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Neue Tierarten : Entdeckerlust am Äquator

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auf den Spuren von Humboldt entdecken Forscher im Bergnebelwald Ecuadors noch heute unbekannte Tierarten.

svz.de von
erstellt am 18.Feb.2017 | 10:00 Uhr

Die Schlange im Licht der Stirnlampe erstarrt. Eben noch wähnte sie sich unsichtbar in der Finsternis, kaum erkennbar selbst für übergroße Froschaugen. Aber Carlos Morochz hat sie längst entdeckt. Unerschrocken greift der junge Biologe ins Gebüsch. Das fingerdicke Tier windet sich um seine Hand. „Gefährlich ist diese Art nur für Kleintiere und Insekten“.

Morochz ist auf der Suche nach einer besonderen Froschart. Erst vor wenigen Monaten wurde sie zum ersten Mal wissenschaftlich beschrieben: Hyloscirtus Mashpi, der Mashpi-Bachfrosch, ist sozusagen sein eigener Frosch. Der Strahl seiner Stirnlampe wandert weiter durch das Pflanzengewirr. Innerhalb von wenigen Minuten entdeckt er einen Zwergleguan, Vogelspinnen, riesige Tausendfüßler und faustgroße Grillen.

Wegen seiner Vielfalt an unterschiedlichen Lebensräumen gilt Ecuador als das Land mit der größten Biodiversität pro Quadratkilometer. Wenn Touristen den Andenstaat erkunden, begeben sie sich auf die Spuren Alexander von Humboldts, der 1802 Ecuador durchstreifte. Die Aufzeichnungen zu seiner Expedition lässt Forscher noch heute träumen.

„Es ist schon etwas ganz Besonderes, eine eigene Art zu entdecken“, sagt Morochz, „andererseits aber keine Überraschung: Es ist eine der am wenigsten erforschten Regionen.“ Das Mashpi-Schutzgebiet ist Teil des Chocó-Bergnebelwalds, der sich westlich der Anden von Panama bis nach Ecuador zieht. Seit sechs Jahren forscht der 29-jährige Biologe hier. Gäste der luxuriösen Mashpi Lodge können ihn auf seinen Streifzügen begleiten. 400 der mehr als 1600 Vogelarten Ecuadors leben hier auf wenigen Quadratkilometern, darunter allein 35 Kolibriarten.

Doch der einzigartige Biodiversitäts-Hotspot ist bedroht. „Nur etwa acht Prozent des Bergnebelwalds in Ecuador stehen noch“, sagt Morochz. „Viele Arten sind wahrscheinlich für immer verschwunden, bevor sie überhaupt erst entdeckt wurden. Und es wird weiter Urwald gefällt.“

Mit einem spitzen dreiteiligen Pfiff ahmt Morochz den Lockruf der neuen Froschart nach. Und tatsächlich: Er erhält Antwort. Es ist Hyloscirtus Mashpi. Auf einer Blattspitze wartet der ungeküsste Prinz der Baumfrösche und sieht den Biologen aus bernsteinfarbenen Glubschaugen an.

Informationen: www.windrose.de; www.metropolitan-touring.com; www.ecuador.travel


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