Umfrage : Gewalt gegen Lehrer an jeder dritten Grundschule

Drohen, Schimpfen, Schlagen - Lehrer werden immer wieder Opfer von Gewalt im Klassenzimmer.

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02. Mai 2018, 20:30 Uhr

An etwa jeder dritten Grundschule in Deutschland sind Lehrer innerhalb der vergangenen fünf Jahre körperlich angegriffen worden. Das berichteten Schulleiter, wie aus einer Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) hervorgeht. Über alle Schulformen hinweg kam es demnach an jeder vierten Schule zu körperlicher Gewalt gegen Lehrkräfte. Fast die Hälfte der Befragten gaben an, dass es an ihrer Schule in den vergangenen fünf Jahren Fälle von „psychischer Gewalt“ gab.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht davon aus, dass Schulen soziale Probleme künftig stärker ausgleichen müssen: „Es nützt nichts zu sagen: Die Eltern sind schuld. Viele Familien sind überfordert. Und die Schülerinnen und Schüler kommen so, wie sie sind. Die Schulen werden zunehmend eine ausgleichende Leistung erbringen müssen“, sagte Ilka Hoffmann, Mitglied des geschäftsführenden GEW-Vorstandes, im Gespräch mit unserer Redaktion. Hoffmann forderte mehr Ressourcen für die Schulen – mehr Zeit für Einzelgespräche, mehr Beratungs- und Fortbildungsangebote für Lehrer. „Gleichzeitig müssen Schule und soziale Dienste viel besser vernetzt werden.“

Das Problem sei größer als von den Kultusministerien dargestellt. Die Zahlen der VBE-Statistik passten zu Rückmeldungen von Schulen an die GEW. „Die fühlen sich alleingelassen. Es hilft aber nicht, nur auf die Zahlen zu schauen. Der Gesamtzusammenhang muss in den Ministerien endlich realisiert werden. Sonst wird sich nichts ändern.“ Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, sagte unserer Redaktion, es gebe viele Gründe, aus denen Gewalttaten verschwiegen würden: „Viele Lehrer werden von ihrer Schulleitung nicht ausreichend unterstützt. Wer einen Vorfall meldet, muss mit einer negativen Rückmeldung rechnen und sich zum Teil sogar vorwerfen lassen, er habe seine Klasse nicht im Griff.“ Die Schulleitung ihrerseits fürchte einen Imageschaden, und in Ministerien sei das Interesse an Erfolgsmeldungen groß. „Das muss sich ändern“, forderte Meidinger. „Über Gewalt muss offen gesprochen werden. Lehrer dürfen nicht das Gefühl haben, dass es besser ist, Vorfälle zu verschweigen.“ Der Verbandspräsident ergänzte: „Minister besuchen gerne Leuchtturmprojekte und ausgezeichnete Schulen. Hilfreicher wäre es, wenn sie auch Brennpunktschulen besuchen. Nur so können sie ein echtes Bild der Realität gewinnen.“

Um der zunehmenden Gewalt zu begegnen, müssten Brennpunktschulen besser ausgestattet werden. „Sie brauchen besonders gute Pädagogen, die mehr Zeit bekommen, um mit den Problemen dort umzugehen.  Außerdem brauche es Gewaltprävention und Schulvereinbarungen.

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