Germanwings 4U9525 : Fieberhafte Suche am Bergmassiv

Für die Retter sind die Bergungsarbeiten am Fels eine gefährliche Puzzlearbeit. Der Hubschrauber schwebt hier unmittelbar vor der Felswand.
Für die Retter sind die Bergungsarbeiten am Fels eine gefährliche Puzzlearbeit. Der Hubschrauber schwebt hier unmittelbar vor der Felswand.

Priorität für Suchteams haben sterbliche Überreste / Neue Gerüchte zum Co-Piloten / Flugschreiber ist immer noch verschollen

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29. März 2015, 21:57 Uhr

Ein zentraler Baustein zur Ursachen-Klärung des Airbus-Absturzes in Frankreich bleibt auch sechs Tage nach dem Unglück verschollen: Die Bergungskräfte suchten den zweiten Flugschreiber weiterhin im mehrere Hektar großen Trümmerfeld in der Nähe des Örtchens Seyne-les-Alpes. „Er wurde immer noch nicht gefunden“, sagte Staatsanwalt Brice Robin gestern.

Nach bisherigen Erkenntnissen brachte der Copilot Andreas L. die Maschine mutwillig zum Absturz. Warum - darauf haben die Ermittler noch keine Antwort geben können. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hatte am Freitag lediglich erklärt, man habe in der Wohnung des Mannes „zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen“ gefunden. Der 27-Jährige aus Montabaur hatte seinem Arbeitgeber Germanwings demnnach eine Erkrankung verheimlicht. Die Fahnder suchten nach Hinweisen auf ein psychisches Leiden. Sie fanden weder einen Abschiedsbrief noch ein Bekennerschreiben.

Für Berichte vom Wochenende, wonach der Co-Pilot an starken psychischen Problemen und auch Sehstörungen gelitten haben soll, war bis Redaktionsschluss gestern keine Bestätigung der Behörden zu erhalten.

Die französische Staatsanwaltschaft schloss aus den Aufzeichnungen des Sprachrekorders, dass der 27-Jährige den Piloten aus dem Cockpit ausgesperrt hatte. Die Ermittler untersuchen allerdings weiter auch die Möglichkeit eines technischen Defekts der Germanwings-Maschine. In den zurückliegenen Jahren hatte es darüber hinaus mehrere Hinweise auf das Eindringen giftiger Gase in Cockpits dieses Flugzeugtyps gegeben - jedoch ohne Nachweis.

Wenn die Toten wie erhofft in den kommenden sieben Tagen geborgen würden, wollten die Ermittler in einer zweiten Phase dann Wrackteile sichern, die für die Recherchen nötig seien.

Der Copilot, der auch als Segelflieger aktiv war, kannte die Unglücksregion offenbar seit seiner Jugendzeit gut. Er sei mit seinen Eltern dorthin gekommen, berichtete Francis Kefer vom Flugfeld in Sisteron am Samstag dem französische Sender iTele. Diese hätten zwischen 1996 und 2003 mit ihrem Segelflugclub aus Montabaur Flüge in der Gegend unternommen. Sisteron liegt gut 40 Kilometer westlich der Absturzstelle.

Die Angehörigen der Absturzopfer können mit finanzieller Soforthilfe rechnen, um unmittelbar anfallende Ausgaben zu decken. „Lufthansa zahlt bis zu 50 000 Euro pro Passagier“, zitierte der „Tagesspiegel“ einen Unternehmenssprecher.

Unterdessen erinnerte Papst Franziskus gestern in Rom zum Auftakt der Karwoche an die Opfer der Katastrophe.

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