Essen in der Schule : Für vier Cent mehr ein gesünderes Schulessen

Keine Frage des Geldes: Die Qualität der Ernährung an Schulen könnte laut Studie ohne große Probleme verbessert werden.
Keine Frage des Geldes: Die Qualität der Ernährung an Schulen könnte laut Studie ohne große Probleme verbessert werden.

Das zeigt zumindest eine Studie, die gestern in Berlin vorgestellt wurde.

svz.de von
07. November 2018, 05:00 Uhr

Gesünderes Schulessen könnte häufig bereits für vier Cent zusätzlich zubereitet werden – und durch parallele Verbesserungen in der Kantineneffizienz kostenneutral angeboten werden. Das sind Ergebnisse einer Studie im Auftrag des Bundesernährungsministeriums, die gestern in Berlin vorgestellt wurden.

Die deutschen Kommunen bezuschussen die Ausgabe von Schulverpflegung demnach mit bis zu 1,2 Milliarden Euro pro Jahr. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) bezeichnete das finanzielle Engagement der Gemeinden als „enorme Leistung“. Vielen Eltern und Verantwortlichen sei dies womöglich gar nicht bewusst. Ihr Ministerium werde die Kommunen künftig noch mehr dabei unterstützen, Schulverpflegung in gesunder Qualität anzubieten. Der Bund werde seine Mittel für entsprechende Beratungs- und Vernetzungsstellen ab 2019 auf zwei Millionen Euro pro Jahr verdoppeln, erklärte Klöckner.

Die Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) analysiert laut Ministerium die Kosten- und Wirtschaftlichkeitsstrukturen bei der Schulverpflegung. Demnach muss ein Mittagessen nach den DEG-Qualitätsstandards für Schulverpflegung kaum teurer sein als ein anderes. In einer Grundschule mit 200 ausgegebenen Essen betrüge der Unterschied laut Modellrechnungen nur vier Cent pro Mahlzeit. Die Eltern zahlen demnach im Durchschnitt 3,50 Euro pro Schulmahlzeit. Diese Differenz könnte nach Ansicht der Studienautoren vielfach durch Veränderungen in den Arbeitsprozessen der Kantinen oder die Ausgabe zusätzlicher Essen wieder eingespart werden.

Die seit Jahren bestehenden DGE-Standards besagen zum Beispiel, dass täglich Gemüse auf den Teller kommen sollte, Fleisch hingegen nur maximal zweimal pro Woche. Mindestens ein Mal in der Woche sollte zudem Fisch zubereitet werden. Daneben geht es um Rahmenbedingungen wie eine ausreichend lange Essenspause. An den Schulen sind die Standards aber längst nicht in der Breite umgesetzt. Nach Kenntnis der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch haben bislang nur Berlin und das Saarland sie zu Pflicht-Kriterien bei Neuausschreibungen gemacht.

Klöckner warb für die flächendeckende Anwendung der DGE-Standards an allen Schulen. „Wenn nur ein einstelliger Centbetrag den Unterschied macht, dann darf es keine Ausreden mehr geben“, erklärte sie. Es gehe um eine „Investition in die Gesundheit unserer Kinder.“ Das zahle sich aus. Ihr Ministerium werde die Bemühungen gezielt unterstützen.

Laut Studie bezuschussen fast 27 Prozent der deutschen Kommunen die Preise für das Mittagessen in Schulen direkt, weitere 29 Prozent stellen auf eigene Kosten das Ausgabepersonal bereit. 56 Prozent tragen die Betriebskosten wie Strom und Wasser. 95 Prozent bezahlen zudem das Mobiliar. In Deutschland sind die Kommunen die Schulträger.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) forderte, für die Verpflegung in Schulen und Kitas den ermäßigten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent einzuführen. Der Staat müsse den „Kostendruck“ auf die Kantinen senken, um die Versorgung mit qualitativ hochwertigem Essen zu fördern, erklärte NGG-Vizechef Guido Zeitler. Über die Steuern könne der Staat „schon eine Menge“ bewegen. Derzeit zahlten Schulkantinen mit 19 Prozent ebenso viel Mehrwertsteuer wie Fastfoodrestaurants.

Für die Studie führten Experten Modellrechnungen durch und befragten zum Beispiel mehr als 120 Essensanbieter. Der von Klöckner genannte Vier-Cent-Unterschied ergibt sich, wenn vor Ort gekocht und im Schnitt 200 Essen ausgegeben werden. Viele Schulen lassen jedoch vom Caterer liefern oder beziehen Tiefkühlkost, um dem gestiegenen Bedarf nach Mittagsverpflegung gerecht zu werden. Es ist fraglich, wie günstig eine Gesundheitswende in solchen Fällen ausfällt.

Jens Spahn, mit dem Klöckner bei dem Thema eng kooperieren will, warnte vor Krankheiten, die mit Übergewicht und Fettleibigkeit einhergehen könnten. Wenn schon Jugendliche Altersdiabetes hätten, habe das „definitiv mit der Frage von zu wenig Bewegung und nicht ausreichend gesunder Ernährung zu tun“. Rund 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen gelten als übergewichtig oder fettleibig. Eine weitere Zunahme müsse kein Automatismus sein, so Spahn. Er kündigte an, sich für mehr Präventionsangebote der Krankenkassen in Schulen und Kindergärten einzusetzen.

Die NGG sprach sich für die Einführung eines Schulfachs „Ernährung“ aus. Die zunehmende Zahl übergewichtiger Kinder sei ein „Alarmzeichen“, betonte Zeitler. Neben den Eltern sei der Staat gefragt. In dem Fach könnten Grundlagen vermittelt werden. Ein solches Schulfach halten die Minister nicht für unbedingt nötig – vielmehr müsse Wissen über Ernährung und die Herkunft von Lebensmitteln allgemein in den Schulalltag integriert werden. Für Spahn gehört zudem ausreichend Bewegung zum gesunden Aufwachsen, wie er sagte.

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