Schadstoffe : Drecksluft tötet sieben Millionen Menschen pro Jahr

Smog in Peking: Mehr als 90 Prozent der Menschen auf der Erde sind laut Weltgesundheitsorganisation verschmutzter Luft ausgesetzt – mit verheerenden Konsequenzen.
Smog in Peking: Mehr als 90 Prozent der Menschen auf der Erde sind laut Weltgesundheitsorganisation verschmutzter Luft ausgesetzt – mit verheerenden Konsequenzen.

WHO fordert: Regierungen müssen entschlossener gegen die tödliche Verschmutzung ankämpfen

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03. Mai 2018, 05:00 Uhr

Genf/Berlin | Rund sieben Millionen Todesfälle pro Jahr sind auf verschmutzte Luft zurückzuführen. Das geht aus Daten hervor, welche die Weltgesundheitsorganisation WHO gestern veröffentlicht hat. „Die Luftverschmutzung bedroht uns alle“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die Hauptlast trügen aber Menschen in den ärmsten Weltregionen.

Mehr als 90 Prozent der Todesfälle im Zusammenhang mit der Luftverschmutzung werden demnach in einkommensschwächeren Ländern registriert. Betroffen seien überwiegend Länder in Asien und Afrika. Untersucht wurden gesundheitsgefährdende Schadstoffwerte in der Umwelt sowie im Haushalt.

Rund drei Milliarden Menschen hätten keine Möglichkeit, in ihren Unterkünften ohne eine belastende Rauchentwicklung zu kochen, hieß es weiter. Das offene Feuer bei der Essenszubereitung trage wesentlich zu Millionen Todesfällen bei, die auf verschmutzte Luft in Wohnungen und Unterkünften zurückgingen.

Rund 4,2 Millionen Menschen sterben laut WHO hingegen durch verdreckte Luft, die sie im Freien einatmen. Industrieabgase und der Schadstoffausstoß durch Autos und andere Fahrzeuge tragen den Angaben nach erheblich zu den Todesfällen bei. Die Schmutzpartikel dringen laut der WHO tief in Atemwege, Lungen und das Herz-Kreislauf-System ein.

Kommentar von Thomas Ludwig: Mit Verve vorangehen

Wachstum und noch mehr Wachstum lautet unser wirtschaftliches Mantra. So steigt der Energieverbrauch trotz aller verbesserten Effizienz. Und auch die Luft wird nicht besser. Gut – 90 Prozent aller Todesfälle durch Schmutzluft sind in Entwicklungs- und Schwellenländern zu verzeichnen, also zu weit weg für echte Empathie. Doch in vielen Ländern Asiens und Afrikas ist Umweltschutz einfach deshalb kein Thema, weil viele Menschen dort vor allem mit Existenzfragen konfrontiert sind. Von ihnen ein geschärftes Umweltbewusstsein zu erwarten wäre wohlfeil.

Deshalb müssen wohlhabende Länder den Auftrag nach verbesserter Nachhaltigkeit ernst nehmen und mit Verve vorangehen. Jeder Einzelne sollte deshalb bei sich anfangen und sich zum Beispiel fragen: Muss es Wasser in Plastikflaschen sein? Kann ich das Auto öfter mal stehen lassen? Sich über einen Weg vom Benziner und Diesel hin zu emissionsarmer Mobilität Gedanken zu machen ist so gesehen ein Luxusproblem.

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