Bürgermeisterin von Gibraltar : Ex Miss-World im Rathaus

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Gibraltar feiert „schönste Bürgermeisterin“ – und Kaiane Aldorino findet klare Worte im Streit um den Felsen

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09. April 2017, 21:15 Uhr

Es war ein Tag für die Geschichtsbücher Gibraltars, als Kaiane Aldorino Ende 2009 erstmals den Titel der Miss World auf den Affenfelsen holte. Gegen mehr als 100 Mitbewerberinnen hatte sie sich im südafrikanischen Johannesburg durchgesetzt und lächelte mit ihrer Krone fassungslos in die Kameras. Die Regierung der 6,5 Quadratkilometer kleinen Halbinsel versprach einen „Empfang für eine Königin“ – so wurde die Büroangestellte einer Klinik im Privatjet heimgeflogen. Bei der Parade im offenen Auto jubelten ihr die Massen frenetisch zu.

Mehr als sieben Jahre später ist die 30-Jährige wieder in den Schlagzeilen. Nun aber trägt sie einen hochgeschlossenen blau-gelben Talar mit Spitzenkrause am Hals, die sonst wallende Haarmähne brav zusammengesteckt. Der Grund: Die Ex-Miss ist in die Politik gegangen – und wurde vom „Gibraltar Chronicle“ bereits als „schönste Bürgermeisterin der Welt“ gefeiert. „Du warst Miss Gibraltar, Du warst Miss World und jetzt bist Du Mrs. Bürgermeisterin“, sagte Chief Minister Fabian Picardo bei der feierlichen Zeremonie im Rathaus. Kaiane ist mittlerweile verheiratet und heißt jetzt mit Nachnamen Lopez. Seit 2016 ist sie auch Mutter eines kleinen Mädchens mit dem Namen Kalia.

Ganz neu in der Politik ist die Ex-Miss derweil nicht, denn bereits seit 2014 war sie Vize-Bürgermeisterin. In ihrem neuen Amt soll sie nun vor allem eins: repräsentieren. Darin ist sie ein Profi, seit sie als schönste Frau des Planeten ein Jahr lang die ganze Welt bereisen durfte. Dennoch ließ Lopez schnell durchblicken, dass das Bürgermeisterinnenamt für sie nicht nur Symbolcharakter hat.

Selbstbewusst äußerte sie sich zum aktuellen Streit zwischen London und Madrid um den markanten Felsen mit seinen 32 000 Einwohnern, dessen einzige Superlative vor der Miss-Wahl wohl nur seine Affenkolonie war. Gibraltar stehen stürmische Zeiten bevor: Das britische Überseegebiet an der Südspitze der Iberischen Halbinsel ist im Rahmen des Brexits zum Zankapfel geworden, Spanien meldet neue Ansprüche an. Und Lopez, die sowohl Englisch als auch Spanisch spricht, macht kein Geheimnis daraus, auf wessen Seite sie steht: „Ich bin stolz, Britin zu sein“, sagte sie. Gibraltar sei britisch „und wird es immer bleiben.“ Klare Worte. Und so kann die Regionalregierung recht stolz auf sich sein. Denn in der Krise, in der die Tonlage immer schärfer wird, hat sie eine bildschöne Geheimwaffe aus dem Ärmel gezogen.

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