Prozess um Loveparade-Katastrophe : Ex-OB weist Schuld von sich

Zeuge, nicht Angeklagter: Adolf Sauerland im Gerichtssaal des Loveparade-Prozesses.
Zeuge, nicht Angeklagter: Adolf Sauerland im Gerichtssaal des Loveparade-Prozesses.

Sauerland: Hatte mit Genehmigung nichts zu tun

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03. Mai 2018, 05:00 Uhr

Düsseldorf | Der ehemalige Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) ist nach eigener Aussage an etwaigen Fehlern bei der Genehmigung der Loveparade 2010 nicht beteiligt gewesen. „Aktiv in dem Genehmigungsprozess war ich nicht“, sagte der 62-Jährige als Zeuge im Prozess um die Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten und Hunderten Verletzten. „Ich musste keine Genehmigung erteilen oder vorbereiten.“

Er habe die Idee, sich um die Loveparade zu bewerben, in den Stadtrat eingebracht, sagte Sauerland vor dem Duisburger Landgericht. Der Rat habe der Idee mit großer Mehrheit zugestimmt, seine eigene Stimme eingeschlossen. Er habe das Projekt in Gang gebracht, sei danach aber außen vor gewesen.

Zeuge, nicht Angeklagter: Adolf Sauerland im Gerichtssaal des Loveparade-Prozesses.
Federico Gambarini
Zeuge, nicht Angeklagter: Adolf Sauerland im Gerichtssaal des Loveparade-Prozesses.

„Es gab in der Planungsphase hier und da Friktionen“, berichtete Sauerland. Diese seien von den Dezernenten geklärt worden. Über die Genehmigung des Techno-Umzuges eine Woche vor dem Großereignis sei er per SMS in seinem Urlaub in den Bergen informiert worden. Daraus habe er geschlossen, dass alle Bedenken ausgeräumt worden seien.

Der Polizeipräsident habe sich im Vorfeld negativ über die Loveparade geäußert und diese in Duisburg für undurchführbar gehalten. Er habe die Verwaltung gebeten, dessen Bedenken zu prüfen, sagte Sauerland. Er gehe davon aus, dass dies geschehen sei, konkret wisse er davon aber nichts. Er habe auch gewusst, dass der Ordnungsamtsleiter ein Kritiker der Loveparade gewesen sei. Warum, wisse er aber nicht.

Der Vorsitzende Richter Mario Plein äußerte sein Unverständnis über so wenig Detailkenntnis des damaligen Stadtoberhaupts: „Wir reden hier ja nicht über den Flohmarkt in Marxloh. Das ist schwer nachvollziehbar.“ Doch Sauerland beharrte darauf: „Die Genehmigungen sind da, wo die fachlich zuständigen Leute sitzen, ergangen.“ Er persönlich sei kein großer Freund des Großevents gewesen.

Bei der Loveparade am 24. Juli 2010 in Duisburg starben im Gedränge 21 Menschen, mindestens 652 wurden verletzt. Der Prozess um die Verantwortung gegen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Beschäftigte des Veranstalters Lopavent hatte im Dezember begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem fahrlässige Tötung vor.

Frank Christiansen

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