Marcellino und Tracy siegen : Finale Liebesbeichte: "Love Island 2018" ist vorbei

Geschafft! Tracy und Marcellino siegen bei 'Love Island 2018'.
Geschafft! Tracy und Marcellino siegen bei "Love Island 2018".

50.000 Euro für einen einsilbigen Liebesschwur: Tracy und Marcellino gewinnen "Love Island 2018". Das war das Finale.

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02. Oktober 2018, 01:42 Uhr

Berlin | Es ist geschafft: Tracy und Marcellino gewinnen "Love Island 2018" und müssen für die 50.000 Euro Siegprämie nicht mehr tun, als "Ich liebe dich" sagen.



Sprachlose Bekenntnisse: Liebesbriefe zum Finale

Als „Sehnsuchtsziel“, als „Klimax der Staffel“ beschreibt der Off-Ton die letzte Folge von „Love Island“. Eine Einschätzung, die trotz ihres krankhaft heiteren Tonfalls Depressionen auslöst. Schließlich bedeutet das: Die 700.000 bis eine Million Zuschauer der Kuppelshow haben 20 Stunden ihres Lebens investiert, um nie etwas Besseres zu hören als laue Liebesbeichten wie diese: „Mein kleines Mäuschen, das Warten auf dich hat sich für mich echt gelohnt.“

Die hinreißenden Worte stammen aus dem Liebesbrief, den Victor für seine Partnerin Joana vorbereiten musste – wie alle sechs Finalisten. Der Mann, der seine Stegreif-Lyrik sonst mit der Klampfe begleitet, war der Poet dieser Staffel. Die anderen Briefe klingen folglich noch profaner. Tobi zum Beispiel schwärmt von Natascha so: „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, weil du unbeschreiblich toll bist. Ich mag an dir, wie du bist. Deine Art ist einfach unbeschreiblich toll.“ Danach lobt er die mit Abstand herablassendste „Love Island“-Finalistin noch für eine „Wärme, wo man sich einfach nur wohlfühlen kann“. Allein für diese friedliche Einfalt hätte er die 50.000 Euro Preisgeld verdient. (Ist Ihnen "Love Island" nicht zu voyeuristisch? Jana Ina im Interview)

Tracy und Marcellino fühlen das Gleiche und gewinnen

Die allerdings streichen Marcellino und Tracy ein, die das Publikum zum beliebtesten Paar wählt. „Ich möchte dir sagen, dass du der Sinn meines Daseins bist“, sagt er zu ihr und betont ganz ausdrücklich: „bei Love Island“. Klingt nicht so, als ob er nach Drehschluss noch lange ihr Freund sein will. In den drei Wochen vor laufender Kamera war sie ihm dafür umso wichtiger. Marcellino: „Ohne dich hätte ich die Zeit hier nicht überstanden.“ Angesichts eines Alltags aus Show-Flirts und Partyspielen klingt das dramatisch, aber es stimmt ja: Mit diesen Kandidaten eingesperrt zu sein, ist zäher als Einzelhaft.

Natürlich hat es System, dass bei „Love Island“ eher schlichte Gemüter rumlaufen. Trash-TV lebt von Kandidaten, auf die man gern herabblickt; um das auch dem RTL2-Publikum zu ermöglichen, muss das Casting ins Extrem gehen. Immerhin akzeptiert die Klientel des Senders auch „Naked Attraction“ und hält eine 48-stündige Trennung auf Zeit für Joey Heindles „ultimativen Beziehungstest“.

Trotzdem nährt die Wohlstandslangeweile bei „Love Island“ den kühnen Gedanken: Wäre das Format vielleicht doch interessanter, wenn die Teilnehmer ein bisschen heller wären? Mit Menschen, deren Ausdrucksspektrum mehr umfasst als „krass“ und „cool“, könnte man ganz andere Konflikte erzählen. „Wir fühlen einfach das Gleiche“, sagt Tracy im Finale über Marcellino. Und das ist noch tiefgestapelt. Sie sagen ja auch das Gleiche, und das gilt nicht nur für das Paar, sondern für alle. Irgendwie sehen sie sogar alle gleich aus. Im Grunde könnte RTL2 statt der dritten, schon angekündigten Staffel im nächsten Jahr einfach noch mal die zweite zeigen. Das fällt keinem auf und ist noch billiger.


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