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Kirgistan : Fracht-Jumbo stürzt auf Häuser

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Alptraum für die Anwohner des Flughafens Bischkek in Kirgistan: Boeing 747 verunglück, 35 Menschen sterben

svz.de von
erstellt am 16.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Beim Absturz eines türkischen Fracht-Jumbos im zentralasiatischen Kirgistan sind mindestens 35 Menschen getötet worden. Die Boeing 747 krachte bei einem missglückten Anflug auf den Flughafen Manas bei der Hauptstadt Bischkek in eine Wohnsiedlung und wurde zerstört.

„Nach vorläufigen Angaben könnte es ein Pilotenfehler gewesen sein, aber die Untersuchungen dauern noch an“, sagte der kirgisische Vize-Ministerpräsident Muchammetkaly Abulgasijew heute der russischen Agentur Tass.

Die Maschine der türkischen Frachtfluglinie ACT war in Hongkong gestartet und sollte nach einer Zwischenlandung weiter nach Istanbul fliegen. Das Unglück ereignete sich um 7.20 Uhr Ortszeit (2.20 Uhr MEZ). Aus den Häuschen, die sich anderthalb Kilometer von der Landebahn entfernt befanden, wurden nach Regierungsangaben mindestens 31 Menschen tot geborgen. Auch die vierköpfige Besatzung kamen ums Leben.

Die Maschine zerbarst beim Aufprall in mehrere Teile und ging in Flammen auf. Cockpit und Heck lagen verstreut zwischen den Trümmern der Häuser. Mehr als zehn Menschen kamen verletzt in Krankenhäuser.

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ACT Airlines in Istanbul bestätigte den Absturz ihres Jumbo-Jets mit der Kennung TC-MCL. Die Fluggesellschaft teilte heute auf ihrer Homepage mit, die Ursache für den Unfall sei bislang unbekannt. Nach Angaben der Airline wurde die Unglücksmaschine im Jahr 2003 gebaut.

ACT wurde 2004 gegründet. Die Gesellschaft firmiert auch unter dem Namen myCargo. Die halbstaatliche türkische Fluggesellschaft Turkish Airlines teilte mit, weder Flugzeug noch Besatzung gehörten zu Turkish Airlines. Allerdings gingen die kirgisischen Behörden davon aus, dass der Flug im Auftrag von Turkish Airlines geschah. Auch bei Flugzeug-Trackingsystemen im Internet wie Flightradar24 wurde der Flug mit der Nummer TK6491 von Turkish Airlines geführt. Turkish Cargo nutzt Bischkek auf vielen Fernost-Flügen als Zwischenstopp.

Die Maschine hatte nach vorläufigen Angaben Verbrauchsgüter an Bord. Ein Flugschreiber der Boeing wurde nachmittags in Bischkek gefunden.

Der Jumbo sei von Osten eingeflogen über die Landebahn hinweg und dahinter in die Siedlung gestürzt, sagte der Vizechef der kirgisischen Zivilluftfahrt, Bakyt Dschunuschalijew. „Man kann nur vermuten, dass der Pilot einen zweiten Anflug unternehmen wollte.“

Beim Absturz eines israelischen Fracht-Jumbos im Jahr 1992 auf ein Wohnhaus in Amsterdam wurden 43 Menschen getötet.

Chronologie: Flugzeugabstürze über Wohngebieten

Juni 2015: Mitten in der indonesischen Millionenstadt Medan stürzt ein Transportflugzeug des Militärs vom Typ Lockheed C-130 ab. Mehr als 140 Menschen kommen ums Leben, darunter alle
122 Soldaten und Angehörige an Bord der Maschine.

Februar 2015: Bei einem Flugzeugabsturz in Taiwan sterben
43 der 58 Insassen. Da die ATR 72 mitten in einem Wohngebiet in einen Fluss stürzt, kommt am Boden niemand ums Leben.

Juni 2011: Eine Maschine vom Typ Tupolew Tu-134 stürzt über der russischen Stadt Petrosawodsk ab. Mehr als 40 der 52 Insassen kommen dabei ums Leben. Obwohl das Flugzeug in einem Wohngebiet aufschlägt, wird niemand in der Stadt verletzt.

Mai 2009: In Indonesien stürzt ein Militärflugzeug vom Typ Lockheed C-130 mit mehr als 100 Menschen an Bord über einem Wohngebiet ab. Mindestens 99 Menschen sterben.15 Überlebende erleiden teils schwere Brandverletzungen.

Oktober 2007: Ein Transportflugzeug vom Typ Antonow An-26 stürzt in ein Wohngebiet von Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. Mehrere Häuser gehen in Flammen auf. Mindestens 50 Menschen kommen ums Leben.

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