchtung“. Die Idee erscheint in der Tat bestechend: Da die Vögel Nachfahren der Dinosaurier sind, sollte es da denn nicht möglich sein, die Evolution quasi wieder umzukehren, also Vögel gezielt zu Dinosauriern zurückzuzüchten?

In der Tat tragen die Vögel heute noch viele Dinosauriermerkmale in sich. Als sogenannte „Übergangsform“ zwischen Dinosauriern und Vögeln gilt Wissenschaftlern unter anderem der Urvogel Archaeopteryx, der Merkmale von Dinosauriern, wie etwa Zähne und einen langen knöchernen Schwanz, mit Merkmalen von Vögeln verbindet, wie etwa moderne Flugfedern. „Dinosaurier verloren ihre knöchernen Schwänze, als sie zu Vögeln wurden. Ihre Arme beziehungsweise Hände bildeten sie zu Flügeln um“, sagt Horner. „Ich denke, dass wir die Evolution wieder umkehren können, wenn wir erst einmal wissen, welche Gene für diese Transformationen verantwortlich sind. Wir reaktivieren dann den Schwanz und machen aus dem Flügel wieder eine Hand.“

Horner ist nicht der einzige, der an Rückzüchtungen glaubt. Einige derartiger Zuchtprogramme können ihre Ergebnisse heute schon durchaus sehen lassen, wie etwa das „TaurOs-Project“ unter niederländischer Federführung, bei dem es darum geht, dem Auerochsen so nahe wie möglich zu kommen, also dem im 17. Jahrhundert ausgestorbenen Urrind, das eine Schulterhöhe von atemberaubenden 1,80 Meter erreichen konnte. Von diesem Ziel sind die heutigen Tiere allerdings noch ein gutes Stück entfernt.

Das erste und bisher auch einzige ausgestorbene Tier, das „erfolgreich wiederbelebt“ wurde, ist der Pyrenäensteinbock (Capra pyrenaica pyrenaica). Dem im Jahr 2000 verstorbenen letzten Weibchen seiner Art wurde nach dessen Tod Erbmaterial entnommen und in eine normale Hausziege verbracht, die das Steinbockkitz dann austrug. Nach seiner Geburt überlebte es allerdings nur kurz – und so starb der Pyrenäensteinbock ein zweites Mal aus.

Spätestens hier stellt sich für viele die Frage der Ethik. Selbst wenn es uns eines Tages gelänge, Dinosaurier wieder zu neuem Leben zu erwecken, was dann? Wie und wo wollte man etwa einen Tyrannosaurus rex unterbringen? Sollte man ihn gar in einem Zoo halten? Wie lange würde es dann wohl noch dauern, bis die ersten Dinosauriersteaks im Supermarktregal lägen?

 

Christian Satorius

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