Nazi-Zug in Polen : Finder: „Den Zug gibt es!“

Souvenirs des Gold-Zuges
Souvenirs des Gold-Zuges

Hinweisgeber zum Nazi-Zug präsentieren sich im TV

svz.de von
04. September 2015, 21:00 Uhr

Die Armee kam, sah – und war nach ein paar Minuten schon wieder weg. Es handelte sich um eine Gruppe von 15 Soldaten, die gestern an der Bahnstrecke zwischen Breslau und Walbrzych in Niederschlesien den angeblichen Fundort eines deutschen Panzerzuges aus dem Zweiten Weltkrieg in Augenschein nahm. Es gehe jetzt erst einmal darum, die Sicherheit des Ortes zu gewährleisten, sagte Tomasz Smolarz, Leiter der Bezirksregierung in Breslau. Angekündigt war, dass Experten des polnischen Militärs die Strecke mit Bodenradar nach einem möglichen Zugversteck absuchen.

Nicht nur in Walbrzych sind etliche Menschen im Schatzfieber und fragen sich: Wann wird mehr bekannt über den Zug, der in den Schlagzeilen bereits der „goldene Zug“ genannt wird und womöglich mit Raubgold beladen ist?

Lange wurde gerätselt, wer den Hinweis auf den Zug gab. Nun präsentieren sich zwei Männer im Fernsehen als angebliche Finder. Es gebe den Zug, betonen Piotr Koper und Andreas Richter. „Wir besitzen Beweise für seine Existenz.“ Und sie seien zur Zusammenarbeit mit dem Verteidigungsministerium bereit.

Nicht alle sind überzeugt, dass es wirklich einen Zug gibt. Nach einer Sitzung des Währungsrates fragten aufgeregte Journalisten vor einigen Tagen Nationalbankchef Marek Belka, ob die erhofften Goldfunde zur Zahlung polnischer Staatsschulden verwendet würden. Belka war einen Moment sprachlos. „Der Zug ist doch bloß eine Ente“, sagte er.

Das allerdings will in Walbrzych niemand hören – schon jetzt ist der touristische Werbeeffekt groß. Es wird bereits über die Zukunft des Zuges beraten, sollte er erst einmal freigelegt sein.

„Der Zug sollte als Touristenattraktion in Niederschlesien bleiben“, meinen Koper und Richter, die sich beim Fernsehsender TVP als Finder-Duo präsentierten. In einer Erklärung stellten sie sich zudem als gründlich missverstanden dar. Niemals hätten sie die Informationen über den Fundort von einem zehnprozentigen Finderlohn abhängig gemacht. Der Zug befinde sich auch nicht in einem Tunnel der Bergbauregion, sondern sei verschüttet worden. Allerdings, so das Duo weiter: Der vermutete Fundort am Kilometerpunkt 65 der Bahnlinie, der stimme.

Details hin oder her, die grau-triste Bergbaustadt Walbrzych hofft vor allem auf Touristen. Ein Breslauer Rundfunksender brachte es auf den Punkt: „Der Zug ist für die Stadt kostenlose Reklame“.

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