Banane : Ein sensibles Früchtchen

Stefan Worm, Leiter des Edeka Fruchtkontor Nord, in einer Reifekammer der neuen Bananenreiferei in Borna
Stefan Worm, Leiter des Edeka Fruchtkontor Nord, in einer Reifekammer der neuen Bananenreiferei in Borna

Der Weg der Banane vom Strauch zum Kunden ist sehr lang und schwierig. Frucht nach Apfel in Deutschland am beliebtesten

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12. Dezember 2017, 12:00 Uhr

Die letzten Tage im Dasein der Banane sind trist. Kein Sonnenlicht, herbstliche Temperaturen und viel Beton: In solch unwirtlicher Umgebung reift die beliebte Tropenfrucht in Deutschland bis zur optimalen Farbe – zum Beispiel in Borna südlich von Leipzig. Hier steht seit Kurzem eine eigens der Banane gewidmete Reiferei der Edeka-Gruppe.

Die grünen Früchte lagern hier einige Tage in 38 Reifekammern, die aussehen wie riesige Garagen für Lastwagen. Auf zwei Stockwerken stapeln sich bei rund 14 Grad Celsius Kartons über Kartons. Der Handelswert der Bananen pro Kammer liege bei mehreren zehntausend Euro, sagt Stefan Worm, der beim Edeka-Verbund für den Fruchteinkauf aus aller Welt mitverantwortlich ist – als Leiter des Fruchtkontor Nord.

In den Kammern werden die noch grünen Bananen nach ihrer Ankunft einen Tag in Ruhe gelassen, erklärt Worm. Anschließend wird der Reifeprozess gestartet – mit Stickstoff und Ethylen, einem natürlichen Pflanzenhormon. Das Gemisch bleibt etwa zwei Tage lang in den Kammern und sorgt dafür, dass innerhalb der Frucht Stärke in Zucker umgewandelt wird.

Der Reifemeister muss während der Folgetage genau im Blick behalten, was mit den Bananen passiert. Sind die Früchte grün-gelblich, holen Lastwagen die Bananen ab und liefern sie an die Lagerstandorte der Edeka-Gruppe, wo sie dann im Idealfall mit der perfekten Farbe ankommen: gelblich mit grünen Spitzen.

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In der Obstauslage trifft dann eine äußerst anspruchsvolle Frucht auf äußerst anspruchsvolle Kunden. Braune Flecken? Ungleichmäßige Größe? So etwas sei hierzulande verpönt, sagt Worm. Im Edeka-Premiumsegment müsse eine „Bananenhand“ vier bis sieben Finger haben, die Früchte hätten eine „Rücken“-Länge von mindestens 21 Zentimetern. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sei die Qualität der Früchte in Deutschland sehr gut – und der Preis sehr niedrig. Das habe auch etwas mit dem Siegeszug der Discounter zu tun, sagt Andreas Brügger vom Deutschen Fruchthandelsverband. Die Deutschen seien schlicht gewohnt, wenig für Obst zu zahlen. Jeder deutsche Durchschnittshaushalt kaufe laut Berechnungen der Gesellschaft für Konsumforschung pro Jahr 16,64 Kilogramm Bananen. Damit ist die Banane das zweitbeliebteste Obst der Deutschen nach dem Apfel.

Kaum einem Kunden dürfte dabei aber klar sein, wie sensibel die gelbe Frucht ist. Beim Anbau in tropischen Gefilden müsse die Staude bereits mit Plastikfolie geschützt werden – unter anderem gegen Insektenstiche, erzählt Brügger. Nach der Ernte werden die Stauden vorsichtig geschnitten, in einem Wasserbad gereinigt und dann mit größter Sorgfalt in die Kartons gepackt. „Auf dem gesamten Transportweg darf die Banane nicht erschüttert werden.“ Gerate ein Schiff in einen Sturm, sehe man das den Bananen unter Umständen später an. Während der Überfahrt auf See werden die Früchte auf die optimale Temperatur von 13,5 Grad heruntergekühlt. „Wenn sie dann hier ankommen, muss man aufpassen und sehr schnell arbeiten.“ Regen oder Kälte beim Entladen setzten den Früchten sofort zu. Rund zehn Prozent der Umsätze im Bereich Obst und Gemüse generiere der Edeka-Verbund mit der Banane, weiß Worm. Da ist es kein Wunder, dass die Bananen in der Reiferei im sächsischen Borna von den sieben Mitarbeitern gehätschelt werden.

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