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Liebe zum Trabi : Eine rollende Legende

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„Das kleine Trabi-Buch“ informiert mit vielen Fakten

svz.de von
erstellt am 13.Jul.2015 | 12:00 Uhr

Er ist klein, laut und kommt schwer in die Gänge. Im Winter wurde er kaum warm und im Sommer glich er einer rollenden Sauna. Trotzdem wuchs der Trabant seinen Besitzern ans Herz. Er galt als Garant für die Mobilität seines Besitzers, und der Name war brillant gewählt. Der „Trabant“ war tatsächlich ein treuer Begleiter. Doch am 30. April 1991 rollte das letzte Modell des Zwickauer Automobils vom Band, die Produktion des „eleganten und temperamentvollen“ Kleinwagens wurde mangels Nachfrage eingestellt.

Während sich in Zwickau die Werkstore schlossen, war das Auto bei den Fans gefragt. Der Trabi wurde in seiner Rolle als ostdeutscher Identifikationsstifter von Nostalgikern gehegt und gepflegt, für phantasiereiche Bastler bietet er bis heute eine immergrüne Spielwiese. Mehr als hundert Fanclubs quer durch Deutschland halten die Fahne hoch, alljährlich gibt es die verschiedensten Trabi-Treffen. So wurde aus dem einstigen „Familienmitglied“ eine lebende Legende. In seinem Büchlein erinnert Tobias Stregel an seine unglaubliche Erfolgsgeschichte.

Nachdem die DDR-Führung den Mangel an preisgünstigen kleinen Autos erkannt hatte, wurde die Entwicklung dieses Modells zur Staatsangelegenheit. 1958 war es dann soweit, der Trabant P 50 ging im Automobilwerk Sachsenring in Zwickau in Serie. 1964 folgte der 601er. Er war ein wenig aufgestylt, hatte ein paar PS mehr und wurde in der Presse mit blumigen Worten angepriesen: „Das außerordentlich hohe Niveau des modernen Trabant 601 widerspiegelt sich in seinen optimal gestalteten Innenraumverhältnissen. Die Glasflächen sind um 26 Prozent größer als bisher...“

Ausführlich widmet sich Stregel den technischen Details der minimalen Verbesserungen, die den Zwickauer Ingenieuren im Laufe der Zeit gestattet waren. Denn bald schon war klar: Der kleine Flitzer war gefragt, wartungsarm und sparsam im Benzinverbrauch. Die anderen Marken, Wartburg, Lada, Skoda, waren demgegenüber sehr kostspielig und zumeist den Staatsorganen vorbehalten. Allerdings hatte die kleine „Rennpappe“ ein großes Manko, das der mündige Bürger dennoch stoisch in Kauf nahm, um ein wenig Mobilität genießen zu dürfen. So war die Inbesitznahme des kleinen Zweitakters mit einer ungewissen, langen Wartezeit verbunden.

Daher war es in der DDR üblich, mit 18 Jahren ein Anmeldungsformular auszufüllen und sich in der IFA-Vergabestelle auf die Warteliste setzen zu lassen. Nach zehn oder mehr Jahren war die glückliche Stunde der ersehnten Auslieferung gekommen. Allerdings florierte in der Zwischenzeit ein lebhafter Handel mit den gebrauchten Autos. Auch Ersatzteile wurden getauscht, denn viele Reparaturen konnte und musste der Besitzer selbst vornehmen. So wurde es auch im Handbuch vom Hersteller selbst empfohlen.

Tobias Stregel erinnert daran, dass der Trabi „als unverwüstlich galt, lediglich die einzelnen Komponenten bereiteten dem Fahrer immer wieder Kopfweh“. Dass fast jedes Auto trotzdem uralt wurde, lag an der gründlichen Pflege und der unermüdlichen Kreativität der Besitzer. Schon bald machten in der DDR liebevolle Trabi-Witze in unglaublicher Fülle die Runde.

Trotzdem rollt noch 25 Jahre nach der Wende der eine oder andere Trabi unbeirrt über die für ihn ungewohnt glatt asphaltierte Straße und kündigt sein Nahen in altgewohnter Manier an – mit lärmendem Motor und stinkenden Abgasen.

Tobials Stregel: Das kleine Trabi-Buch. Monsenstein & Vannerdat. 121 S., 8,50 Euro

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