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Sprache : "Fake News" ist der Anglizismus des Jahres

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Erst kürzlich wurde „postfaktisch“ zum Wort des Jahres 2016 gekürt. Das Adjektiv beschreibt eine Zeit, in der manche Menschen ihr Bauchgefühl über Fakten stellen. Der Anglizismus des Jahres 2016 geht in eine ähnliche Richtung.

svz.de von
erstellt am 31.Jan.2017 | 14:50 Uhr

Der Begriff „Fake News“ ist zum Anglizismus des Jahres 2016 gekürt worden. Neben der „überwältigenden und anhaltenden öffentlichen Präsenz“ fülle der Begriff eine Lücke im deutschen Wortschatz, teilte die Jury um den Berliner Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch (Freie Universität Berlin) am Dienstag zur Begründung mit. Auf den Plätzen folgen demnach die Substantive „Darknet“ und „Hate Speech“.„Fake News“ wird im Englischen den Angaben zufolge etwa seit dem Ende des 19. Jahrhunderts verwendet: Damals seien bewusste Falschmeldungen in Zeitungen ab und an so bezeichnet worden. Mit zunehmender Relevanz der sozialen Medien wurde die Wendung zunehmend für Phänomene wie erfundene Promi-Tode genutzt. Dahinter steckte die Absicht, Menschen auf bestimmte Internetseiten zu locken oder sie in die Irre zu führen, so die Jury. Im Deutschen nannte man dies zunächst „Hoax“.

Breit durchgesetzt habe sich der Ausdruck „Fake News“ seit November 2016 und Donald Trumps Erfolg bei den US-Präsidentschaftswahlen. Angeblich sollen ihm gefälschte Nachrichten zum Wahlsieg verholfen haben. Wie die Sprachwissenschaftler betonen, verschob sich damit die Bedeutung des Wortes hin zur politisch motivierten Falschmeldung.

Gemeint ist also eine gezielte Manipulation von Menschen. Im allgemeinen Sprachgebrauch sieht die Initiative den Begriff hauptsächlich als Parole, mit der Meldungen abgetan werden, die nicht ins eigene Weltbild passen.

Die Jury überzeugte an „Fake News“ auch, dass es keine naheliegende deutsche Entsprechung gibt. Mit „Falschmeldung“ etwa werde nicht zwischen bewusster Irreführung und echten Fehlern unterschieden.

Dabei bezeichne der Begriff „Fake“ im Englischen Dinge, die gezielt nachgebildet werden - Pelze zum Beispiel oder ein Lächeln. Der Bedeutung komme daher der teilweise eingedeutschte Ausdruck „Fakenachrichten“ nahe, so die Wissenschaftler.

Auch der Begriff „Darknet“ für nicht ohne Weiteres zugängliche Bereiche des Internets hat es laut Jury 2016 in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft. Seit dem Amoklauf in München mit einer im Darknet gekauften Waffe tauche das Wort in der  Presse auf und stehe zunehmend generell für Schattenseiten des Internets.„Hate Speech“ bezeichne Hass-Beiträge in sozialen Netzwerken, „die irgendwo zwischen Volksverhetzung und diskriminierender Beleidigung liegen“. Die Initiative stellt fest: Wie bei „Fake News“ bündle der Begriff eine Debatte über den Umgang mit nicht unbedingt neuen Phänomenen, die mit Wucht ins öffentliche Bewusstsein gelangten.

Die Initiative „Anglizismus des Jahres“ kürt seit 2010 den nach ihrer Einschätzung positiven Beitrag des Englischen zum deutschen Wortschatz. In der Vergangenheit waren meist Begriffe aus der Netzwelt wie „Shitstorm“ gekürt worden.

Aus ca. 50 verschiedenen Vorschlägen für den Anglizismus des Jahres 2016 hatte die Jury eine Shortlist erstellt. Diese 10 Wortkandidaten standen in der Endrunde:

(Anti-)Establishment
Brexit/-(e)xit
Darknet
Fake News
Hate Speech
Horrorclown
Influencer
Mainstream
Millennials
Social Bot(s)

Die bisherigen Sieger der vergangenen Jahre:
- 2015: „Refugees Welcome“ - als Reaktion auf fremdenfeindliche „Ausländer-raus-Parolen“ angesichts zunehmender Flüchtlingszahlen.
- 2014: „Blackfacing“ - umstrittene, rassistische Praxis, etwa im Theater, Schwarze darzustellen, indem man Weiße (stereotyp) schminkt.
- 2013: „-gate“ - Nachsilbe für Affären; Bezug zum Watergate-Skandal von 1972, der zum Rücktritt von US-Präsident Richard Nixon führte.
- 2012: „Crowdfunding“ - Möglichkeit, im Internet für ein Projekt in einem bestimmten Zeitrahmen aus Einzelbeiträgen Geld zu sammeln.
- 2011: „Shitstorm“ - Welle der Entrüstung über Institutionen oder Menschen, die über soziale Netzwerke und Blogs hochschwappt.
- 2010: „leaken“ - das „Auslaufen“ geheimer Informationen an undichten Stellen.

Was ist ein Anglizismus?

In der U-Bahn noch schnell die Mails auf dem Smartphone checken, dann im Büro die To-do-Liste abarbeiten und zwischendurch ein Coffee to go - Anglizismen sind mittlerweile so fest in unserer Sprache verwurzelt, dass wir sie kaum noch als Fremdwörter wahrnehmen. Laut Duden handelt es sich um die „Übertragung einer für (das britische) Englisch charakteristischen sprachlichen Erscheinung auf eine nicht englische Sprache“.

Insbesondere Werbung, Wirtschaft oder Politik kommen kaum noch ohne Anglizismen aus. Die einen sehen sie als Bereicherung der Muttersprache, andere empfinden sie eher als Bedrohung.

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