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Interview : „Glaubwürdigkeit völlig verspielt“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mit Sylvia Schenk, Sportbeauftragte von Transparency International, sprach unser Reporter Rasmus Buchsteiner.

Mit Sylvia Schenk, Sportbeauftragte von Transparency International, sprach unser Reporter Rasmus Buchsteiner.

Wie gefährlich wird die Affäre für Fifa-Präsident Blatter?
Alle Korruptionsverfahren und –vorwürfe stammen aus der Zeit, in der er an der Spitze der Fifa gestanden hat. Einiges davon muss er gewusst haben. Er wird dieses Wissen wohl für seine Zwecke und seinen Machterhalt genutzt haben. Bisher gibt es zwar keine konkreten Vorwürfe gegen Blatter selbst. Aber angesichts der Vorgänge innerhalb des Verbandes in den letzten Jahren hat er seine Glaubwürdigkeit völlig verspielt. Es ist Zeit für einen personellen Neuanfang an der Spitze der Fifa.

Waren die Bemühungen der Fifa gegen Korruption nur Lippenbekenntnisse?
Die meisten Vorfälle, über die wir jetzt reden, beziehen sich auf die Vergangenheit oder auf die Mitgliedsverbände, bei denen Blatter keine Durchgriffsmöglichkeiten hat. Die Fifa hat im Bereich Korruptionsbekämpfung in den letzten Jahren einiges geleistet.
Das Problem ist, dass sie so viele Altlasten mit sich herumschleppt. Beim Versuch der Selbstreinigung kommt erst einmal jede Menge Schmutz hoch. Korruption spielt aber auch in anderen Sportverbänden eine große Rolle.

Müsste neu über die Vergabe der Fußball-WM 2018 und 2022 abgestimmt werden?
Dazu muss Korruption konkret nachgewiesen werden. Wir brauchen den Beweis, dass es Leistung und Gegenleistung gegeben hat. Ein Verdacht reicht nicht aus. Ein juristisch wasserdichter Nachweis von Korruption wird schwer zu erbringen sein. Selbst dann wäre die Entscheidung für Russland und Katar jetzt kaum noch zurückzunehmen. Es würde die Fifa zudem ins totale Chaos stürzen. Die Folge wären Schadensersatzprozesse überall auf der Welt.

Müsste auch die Fifa-Entscheidung für Deutschland als Austragungsort der WM 2006 überprüft werden?
Die Entscheidung ist jedenfalls nicht über jeden Zweifel erhaben. Auch damals hat es schwere Vorwürfe gegeben. Wir Deutschen sollten nicht mit erhobenem Zeigefinger auf andere zeigen.
 

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