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Wein als Geldanlage : Flüssige Schätze im Keller

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Geld kann in Kunst angelegt werden, in Briefmarken, Münzen, Oldtimer und auch in Wein – doch eigentlich sollte man ihn lieber trinken

svz.de von
erstellt am 11.Apr.2017 | 21:00 Uhr

Das Etikett kann darüber entscheiden, ob ein alter und seltener Wein so viel wert ist wie ein Golf oder ein 3er BMW. Deswegen herrschen in den Kellern von Steven Buttlar immer optimale 60 bis 65 Prozent Luftfeuchtigkeit. Dabei meint Buttlar nicht die Räume unter seinem eigenen Haus, sondern die Gewölbe der Winebank, in der andere Menschen edle Tropfen lagern. Sieben Stück verwaltet Buttlar davon schon – in Hamburg, Frankfurt, der Pfalz, dem Rheingau, Wien, Basel und nun auch im Kupferberg in Mainz.

Buttlar führt in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt vorbei an Schließfächern, in denen hinter Gittern exquisite Weine liegen, in Rot, Weiß oder Rosé. Er bleibt vor einem Fach mit Flaschen vom Weingut Keller im rheinhessischen Flörsheim-Dalsheim stehen. Der Weinführer Gault&Millau urteilt dazu: „Dieser Ausnahmewinzer (spielt) souverän in Deutschlands Spitze mit.“ Schon neu abgefüllt kann eine Auslese von Klaus-Peter Keller 125 Euro kosten, eine Trockenbeerenauslese vom Westhofener Morstein sogar 395 Euro. Trinkbar ist sie laut Gault&Millau bis zum Jahr 2060.

Das macht die Weine interessant für Anleger. Klassiker wie Sparbuch und Festgeld werfen wegen der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) derzeit kaum Zinsen ab. Bei Wein hingegen, meldet die Londoner Immobilienberatung Knight Frank in ihrem aktuellen Wealth Report, ging es im vergangenen Jahr bei einem beobachteten Portfolio um 24 Prozent nach oben. Damit war es die Vermögensklasse im Luxus-Index mit der größten Wertsteigerung.

Besonderes Aufsehen erregen immer wieder einzelne Wein-Raritäten, etwa eine 2003er Trockenbeerenauslese vom Weingut Egon Müller in Wiltingen an der Saar. Für 12 000 Euro wurde die Flasche mit dem flüssigen Schatz versteigert. Manche Flaschen etwa aus Frankreich wechseln mitunter für zehntausende Euro ihren Besitzer. Weinberater Herbert Egner aus Mainz kauft hingegen lieber junge Weine um 10 Euro die Flasche. „Die brauchen ein Jahr Flaschenreifung und gewinnen dabei auf jeden Fall an Qualität“, sagt er. Dann verkaufe er sie für 12 Euro. Ein Plus von 20 Prozent kann sich sehen lassen im Vergleich zum Tagesgeld, das vielleicht 1,0 Prozent abwirft. Wertsteigerungen bei Weinen sind aber kein Naturgesetz. „Wenn der Wein seinen Höhepunkt der Entwicklung erreicht hat, baut er von Jahr zu Jahr ab, bekommt Alterungsnoten“, sagt Egner. Auch spielen Spekulationen eine Rolle. Vor einigen Jahren etwa kauften chinesische Investoren große Mengen an Bordeaux-Weinen aus bestimmten Status-Weinbergen. Andere Anleger folgten, in der Annahme, die Nachfrage aus China bleibe bestehen. Doch das Interesse brach ein – und die Blase hochpreisiger Bordeauxgewächse platzte.

In Deutschland seien es vor allem Wein-affine Menschen und Menschen mit Sammlergeist, die in Wein investierten, sagt der Weinfachmann und Unternehmensberater für Weingüter, Valentin Brodbecker. Große Weinfonds wie in London gebe es nicht. „Ich kenne mehrere Ärzte, bei denen der Weinkeller mehr wert ist als das Haus, das darauf steht“, sagt Brodbecker.

Das Urteil von Verbraucherschützer Niels Nauhauser ist eindeutig: „Wein ist keine Geldanlage, Wein ist ein Konsumgut.“ Zwar könne Wein im Preis steigen – aber die Aussichten seien völlig unvorhersehbar. „Ich würde das niemandem empfehlen. Das ist eher etwas im Bereich Liebhaberei.“

Auch Weinfachmann Brodbecker findet es legitim, die Anlage zu liquidieren. „Eine Aktie kann man nicht essen, aber wenn der Wein an Wert verliert, kann man ihn immer noch trinken.“

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