Puhdys in Schwerin : „Endgültig vorbei, aber schön“

Vereint: Claudius Dreilich (v.l.) von Karat, Dieter „Maschine“ Birr von den Puhdys und Toni Krahl von City in Schwerin
Vereint: Claudius Dreilich (v.l.) von Karat, Dieter „Maschine“ Birr von den Puhdys und Toni Krahl von City in Schwerin

Karat, City und die Puhdys auf letzter Deutschlandtour als Trio: Umjubelter Auftakt mit mehr als 5500 Zuhörern in Schwerin

svz.de von
20. März 2016, 20:45 Uhr

Die Rockerrente ist verschoben. Im Januar gaben die Puhdys ihr Abschiedskonzert in Berlin vor 11 000 Fans, doch sie ließen sich zu einer letzten gemeinsamen Tournee mit den anderen DDR-Kultbands City und Karat als „Rock Legenden“ überreden. So erzählt es Frontmann Dieter Birr an seinem 72. Geburtstag, den er beim Tourstart am Freitagabend in Schwerin mit einem Glas Sekt auf der Bühne feiert. Mehr als 5500 Zuhörer in der fast ausverkauften Sport- und Kongresshalle jubeln.

Die weißen Mähnen der Gitarristen schwingen, Birrs Gesichtszüge künden von intensiven Lebensjahrzehnten, und Karat-Keyboarder Martin Becker betritt wegen eines Sturzes vor einiger Zeit auf Krücken die Bühne. Die Jahre sind an den Männern nicht spurlos vorübergegangen, doch ihrer Musik können sie anscheinend nichts anhaben. Kraftvoll wie eh und je kommen die Songs über die Rampe.

Die fast dreistündige Show mit Lichteffekten, Bühnennebel und historischen Videoschnipseln, die über die Bühnen-Rückwand flimmern, ist stimmig. Die alten Hits, wie „Über sieben Brücken musst du geh’n“ von Karat aus dem Jahr 1979, den Peter Maffay ein Jahr später in Westdeutschland mit Riesenerfolg coverte, wirken kein bisschen verstaubt.

Der für die erste „Rock Legenden“-Tour 2014 komponierte Titel „Sternstunden“ eröffnet die Show und bringt alle 15 Musiker auf die Bühne. Der Song über das Freiheitsgefühl und die Verheißung der Novembernacht 1989, in der die Mauer fiel, scheint dem Publikum aus dem Herzen zu sprechen. Ältere Damen, absolut textsicher, singen mit. Ein paar junge Leute sind auch unter den Zuhörern.

Danach spielen die drei Bands jeweils ihre Hits, von Karats „Schwanenkönig“ über „Am Fenster“ von City mit den markanten Geigen-Soli von Georgi Gogow bis zu „Alt wie ein Baum“ von den Puhdys. Mitunter tauschen die Bands die Musiker. Die Truppe wirkt wie eine große Familie und das Publikum wie die Verwandtschaft, die sich an gemeinsam Erlebtes erinnert. Als die Puhdys die Titel-Ballade ihres Albums von 2012, „Es war schön“, anstimmen, fallen die Fans ein: „Winde dreh’n, Menschen geh’n. Was war, kann uns keiner mehr neh’m. ... Endgültig vorbei, aber schön.“

Zusammen bringen die Altrocker fast 1000 Lebensjahre auf die Bühne. Fast alle sind jenseits der 60, einige über 70. Der mit Abstand Jüngste ist Claudius Dreilich (46), der nach dem Tod seines Vaters Herbert Dreilich im Jahr 2004 dessen Platz als Frontsänger bei Karat eingenommen hat.

Im Nordosten sind noch Konzerte in Neubrandenburg (20.5.), Ralswiek (21.5.) und Rostock (3.6.) geplant.

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