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Vereitelter Terroranschlag in Essen : „Einkaufszentren sind ideale Ziele“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach vereiteltem Terroranschlag in Essen sagt Experte Rolf Tophoven: Die Gefahr besteht fort. Ist eindeutscher IS-Kämpfer der Drahtzieher?

svz.de von
erstellt am 12.Mär.2017 | 20:45 Uhr

Mit einem Großeinsatz in Essen und Oberhausen hat die Polizei nach eigenen Angaben einen drohenden Anschlag auf ein Essener Einkaufszentrum vereitelt. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte offenbar von einem auf Sonnabend terminierten möglichen Anschlag erfahren, vermutlich verübt von einer Tätergruppe. Drahtzieher soll ein deutscher Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sein. Er soll von Syrien aus mehrere Personen direkt kontaktiert und versucht haben, sie für den Angriff zu motivieren. In Oberhausen wurden zwei Männer festgesetzt, einer kam wieder frei. Das mehrgeschossige Shoppingcenter in der Innenstadt blieb den ganzen Sonnabend geschlossen. Mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten riegelten den Komplex ab. Wie groß ist die Gefahr? Mit Rolf Tophoven, Terrorexperte und Direktor des Instituts für Krisenprävention (Iftus), sprach Rasmus Buchsteiner.

Herr Tophoven, in Essen ist womöglich ein Terroranschlag vereitelt worden. Um was für ein Szenario ging es?
Tophoven: Die Ermittlungen laufen ja noch. Aber nach allem, was man weiß, sollte es einen Terrorangriff auf dieses besonders stark frequentierte Einkaufszentrum in Essen geben. Ob nun mit Bomben, Sprengstoffgürtel oder Maschinenpistolen, werden die weiteren Untersuchungen ergeben. Einkaufszentren sind für Terroristen ein ideales Ziel, um größtmöglichen Schaden anzurichten. Viel spricht für eine Urheberschaft der Terrormiliz IS. Es ging offenbar darum, in Essen möglichst viele Menschen zu töten und zu verletzen.

Der Hinweis kam vom Bundesamt für Verfassungsschutz. Ist es nicht ungewöhnlich, dass in islamistischen Netzwerken ein konkretes Anschlagsdatum vorab kommuniziert wird?
Die Kommunikation des IS lief bisher über ein mit modernster Technik ausgestattetes Hauptquartier in Rakka in Syrien. Offenbar ist es dem Verfassungsschutz, möglicherweise mit Unterstützung amerikanischer Dienste, gelungen, entsprechende Botschaften abzufangen. Nach allem, was wir wissen, hat es im Ruhrgebiet einen Befehlsgeber gegeben, der junge Islamisten angeworben und radikalisiert hat. Dem IS ist es inzwischen möglich, Attentäter bis kurz vor Ausführung ihrer Attacken fernzusteuern.

Tappen die Ermittler, was mögliche Drahtzieher betrifft, noch im Dunkeln?
Die Festgenommenen waren wohl eher Randfiguren, die nicht unmittelbar in das Netzwerk der Mitwisser und Planer eingebunden waren. Bei dem Freigelassenen sind allem Anschein nach keine ausreichenden Belege für eine Tatbeteiligung gefunden worden.

Gehen Sie davon aus, dass die Gefahr eines Anschlags auf ein Einkaufszentrum im Ruhrgebiet weiter besteht?
Davon müssen wir ausgehen. Die Gefahr besteht fort. Es hat vor einiger Zeit ja auch einen Terroralarm im Centro in Oberhausen gegeben. Auch damals sind zwei Männer festgenommen worden, wurden dann aber wieder freigelassen. Der IS weiß sehr genau, wo er zuschlagen kann. Er wird sich nicht davon abbringen lassen, seine Pläne weiter voranzutreiben. Die Polizei und der Verfassungsschutz haben am Wochenende richtig reagiert. Der Fahndungsdruck auf die Szene ist seit dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt stark erhöht worden.

Wie schlagkräftig ist das IS-Netzwerk im Ruhrgebiet?
Es handelt sich um eine sehr große Szene. In Nordrhein-Westfalen lebt die Mehrheit der Salafisten in Deutschland, das Ruhrgebiet ist hier ein Schwerpunkt. Die Ermittler wollen durch diese Festnahmen verhindern, dass es, sollte es zu einem Anschlag kommen, wieder heißt: Wir haben den Täter zwar gekannt, aber hatten nicht genügend Hinweise im Vorfeld.

 

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