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Keine Gegendemos : Gipfel der Weihnachtsmänner

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Aus der Onlineredaktion

160 Geschenkebringer sind gestern ins sommerliche Kopenhagen zu ihrem 60. Weltkongress gekommen

svz.de von
erstellt am 25.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Nicht nur Staatschefs brauchen Gipfel. Auch Weihnachtsmänner pflegen diesen Brauch. Rund 160 von ihnen sind gestern zum „Weltkongress der Weihnachtsmänner“ in Kopenhagen eingeflogen. Gegendemonstrationen werden nicht erwartet, im Gegenteil.

Es ist schon das 60. Mal, dass mitten im Hochsommer weihnachtliche Stimmung in der dänischen Hauptstadt aufkommt. Entzücken und Verwirrung gaben sich bei den Kindern schon am Vormittag die Hand. Da hat die mehrheitlich rotweiß gekleidete Truppe der kleinen Meerjungfrau in der Bucht von Kopenhagen traditionsgemäß einen Besuch abgestattet. Besonders pfiffige Kinder nutzten die Gelegenheit, um schon mal Wunschzettel abzugeben.

Danach marschierten die Weihnachtsmänner durch die Kopenhagener Innenstadt und durch den Vergnügungspark „Bakken“, der den Gipfel seit 1957 jedes Jahr organisiert.

Die winterlich gekleideten Delegierten aus 15 Ländern, vor allem aus Europa, aber auch aus Amerika, Japan und Hongkong, hatten Glück mit den im Vergleich zu den Vorjahren relativ milden Temperaturen von rund 17 Grad. Keine Schweißausbrüche hinter Vollbärten und Mützen in diesem Jahr.

Normalerweise geht der Gipfel nur drei Tage lang. Wegen des 60. Jahrestags bleiben die Weihnachtsmänner diesmal aber gleich vier Tage. „Da ist dann auch mehr Zeit, um die Kinder zu treffen, neben allen Verhandlungen“, sagt Stine Groth Rasmussen vom Vergnügungspark. Im Zuge der Gleichberechtigung seien inzwischen auch immer mehr Weihnachtsfrauen anwesend, unterstreicht sie.

Aber warum ein Gipfel der Weihnachtsmänner ausgerechnet im Sommer? „Wir haben dann ab Herbst so viel zu tun mit der Organisation und Logistik der Geschenke. Und nach Weihnachten müssen wir uns ausruhen. Der Sommer ist im Grunde die einzige Zeit, in der wir Luft für unsere Gipfeltreffen haben“, erklärt Douglas Gowin (58), Weihnachtsmann und Optiker aus Washington DC. Er ist schon zum 10. Mal dabei.

Erwartungsgemäß sei der Tag der Geschenkausgabe wieder ein heikles Thema, so Gowin. Es werde wohl auch wieder keine Einigung geben, sagt er. Die Mehrheit der internationalen Fraktionen ist für den 24. Dezember. Neben der Tradition auch aus Mitmenschlichkeit: Die Kinder müssten dann nicht so lange warten, wird argumentiert.

Vor allem die englischsprachigen Delegationen weigern sich aber, ihren 25. Dezember aufzugeben. Sie werfen neben ihrer Tradition auch ins Feld, dass es gut sei, sich schon in jungen Jahren in Geduld zu üben. „Wir in Amerika kommen in der Nacht zum 25. durch den Schornstein, wenn die Kinder schlafen. Das ist praktisch, man kommt schneller rein und raus, als wenn die noch wach sind“, gibt Gowin zu bedenken. Hinzu kommt noch eine dritte Gruppe der bärtigen Herren, die sogar erst für den 6. Januar plädiert. Einigkeit herrsche aber in einem anderen Punkt: Um Geschenke zu bekommen, sollten die Kinder möglichst nicht ungezogen gewesen sein, so Gowin. „Sie sollten auf die Eltern hören, ihre Zimmer aufgeräumt halten und das Gemüse auf dem Teller essen“, umreißt er wesentliche Kriterien.

Auch der dänische Weihnachtsmann und Flughafensicherheitsangestellte Michael Kristensen (43) ist schon beim Gipfel dabei gewesen. „Ich bin stolz darauf, dass so viele Weihnachtsmänner jeden Sommer in meine Stadt finden. Am wichtigsten ist, bei unserer Tagung dafür zu sorgen, dass die Kinder ein so glückliches Weihnachtsfest wie möglich erleben“, unterstreicht er. Das sei trotz aller kleinen Streitfragen für alle Delegierten das Wichtigste. Da werde man sich alle Jahre wieder einig.


 

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