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Uniklinik Kiel : Gefährliche Keime – Patienten sterben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Teil der Intensivstationen in Kieler Uniklinik bis auf Weiteres geschlossen

Zwölf Patienten im Universitätsklinikum (UKSH) in Kiel haben sich mit einem gefährlichen Bakterium infiziert. Mehrere der 25 bis 80 Jahre alten Betroffenen seien gestorben, teilte ein Kliniksprecher am Freitag mit. Es sei aber unklar, ob bei ihnen der Erreger oder die jeweilige Vorerkrankung die Todesursache war. „Zur Eindämmung des Infektionsrisikos werden betroffene Patienten umgehend strikt isoliert“, hieß es. Als Überträger werde ein Patient vermutet, der im Dezember aus dem Mittelmeerraum ins UKSH verlegt worden war. Auch er ist inzwischen gestorben.

Bei dem Erreger handele es sich um ein gegen vier Antibiotikagruppen resistentes Acinetobacter baumannii. Das Bakterium zählt zu den sogenannten MRGN (multiresistenten gramnegativen Erregern) und kommt im Wasser und in der Erde vor. Bei immungeschwächten Menschen kann es Lungenentzündungen, Wundinfektionen und Sepsis verursachen. Ihre Behandlung ist erheblich erschwert, weil bei ihnen nur noch wenige Mittel überhaupt gegen eine Infektion helfen.

Am Kieler Klinikum wurde ein Teil der Intensivstationen vorsichtshalber bis auf Weiteres geschlossen. Wegen der Resistenzen des Keims stellt die Therapie der Betroffenen eine besondere Herausforderung dar. Mit einem umfassenden Screening soll nun geprüft werden, ob es weitere Keimträger gibt. Räumlichkeiten und Geräte würden gründlich desinfiziert, hieß es.

Massive Kritik übte die Deutsche Stiftung Patientenschutz mit Sitz in Dortmund. „Das Uni-Klinikum Kiel scheint beim Management von multiresistenten Keimen und infizierten Patienten überfordert zu sein“, sagte Vorstand Eugen Brysch. „Wie kann ein Patient aufgenommen werden, ohne ihn vorher einem Screening zu unterziehen?“ Auch hätten die ersten Maßnahmen gegen den Keim offenkundig nicht ausgereicht.

Der Stiftung zufolge sterben pro Jahr etwa 40 000 Menschen an Krankenhausinfektionen. „Davon wären 20 000 durch Hygienemaßnahmen vermeidbar“, sagte Brysch. Acinetobacter baumannii spielt in Deutschland bisher eine vergleichsweise geringe Rolle, in vielen Ländern zählt er jedoch zu den wichtigsten Krankenhauskeimen überhaupt. Ausbrüche hierzulande gehen daher häufig auf Patienten zurück, die zuvor im Ausland behandelt wurden.

 

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