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Museum zerbrochener Beziehungen : Eine Axt für den Ex

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das Museum der zerbrochenen Beziehungen im kroatischen Zagreb

Wenn die große Liebe geht, bleiben gebrochene Herzen, Trauer und Schmerz, Wut und Wehmut. Und auch sämtliche Gegenstände, die einmal Liebesbeweise waren und nun ungeliebte Erinnerungsstücke sind. Als sich die Zagreber Künstler Olinka Vistica und Drazen Grubisic nach vier Jahren Beziehung trennten, wussten sie nicht, wohin mit den Dingen, die einmal Zeugen ihrer Liebe waren. Sie lagerten alles aus, weit weg vom Alltag. Bald folgten Freunde und brachten die Trümmer ihrer eigenen zerbrochenen Beziehungen dazu – und eine Museumsidee war geboren.

Zuerst war das eine Wanderausstellung, die seit 2007 von Kroatien um die Welt ging und mit jeder Reise weiter wuchs. Denn jeder Besucher war eingeladen, selbst mit einem Gegenstand die Ausstellung zu bereichern. Die einzige Bedingung: Zu jedem Objekt musste die dazugehörige Geschichte erzählt werden. Dabei durfte der Spender samt seiner Story auf Wunsch anonym bleiben.

So ist die „Ex-Axt“ Zeugin eines Wutausbruchs: Als die Ehe in die Brüche ging, waren die Möbel dran. Das Werkzeug: die Axt. Ein Gartenzwerg wurde gegen eine Windschutzscheibe und auf Asphalt geschleudert, nun steht er im Museum, die Nase ist auf dem Asphalt geblieben. Zu einem belgischen Spiel-Hamburger aus Gummi steht ein lakonischer Text: „Sein Hund ließ mehr Spuren zurück als er.“

Ob es eine Art Therapie oder Selbstdarstellung ist, dem Museum seine Beziehungstrümmer zu überlassen – das bleibt das Geheimnis der Spender. Und auch wenn darunter mehr Frauen als Männer sind, die Museumsstücke beweisen es: Auch Männerherzen haben Schmerzen. Heute verfügt die Sammlung über mehr als 10 000 Objekte.

Im November 2010 entschloss sich die kroatische Hauptstadt Zagreb, dem „Museum of Broken Relationsships“ ein Heim zu geben. Umgeben von engen Gassen der Altstadt, im Zentrum der quirligen Stadt, sind die ehemaligen Liebesbeweise in einem barocken Gebäude untergebracht.

Zu der Ausstellung gehört auch Snoopy, ein Plüschtier aus Holland, mit seiner Geschichte: „Er gab mir den Snoopy zu meinem siebzehnten Geburtstag. Verliebt haben wir uns sechs Monate vor diesem Tag, am 5. Oktober 1981. Jetzt sind wir 30 Jahre weiter, mit drei Söhnen, unserem Haus und anderen Dingen. Er hat sich in eine andere Frau verliebt und wählte am Ende sie... Er hat mein Herz gebrochen. Sagte mir, dass er mich 30 Jahre lang nicht wirklich liebte. Ich verstehe das einfach nicht.“

Wunderbar die „Umschnallbrüste“ und sämtliche BHs, die von der Spenderin mal benutzt wurden. Zu sehen auch unbenutzte russische Kondome – die Liebe war zu Ende, bevor sie zum Einsatz kamen. Was noch? Fotoalben, Stoffteddys, Schmuckstücke, Brautkleider – außerdem die Asche eines verbrannten Brautkleides.

Das Museum ist hoch angesehen: 2011 erhielt es einen Sonderpreis der European Museum Awards, den „Kenneth Hudson Award“ für innovative, außergewöhnlich kühne und unter Umständen auch umstrittene Museen.

Seit Mai 2016 hat das Zagreber Haus eine Filiale in Los Angeles, im Herzen von Hollywood am Hollywood Boulevard. Etwa 70 Stücke aus Zagreb haben ihren Weg in die Film-Traumstadt gefunden, weitere 30 Exponate haben Bürger von Los Angeles gespendet. Ob Filmstars darunter sind – das weiß man nicht.

Wie begehrt die Museumsstücke aus Zagreb auch anderswo sind, zeigen ständig wandernde Ausstellungen in der ganzen Welt. Die zweimonatige Schau in Kopenhagen, die am 22. Januar zu Ende ging, verzeichnete schon in den ersten vier Tagen mehr als 8000 Besucher.

Bis heute kann man Ausstellungsstücke auch in Heidelberg erleben, in der ehemaligen Zigarettenfabrik, dem Interkulturellen Zentrum. Danach wandern die Zeugnisse der vergangenen Liebe weiter nach Istanbul.

Danja Antonovic

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