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Kritik an ARD-Dreiteiler : Gravierender Fehler bei NSU-Film

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ARD-Dreiteiler zur Geschichte des NSU bleibt nicht nur quotenmäßig hinter den Erwartungen. Kritisiert wird ein gravierenden Fehler: Die Ignoranz gegenüber dem einzigen deutschen Mordopfer, der Polizistin M. Kiesewetter

svz.de von
erstellt am 03.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Die ARD-Dreiteiler zur Geschichte des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) bleibt nicht nur quotenmäßig hinter den Erwartungen. Die Opfer-Beauftrage der Bundesregierung wie auch die Deutsche Polizeigewerkschaft kritisieren vor allem einen gravierenden Fehler: Die Ignoranz gegenüber dem einzigen deutschen Mordopfer, der Polizistin Michèle Kiesewetter. 

Die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Opfer des NSU-Terrors, Barbara John, hat Kritik an der zweiten Folge des TV-Dreiteilers „Mitten in Deutschland: NSU“ der ARD geübt, der am heutigen Montag ausgestrahlt wird.

 „Bedauerlicherweise gibt es einen gravierenden Fehler in Form einer groben Unterlassung. Es wird das Schicksal von neun Mordopfern gezeigt. Das zehnte Opfer der NSU, die Polizistin Michèle Kiesewetter, fehlt, die am 25. April 2007 in Heilbronn ermordet wurde“, sagte John gestern im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. Bei allem Verständnis für künstlerische Freiheit und Fiktion sei dies „inakzeptabel“, noch dazu weil es sich um eine bewusste Entscheidung der Filmemacher handele. „Die ARD ist hier eine Erklärung schuldig. Möglicherweise passte sie nicht in das Grundmuster des Rassismus“, sagte die Ombudsfrau der Bundesregierung. Natürlich sei die Terrorzelle NSU rassistisch gewesen, aber er habe auch eine Polizistin ermordet. „Das gehört auch zu der Terrorzelle. Hier werden im Film Fakten verfälscht. Hier droht die Gefahr der Bildung neuer Mythen“, erklärte John.

Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierten den ARD-Dreiteiler: Gerade die Polizistin Michèle Kiesewetter sei untypisch in dieser Mordserie, erklärte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow. „Somit hätte die Spannbreite der Mordopfer abgebildet werden können. Damit wiederholt sich auch im Film die öffentliche Debatte, in der die Polizistin Kiesewetter kaum als Opfer des NSU betrachtet wurde“, sagte Malchow im Gespräch mit unserer Berliner Redaktion. „Der unberechtigte Vorwurf des institutionellen Rassismus in der Polizei wäre bei der Betrachtung vom Mordopfer Kiesewetter sicher schwerer zu führen gewesen“, erklärte der GdP-Chef. Nach Ansicht des Chefs der DPolG, Rainer Wendt, sei bereits im ersten Teil des Films deutlich geworden, „dass es den Autoren offensichtlich darum geht, die gesamten Sicherheitsbehörden als möglichst lächerlich und inkompetent erscheinen zu lassen“, sagte er. Es sei zu befürchten, dass sich dies so fortsetzen werde. „Dieser Film ist Fiktion, die Wirklichkeit bildet er nur in kleinen Teilen ab. Aber jede Menge Zeitgeist findet man auf jeden Fall“, erklärte Wendt.

„Allen zehn Opfern des barbarischen NSU-Trios sollte gleichermaßen Rechnung getragen werden. Und dazu gehört auch die Polizistin Kiesewetter“, erklärte der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer. Auch wenn der Schwerpunkt der Opfer aufgrund der verabscheuungswürdigen rassistischen Gesinnung des NSU bei türkischen und griechischen Mitbürgern gelegen habe, sei durch die brutale Hinrichtung der Polizistin Kiesewetter deutlich geworden, dass sich die drei NSU-Terroristen mit ihrem Terror auch gegen staatliche Organisationen und damit den Staat insgesamt gewandt hätten, so Mayer.

Rasmus Buchsteiner sprach mit der Ombudsfrau für NSU-Opfer, Barbara John, über die Filme.

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