Serie Wochentage : Freitag: Tag der Diebe, Pendler und der Fremdgänger

ARCHIV - 25.11.2016, Hessen, Frankfurt/Main: Ein Lokführer verlässt den Führerstand eines Regionalzuges der Deutschen Bahn. Immer wieder fallen Regionalzüge aus. Es fehlt am Personal. Vor allem Lokführer sind rar bei der Bahn. Es soll aber besser werden. Neue Mitarbeiter stehen bald bereit. (zu 'Weiter Zugausfälle: Entspannung erst mit mehr Personal im August') Foto: Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ARCHIV - 25.11.2016, Hessen, Frankfurt/Main: Ein Lokführer verlässt den Führerstand eines Regionalzuges der Deutschen Bahn. Immer wieder fallen Regionalzüge aus. Es fehlt am Personal. Vor allem Lokführer sind rar bei der Bahn. Es soll aber besser werden. Neue Mitarbeiter stehen bald bereit. (zu "Weiter Zugausfälle: Entspannung erst mit mehr Personal im August") Foto: Arne Dedert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der schreckliche Montag, der stressige Dienstag, der langweilige Mittwoch, der Fast-schon-Wochenende-Donnerstag, der Endspurt-Freitag, der Freizeit-Samstag und der besinnliche Sonntag: Unsere Wochentage sind mit vielen Assoziationen verknüpft. Woher kommen sie? Und stimmen sie überhaupt? Unsere Serie zu den Wochentagen geht diesen Fragen auf den Grund. Heute lesen Sie Teil 5: Freitag – Spurt ins Wochenende.

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09. August 2019, 05:00 Uhr

Osnabrück | Freitags ab eins macht jeder seins, besagt ein Sprichwort. Tatsächlich verschwindet an diesem Tag laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) jeder zweite Arbeitnehmer früher in den Feierabend. Behörden schließen Freitagmittag, und die Züge sind brechend voll, da Pendler und Kurzurlauber zeitgleich unterwegs sind. Der ADAC meldet den Freitag als staureichsten der Woche, zwischen 14 und 18 Uhr geht wenig bis nichts mehr auf den Autobahnen, zugleich gibt es mehr Unfälle. Kein Wunder, dass Freitag der große Reisetag der Woche ist: Mit ihm beginnt für viele das Wochenende.

Wer sich dem Freitags-Chaos auf Schienen und Bahnen entziehen will, nimmt den Tag frei. Kein Tag der Woche ist bei Teilzeitkräften als Frei-Tag beliebter als der Freitag. Und an keinem Tag bleiben mehr Arbeitnehmer krank daheim. Von wegen blauer Montag.

Insgesamt ist der Freitag beliebt – bei Online-Händlern, die ihre Newsletter am liebsten an diesem Tag versenden, weil sie wissen: Samstag und Sonntag wird im Netz geshoppt. Bei Musikfreunden, denn freitags werden traditionell neue Singles und Alben veröffentlicht. In der Arbeitswelt vor allem bei Arbeitnehmern, die sich schon fast im Wochenende wähnen, weniger bei ihren Chefs: Umfragen ergaben, dass Freitag der unproduktivste Arbeitstag der Woche ist. Allerdings gehen auch viele Chefs freitags früher heim.

Bei so vielen positiven Aspekten wundert es fast, dass der Freitag nicht überall als Glückstag, sondern vielfach als ausgesprochener Unglückstag gilt. Das liegt daran, dass er nach nach offizieller Lesart fünfter und damit ungerader Tag der Woche ist und zusammen mit dem ebenfalls unheilvollen Montag und dem ebenso übel beleumundeten Mittwoch ein ungerades Unglückstrio bildet, und Freitag ist der Schlimmste von allen. Von Freitag dem 13., den wir in jedem Jahreslauf mindestens einmal, manche Jahre gar dreimal erleben, ganz zu schweigen.

Auch aus der Perspektive der christlichen Kirchen ist der Freitag ein Tag des Schreckens. Nicht nur, weil der Tag, an dem Eva im Paradies verbotenerweise in den Apfel vom Baum der Erkenntnis biss, ein Freitag war, sondern vor allem, weil Jesus an einem Freitagnachmittag am Kreuz gestorben ist.

Doch warum hat der Freitag einerseits als Unglückstag einen eher schlechten Ruf, ist andererseits aber zugleich bei vielen Menschen so beliebt? Und woher stammt dieser verheißungsvolle Name? Das und mehr verraten wir im fünften Teil unserer Serie zu den Wochentagen:

Woher kommt der Name?

Auch wenn es enttäuschend ist: Mit Freihaben oder gar Freiheit hat der Freitag nichts zu tun. Vielmehr war früher auch dieser Tag einem Gott beziehungsweise einem Planeten gewidmet, in diesem Fall der germanischen Göttin Frija, auch Frigg genannt. Frija war die Schutzgöttin für Mutterschaft und Ehe, wird aber auch als Liebesgöttin bezeichnet. Aus dem ihr gewidmeten Frija-Tag oder Frigg-Tag wurde allmählich Freitag. Frijas römische Entsprechung war natürlich Venus, Römer nannten den Freitag also "dies veneris", Tag der Venus.

Wie heißt der Tag bei unseren Nachbarn?

Spuren der römischen Variante "dies veneris" finden sich im französischen Wort für Freitag, "vendredi", im Italienischen heißt er "venerdi", im Spanischen "viernes". Sehr nah am ursprünglichen Frija-Tag ist der niederländische Ausdruck "vrijdag". Sehr nah an unserem Freitag ist der englische "friday".

