Hamburg Altona : Grünes Licht für neuen Bahnhof

Modell des geplanten Bahnhofs in Hamburg-Altona  Grafik: Gerkan, Marg und Partner
Modell des geplanten Bahnhofs in Hamburg-Altona Grafik: Gerkan, Marg und Partner

Hamburg darf wie geplant eine neue Fern- und Regionalstation bauen. Kritiker befürchten ein Kostendebakel

svz.de von
03. Januar 2018, 21:00 Uhr

Nur der Name bleibt – ansonsten wird alles anders beim Bahnhof Hamburg-Altona: Mit dem Neubau der Station zwei Kilometer nördlich des bisherigen Standorts wird sich in Hamburgs Westen einiges verändern. Dieser Tage hat die Bahnhofs-Verlegung eine entscheidende Hürde genommen. Das Eisenbahnbundesamt genehmigte die Planfeststellungsunterlagen, die Baugenehmigung für das 360-Millionen-Euro-Projekt.
Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis: „Die Hauptbaumaßnahmen sollen planmäßig in diesem Sommer beginnen.“ Zunächst werde dann das Baufeld vorbereitet. Die Inbetriebnahme des neuen Fern- und Regionalbahnhofs sei für den Jahreswechsel 2023/2024 vorgesehen.

Ob das Vorhaben rechtlich noch aufgehalten wird, ist unklar, aber eher unwahrscheinlich. Dem Vernehmen nach trägt sich ein Anwohner in Diebsteich mit der Absicht, gegen die Planfeststellung zu klagen. Ob ein Gericht das zum Anlass für einen Baustopp nehmen würde, ist damit aber nicht gesagt. Die Bürgerinitiative „Prellbock“, die seit Jahren gegen den Bahnhofsumzug Front macht, hat mangels eigener Betroffenheit kein Klagerecht.

Mit der neuen Durchgangsstation ersetzt die Deutsche Bahn den bisherigen Kopfbahnhof Altona, von dem nur der unterirdische S-Bahnhaltepunkt übrig bleibt und der dann Altona-Mitte heißt. Die geräumten Gleisflächen werden Teil der Neuen Mitte Altona, einem Neubaustadtteil für fast 10 000 Menschen.

Am bisherigen S-Bahnhof Diebsteich baut die Bahn vier Bahnsteige (acht Gleise), drei für den Fern- und einen für den S-Bahnverkehr. Dort sollen ab 2024 unter anderem die ICE in Richtung Kiel, die Regionalzüge nach Pinneberg, Elmshorn und Itzehoe sowie die S-Bahnen S 3 (Pinneberg-Stade) und S 21 (Hamburg-Kaltenkirchen) halten. Die Bahn kalkuliert mit lediglich 22 000 Fahrgästen an durchschnittlichen Werktagen, der Großteil davon Umsteiger.

Die Stadt verspricht, den Bahnhof zur attraktiven „Landmarke“ für den Stadtteil zu machen. Und das zum Teil auf eigene Kosten. Weil die Deutsche Bahn nur einen schlichten Funktionsbau zahlt, hat der Senat eine zusätzliche Mantelbebauung angeschoben. Ein privater Investor baut einen Hotelturm (58 Meter), ein Bürohochhaus (76 Meter) sowie einen Ladenriegel. Dazu gibt es eine dreigeschossige Empfangshalle mit „großstädtischer Anmutung“, samt zwölf Meter hoher Überdachung des Vorplatzes.

Die Kritiker von „Prellbock“ halten die Verlegung dennoch für einen schweren Fehler. Sprecher Michael Jung sagt Gesamtkosten von „bis zu einer Milliarde Euro“ voraus – und zieht Parallelen zum Kostendesaster bei Stuttgart 21. Auch die Linksfraktion in der Bürgerschaft lehnt den Neubau vehement ab.

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