Adventszeit : Geschenkt! Die schönste Weihnacht aller Zeiten...

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ALLE JAHRE WIEDER – liegen gerade an Weihnachten die Nerven blank. Aber diesmal bringen wir Sie sicher durch die wichtigsten Weihnachts-Krisengebiete.

svz.de von
30. November 2014, 09:00 Uhr

Mal ehrlich: Wie weit sind Sie mit der Geschenkebeschaffung? Vermutlich geht es Ihnen wie mir: Das einzige, das sie ganz sicher haben, ist ordentlich Stress bei der Aussicht, für all die Lieben etwas wunderbar Treffsicheres beschaffen zu sollen. Nicht so teuer, dass man dafür einen Kredit aufnehmen muss, aber auch nicht so billig, dass man als größter Knauser seit Ebenezer Scrooge in die Familien-Weihnachtsgeschichte eingeht. Man möchte den Wunsch erraten, den der andere vielleicht noch nicht mal selbst kennt. Aber auch mit Geschmack und Einfühlungsvermögen in die Bedarfslandschaften des anderen beeindrucken.

Manche wollen auch Rache (dieses Jahr wird Tante Inge für ihre Tortillapresse vom letzten Jahr büßen) oder erzieherisch tätig werden (das ‚gute’ Buch für den lesefaulen Neffen, der Hometrainer für angetraute Couch-Potatoe oder das Designer-Hemd für den Modemuffel). Was immer ein Geschenk motiviert – im Hintergrund laufen immer auch nicht ganz uneigennützige Absichten mit. Deshalb ist die emotionale To-Do-Liste von Kerzenleuchtern oder Hautpeelings, von Uhren, Büchern, Dampfkochtöpfen und selbst von Socken, vermutlich länger als die von Angela Merkel.

In den USA nennt man das, was wir da unbewusst tun „fighting with property“. Meint: „Wir tragen mit unseren Geschenken immer auch einen subtilen Kampf aus.“ Um Anerkennung, um Status und auch um Liebe. Einen, der alle Jahre wieder zu herben Verlusten führt. Auch finanziell. Der US-Ökonom Joel Waldfogel etwa hat errechnet, dass allein in den USA jährlich 13 Milliarden Euro für Präsente verschwendet werden, die niemand wollte, die keinem gefallen und die einfach in irgend einer dunklen Ecke verschwinden. Nicht mal der Berliner Flughafen hat so viel Geld verschleudert.


Orgie der Wertvernichtung


Der Ökonom bezeichnet den weihnachtlichen Schenkmarathon deshalb auch als eine „Orgie der Wertvernichtung.“ Wenig erfreulich auch das Ergebnis einer weiteren Studie. Demnach schätzen Beschenke den Wert eines Präsentes durchschnittlich zwanzig Prozent niedriger ein als es tatsächlich gekostet hat. Leider ist gar kein Geschenk auch keine Lösung. Weil man natürlich ganz tief im Herzen doch noch immer ein kleines Bisschen darauf hofft, dass es doch etwas gibt. Dass etwa der Gatte trotz eines einvernehmlichen erklärten Geschenke-Embargos für die Beziehung doch etwas total Süßes beschaffen wird. Deshalb hat man sich natürlich seinerseits mit einem Präsent vorbereitet – um am Ende zu erleben, wie Weihnachten sich auch noch als Liebesfrustbeschleuniger profiliert. Kurz: Geschenke können einen ganz schön fertig machen. Auch und gerade die, die man nicht macht oder nicht bekommt oder die immer ganz anders sind, das, was man sich gewünscht hat.

Was also tun? Sich an den Rat der Geschenkeforschung halten. Die sagt zwar, dass Schenken schon immer und zwar in allen Kulturen ziemlich schwierig war, weil stets Absichten damit verbunden wurden. Sie sagt aber auch, dass es etwas Wunderbares sein kann. Wenn man es nicht mit einer Rolle als Weihnachtshauptdarsteller überfordert. Das Fest ist mehr als das Aufreißen von Geschenkpapier oder ein heimlicher Wettkampf um das größtmögliche Staunen oder das Abarbeiten von Wunschlisten – die längst immer mehr Lieferscheinen ähneln. Schenken sollte man überhaupt möglichst nur aus Freude, aus Liebe und ganz und gar selbstlos. Meint: Nicht daran denken, mit welchem noch größeren Präsent man sich für ein anderes „revanchieren“ kann. Es darf ruhig kleiner ausfallen – und es kann ja trotzdem wertvoll sein. Einfach, weil ein guter Gedanke darin steckt.


Nur kein Rachefeldzug


Weihnachten ist das Fest der Liebe und kein Seminar für Eindrucksmanagement und auch kein Rachefeldzug für erlittene Scheusslichkeiten. Deshalb bekommt die Schwiegermutter auch keinen Plastikhornhauthobel, sondern ihr wird großmütig ein neues Halstuch überreicht. Und: Auch wenn sich einem die Notwendigkeit eines dritten Akkuschraubenziehers partout nicht erschließt – wenn man weiß, dass es den Gatten freut. Bitteschön! Hilfreich auch, möglichst zügig einen Geschenkeplan zu machen. (Kleiner Tipp an die Männer: Weihnachten ist wirklich IMMER am 24. Dezember!)

Und sollte man knapp bei Kasse sein: Man kann auch Hilfe schenken – indem man Dinge repariert oder ausbessert oder etwas lang Verschollenes auch gebraucht beschafft. Wie alte Schallplatten, vergriffene Bücher oder alte Fotografien, die man wunderbar auf Leinwand aufziehen kann. Keinesfalls sollte man Geld verschenken. Außer an Briefträger, Putzfrauen, Hausmeister. Da gilt: Zehn bis zwanzig Euro dürfen es für den Postboten und den Hausmeister sein – die Putzfrau kann bis zu einem Monatssalär erwarten.

Und was tut man mit pubertierenden Nichten und Neffen? Die lernen mit einem Gutschein für Konzerttickets in ihrem Lieblingsclub gleich mal das Wertvollste überhaupt fürs Leben: Wie man anderen eine Freude machen kann, wenn man sich erstmal ein wenig mit deren Bedürfnislage beschäftigt hat. Einfach mal hinsetzen und über jeden geliebten Menschen einmal zehn Minuten nachdenken, mehr braucht es eigentlich nicht. Überhaupt gilt fürs Geschenk wie für das Fest was Eckhard von Hirschhausen einmal gesagt hat: „Erlebnisse bleiben länger im Gedächtnis als Dinge.“

Damit wäre man auch aus der leidigen Nummer mit Vätern und Müttern, die sich ja nie wirklich etwas wünschen. Außer einem entspannten Fest mit ihren Lieben, an einer langen Tafel und (erwachsene) Kinder, die nicht gleich wieder zu einem nächsten „Event“ hetzen. Das sollte doch zu machen sein.

Was dabei idealerweise auf den Tisch kommt? Das erfahren Sie am nächsten Adventssonntag. Denn da geht es um das Weihnachtsessen und die Frage: Gans oder gar vegan?

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