Was sagt der Volksglaube? Was sollte man an diesem Tag vermeiden, was sollte man unbedingt tun?

Aus der Sicht niederländischer Fischer sollte man an Freitagen auf jeden Fall besser nicht hinausfahren, denn das könnte tödlich enden: Angeblich fordert das Meer jeden Freitag ein Todesopfer. Dieser Aberglaube entstand vermutlich aus der Erinnerung daran, dass Jesus an einem Freitag am Kreuz starb, was den Tag insgesamt zu einem gefährlichen, potenziell tödlichen Tag macht. Wer allerdings das Pech hat, an einem Freitag zu sterben, hat sozusagen Glück im Unglück: Angeblich öffnet sich für denjenigen direkt die Himmelspforte, das Fegefeuer wird übersprungen.

Die Zwiespältigkeit des Freitags wird besonders augenfällig in der Frage, ob man an einem Freitag heiraten sollte oder nicht: In katholischen Gegenden gilt es als wenig glückselig, in protestantisch geprägten Regionen darf gerne an einem Freitag eine Ehe geschlossen werden. Auch aus pragmatischen Gründen bietet sich der Freitag als Hochzeitstag an, denn schließlich folgen ihm Samstag und Sonntag, weshalb die Hochzeit problemlos über drei Tage hinweg gefeiert werden kann. Doch es gibt ein Problem: Der Freitag ist traditionell ein Fastentag, Fleisch kommt nicht auf den Tisch, was einen Hochzeitsfestschmaus schwierig macht, und selbst die Jäger sind nicht unterwegs, denn Freitag ist "Jägersonntag", da zeigt sich das Wild nicht.

In neuerer Zeit sieht man all das lockerer, was sich zum Beispiel auch am sogenannten Casual Friday zeigt. Hier dürfen sonst strenge Kleidervorschriften ein wenig großzügiger ausgelegt werden. Und wer nach getaner Arbeit gerne online einkauft, kann freitags beim Bücherkauf Schnäppchen machen. Auch Essen gehen steht freitags hoch im Kurs, viele Restaurants locken mit "All you can eat"-Büffets. Wer der Versuchung erliegt und freitags unterwegs ist, sollte morgens dafür gesorgt haben, Fenster und Türen fest zu verschließen, Freitag ist der Lieblingstag der Einbrecher, an keinem Tag der Woche wird häufiger eingebrochen.

Ist dieser Tag auch ein wiederkehrender Feiertag?

Der Freitag vor Ostern, der Karfreitag, erinnert an den Todestag von Jesus und ist bundesweit ein Feiertag. Er ist einer der sogenannten stillen Tage, an dem nicht getanzt werden soll. Viele Discos haben deshalb an diesem Tag zu, mancherorts drohen Strafen bei Nichtbeachtung.

Wer hat ihn besungen oder ihm ein Kunstwerk gewidmet?

Der Freitag inspiriert, es gibt zahlreiche, meist positiv besetzte Lieder über ihn. Eines davon ist "Friday I'm in Love" der britischen Band The Cure aus dem Jahr 1992. Darin singt Robert Smith, Bandchef, Sänger und Texter von The Cure, vom Elend der sechs anderen Wochentage: "It's Friday I'm in Love" – es ist der Freitag, den ich liebe. Damit ist der Brite nicht allein.

Eine 13-Jährige aus Kalifornien rüttelte im Jahr 2011 mit ihrem Song "Friday" erst die YouTube-Welt auf, dann auch alle anderen: Der schlichte Popsong mit dem noch schlichteren Text von Rebecca Black wurde innerhalb kürzester Zeit millionenfach angeklickt. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) kürte das Werk zum "schlechtesten Lied der Welt". Kleiner Auszug aus dem Text: „Gestern war Donnerstag, heute ist Freitag ... Morgen ist Samstag, und Sonntag kommt danach.“ Die FAZ ätzte damals weiter: "Außerdem geht es in dem grammatikalisch wie logisch freihändig gestrickten Stück um die Platzwahl im Auto (“Vordersitz, Rücksitz, ich muss mich entscheiden, welchen kann ich nehmen?“) und anderes zusammenhangloses Zeug (“Ich hab' das, du hast das, jetzt weißt du's“)." Bis heute wurde der Song 134 Millionen Mal geklickt.

Welche kuriosen Geschichten drehen sich um diesen Tag?

Es gibt ja nichts, was nicht irgendwie durch eine Studie erfasst wird, auch das Thema Fremdgehen hat Forscher bereits beschäftigt. So fanden britische Wissenschaftler 2018 in einer Befragung heraus, dass Freitag der beliebteste Tag für Seitensprünge ist. Genau um 18.45 Uhr, so die Erkenntnis, sei der beste Zeitpunkt, um unter fremde Laken zu schlüpfen, als Ausrede dienten meist Feierabenddrinks mit den Kollegen. So, so.

In Auftrag gegeben wurde die Studie übrigens von einem Online-Seitensprung-Portal namens "Illicit Encounters". Christian Grant, Sprecher des Unternehmens, erklärte, dass die feste Routine Fremdgängern helfe, nicht aufzufallen. Außerdem hätten am Samstag viele frei und könnten sich dann – total unauffällig – ganz ihren richtigen Partnern widmen. Grants Tipp: "Sollte Ihr Partner also regelmäßig den Freitagabend mit Kollegen verbringen, könnte das ein Warnzeichen sein. Besonders wenn der Samstagabend dann immer mit Ihnen verbracht wird."

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