Rückkehr von Pennywise : „Es: Kapitel 2“: Warum wurde „Es“ keine Serie?

Pennywise ist back: 'Es: Kapitel 2'.
Pennywise ist back: "Es: Kapitel 2".

Andy Muschiettis „Es“ ist der erfolgreichste Stephen-King-Film aller Zeiten. Jetzt kommt das „Kapitel 2“ ins Kino.

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03. September 2019, 18:00 Uhr

Berlin | 27 Jahre ist es her, dass Beverly, Richie, Benn und die anderen Freunde des „Verlierer-Klubs“ in Derry von einem Monster verfolgt wurden. Längst haben sie die Kleinstadt hinter sich gelassen, und mit ihr auch die Erinnerung an das Grauen von einst. Nur Mike ist geblieben und erkennt nun, dass die Schrecken sich wiederholen: In Derry häufen sich unerklärliche, grausame Morde. Mike ruft die Freunde zusammen, damit sie das Böse ein für alle Mal besiegen; und sofort holt jeden einzelnen sein Trauma wieder ein. Einer kotzt, einer fährt sein Auto zu Schrott, und Stanley, der empfindlichste von allen, schneidet sich die Pulsadern auf. Als die Freunde tags drauf ihr Wiedersehen begießen, ist er schon tot.

Klassentreffen des Grauens

Der zweite Teil von „Es“ beginnt wie ein Klassentreffen. Und das Motiv fasst auch gut die Gefühle zusammen, von denen Stephen Kings Roman erzählt: Die Jugendlichen lässt er schockartig die eigenen Grenzen erfahren, die Verwundbarkeit und Endlichkeit ihres Daseins. Im zweiten Erzählstrang begreifen die erwachsenen Protagonisten dann: Die Verletzungen ihrer Kindheit hören nicht auf. Ob man es nun zum Star-Architekten bringt oder zum Bestseller-Autor – alles ist immer noch da.

In ihrem neuen Kampf gegen den Horrorclown Pennywise kämpfen die Helden auch gegen eine Vergangenheit, die sich nicht ändern lässt. Der Film visualisiert das mit schönen Rückblenden: Immer wieder stehen die erwachsenen Figuren in der Szenerie von damals und schauen betrachten ihre eigenen Jugenddarsteller. Man muss zweimal hingucken, um sich einzugestehen: Der Film zitiert hier den Kunstgriff, mit dem schon Bergmans „Wilde Erdbeere“ seinen Helden in die Vergangenheit reisen ließ. Sonst hat das erst ab 16 Jahren freigegebenen Spektakel zwar nicht mehr viel mit dem Klassiker gemeinsam. Aber immerhin: Der Regisseur Andy Muschietti untermauert hier sein Gespür für das Thema.

Warum also verpasst „Kapitel 2“ trotzdem die Emotionalität der Vorlage? Zunächst aus demselben Grund wie der erste Teil, der mit Einnahmen von 700 Millionen Dollar die erfolgreichste King-Verfilmung aller Zeiten wurde: Die 1500 Seiten starke Vorlage wird weiterhin konsequent zugunsten der Schockeffekte gekürzt und Kings ausufernder Erzählfluss durch ein dröhnendes Effekt-Gewitter ersetzt. Schon im China-Restaurant, beim allerersten Wiedersehen des Verlierer-Klubs, verzichtet Muschietti auf keinen einzigen der Glücks- bzw. Unglückskekse, aus denen babyköpfige Insekten und Augen mit Tentakeln entgegenkrabbeln. Wie Teil 1 überbietet sich auch die Fortsetzung mit immer neuen Mutationen des Bösen; wenigstens darf Bill Skarsgård als manischer Pennywise diesmal ein bisschen mehr spielen.

„Es“ ist zu viel

Was beim erschwerend hinzukommt, ist die gewachsene Erzählmasse, die sich dann eben doch nicht wegkürzen lässt: Das liegt schon daran, dass Teil 2 sich nicht mehr auf eine Zeitebene beschränken kann, sondern die Vergangenheit immer miterzählen muss. Und das für eine enorme Zahl an Figuren: Sechs Protagonisten werden noch einmal mit ihren Traumata konfrontiert; jeder von ihnen muss ein Artefakt aus der Kindheit suchen, das für den Endkampf gegen Es gebraucht wird. Selbst für den Selbstmörder Stanley suchen die Freunde nachträglich eins; und der Film hakt eins nach den anderen ab. Mit 165 Minuten ist „Es: Kapitel 2“ noch einmal eine halbe Stunde länger als der erste Teil. Und trotzdem reicht es nicht. Aber was soll’s: Nicht Es kehrt alle 27 Jahre wieder. Auch Stephen Kings Roman wird in diesem Rhythmus adaptiert. Hoffen wir also, dass so um das Jahr 2046 rum endlich jemand eine Serie daraus macht.

„Es: Kapitel 2“. USA 2019. R: Andy Muschietti. D: James McAvoy, Jessica Chastain, Bill Skarsgard, Bill Hader. 169 Minuten. Ab 16 Jahren.

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