Milchindustrie : Gesund und profitabel

Das System Milch: Afrikanische Kühe haben mit rund fünf Litern Milch täglich eine vergleichsweise geringe Leistung.
Das System Milch: Afrikanische Kühe haben mit rund fünf Litern Milch täglich eine vergleichsweise geringe Leistung.

Arte zeigt mit der Dokumentation „Das System Milch“ die Hintergründe eines milliardenschweren Geschäfts.

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19. November 2017, 20:45 Uhr

Wegen ihrer vielseitigen Verwertungsmöglichkeiten und ihrer unumstrittenen Rolle als Kindernahrung hat Milch in unserer Gesellschaft eine hohe symbolische, ja fast mythische Bedeutung.

Auf dem globalen Lebensmittelmarkt ist sie ein besonders attraktives Produkt. Von dem bis heute romantisch verklärten Bild der idyllischen Milchviehwirtschaft ist aber nicht mehr viel übrig. Zwar wird dem Verbraucher immer noch der gute, alte Bauerhof mit gesunden, glücklichen Kühen auf grünen Weiden suggeriert. Doch davon ist inzwischen nicht mehr viel übrig.

Über die neuen Realitäten informiert der Grimme-Preisträger Andreas Pichler in seiner TV-Dokumentation „Das System Milch“. Sie ist am 21. November ab 20.15 Uhr auf Arte zu sehen.

Pichler zeigt, wie aus dem Geschäft mit der Milch eine milliardenschwere Industrie geworden ist, die dafür sorgt, dass der Milchkonsum weltweit konstant ansteigt. Egal ob in Europa, Asien oder Afrika – Milch steht sinnbildlich für ein auf unkontrolliertes Wachstum getrimmtes Modell globaler Lebensmittelproduktion.

Natürlich ist Milch ein wertvolles Nahrungsmittel. Allerdings ist deren Rolle bei Fachleuten heute als Kindernahrung sehr umstritten. Doch Milch ist reich an Calcium, und das brauchen gerade die Kinder, um starke Knochen und Zähne zu bilden. Milcheiweiß nutzt der menschliche Körper, um Zellen aufzubauen und zu regenerieren. Milchzucker (Laktose) und Fette liefert dem Körper Energie. Darüber hinaus enthält die weiße Flüssigkeit viele Vitamine und Mineralstoffe. Manche Menschen können jedoch keine Milch trinken, weil sie die Laktose nicht vertragen.

Kuhmilch macht mehr als 80 Prozent der weltweiten Milchproduktion aus. 2015 wurde nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) weltweit etwa 805 Millionen Tonnen Milch produziert. Deutschland ist nach den USA, Indien, Brasilien, und China der fünftgrößte Kuhmilchproduzent.

Die Milchproduktion unterliegt hierzulande einer strengen Kontrolle. So legen akribische Vorschriften fest, welche Inhaltsstoffe das Produkt enthalten darf und welche nicht. Tierärzte und Lebensmittelkontrolleure wachen darüber, dass die Bestimmungen eingehalten werden. Sie testen mehrmals im Monat den Fett- und Eiweißgehalt der Milch, ebenso die Anzahl an Bakterien, Hefen und Pilzen. Zudem überprüfen sie auch, ob die Landwirte auf die Hygiene achten, wenn die Kühe gemolken werden.

Allerdings bekommen die Bauern nur einen Bruchteil des Ladenpreises, während die Molkereien und Einzelhändler kräftige Gewinne einstreichen. Das grundsätzliche Problem ist gegenwärtig in Europa, dass es zu viel Milch auf dem Markt gibt. Rund 360 000 Tonnen Milchpulver wurden im Zuge der Überproduktion 2015/16 von der EU zwecks Preisregulierung vom Markt genommen und eingelagert. Wenn das Pulver nun wegen des Verfallsdatums auf den Markt kommt, befürchten die Landwirte einen weiteren Preisverfall.

Kühe sind heutzutage zu Lieferanten für eine hochtechnisierte Milchindustrie geworden. Während eine Kuh hierzulande täglich um die 30 Liter Milch gibt, schafft ein afrikanisches Rind nur um die fünf Liter. Die Züchtung hat immer höhere Milchleistungen im Blick, die Tiergesundheit spielte immer weniger eine Rolle.

Welche Alternativen gibt es? Welche Menschen stehen dahinter? Welche Auswirkungen hat die Milch tatsächlich auf unsere Gesundheit? Auch diesen Fragen geht der Dokumentarfilmer nach.

Andreas Pichler sprach mit Bauern, Molkereivorständen, Politikern und Wissenschaftlern. Eine Reise über mehrere Kontinente, die mit Vorurteilen aufräumt und Lösungen aufzeigt.

Im Anschluss vermittelt um 21.45 Uhr ein Gespräch mit dem französischen Journalisten und Gesundheitsexperten Thierry Souccar weitere Informationen.

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