Gewusst? : Diese Klassiker haben wir falsch gespielt

„Mensch ärgere Dich nicht“: der Spielklassiker schlechthin.
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„Mensch ärgere Dich nicht“: der Spielklassiker schlechthin.

Echte Regeln für Uno, Monopoly und Mensch ärgere dich nicht überraschen selbst Spieleprofis.

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23. Februar 2018, 11:50 Uhr

Wir alle haben Uno falsch gespielt! Immer. Seit sich die Nachricht verbreitet, befindet sich Deutschland in einer Schockstarre. Vergessen sind die Groko und der Klimawandel. Alle Uno-Niederlagen von Jahrzehnten müssen überdacht und Siege in Frage gestellt werden. Schuld hat LaToya McCaskill Stallings. Die US-Amerikanerin hat in die Regeln geschaut! Anscheinend als erster Mensch überhaupt. Am 2. Januar schrieb sie auf Facebook: „Es hat mich also 35 Jahre auf der Erde gekostet, um festzustellen, dass ich Uno seit meiner Kindheit immer falsch gespielt habe.“ Dazu postete sie ein Bild von der Spielanleitung. 121 100 Mal wurde der Beitrag geteilt. Auch bei Monopoly und Mensch ärgere dich nicht dürften Spielefans überraschende Fehler gemacht haben. Welche sind das? Und was sagt ein „Spieleverrückter“ dazu – wie der Schweriner Michael Krüger (31), der sich mindestens einmal wöchentlich mit Freunden zum Spieleabend trifft?

Uno

Wahrscheinlich kennt jeder Uno. Wie bei Mau-Mau versucht man durch geschicktes Legen möglichst schnell alle Karten loszuwerden. Besonders gefürchtet ist die Zieh-Vier-Karte – auch +4 genannt. Der Besitzer darf sich nicht nur eine Farbe wünschen, der nächste Spieler muss auch vier Karten aufnehmen. Wie oft wurde so schon im letzten Moment der Sieg des Gegners verhindert?! Dabei wurde die +4 munter auf jede andere Spielkarte gelegt. Genau hier liegt der Fehler. In den Regeln steht: „+4 darf nur dann gelegt werden, wenn der Spieler die aktuelle Farbe nicht bedienen kann.“ Wenn also Rot liegt und man noch eine rote Karte auf der Hand hat, darf man die Zieh-Vier-Karte gar nicht spielen. Und es wird noch schlimmer! Ist der von der +4 betroffene Spieler der Auffassung, dass die Karte zu Unrecht ausgespielt wurde, so kann er den vorherigen Spieler herausfordern. Dieser muss ihm seine Karten zeigen. Hat er geschummelt, muss er selbst vier Karten ziehen. Wurde er zu Unrecht beschuldigt, muss der Herausforderer statt vier nun sechs Strafkarten aufnehmen.

Strafen gibt es viele bei Uno: Wer eine falsche Karte legt, zu früh spielt oder seinen Einsatz vergisst, muss eine Karte aufnehmen. Und wer Mitspielern Vorschläge macht, was sie spielen sollten, muss zwei Karten ziehen.

Micha: Uno? Hat das Spiel überhaupt eine Anleitung dabei? Ich meine, hat die jemals jemand bei den Karten gesehen? Die Regel, die Ratschläge bestraft, finde ich sehr gut. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn immer einer sagt: Die Karte hätte ich aber aufgehoben oder so.

Monopoly

Geld auf „Frei parken“? Von wegen!
Jan Woitas
Geld auf „Frei parken“? Von wegen!

Wie viele Freundschaften wurden schon zerbrochen und Familien zerstört durch dieses Spiel? Laut einer Studie des Hamburger Meinungsforschungs-Instituts Splendid Research ist das Brettspiel das beliebteste bei den Deutschen. 87 Prozent sagen von sich, das Spiel zu kennen. Dabei ist jedem klar: Die Situation am Wohnzimmertisch ist am Eskalieren, wenn die Anleitung herausgeholt wird. Hätten wir sie doch vorher schon einmal richtig gelesen... Wahrscheinlich gibt es kein anderes Gesellschaftsspiel, das auf so viele Weisen falsch gespielt wurde, wie der Verkaufsschlager.

Zuallererst einmal: Es gibt kein doppeltes Gehalt, wenn man auf „Los“ kommt. Was??? Und dann noch das: Wenn ein Spieler auf eine noch nicht vergebene Straße tritt und diese nicht kaufen will, muss diese Straße SOFORT von der Bank versteigert werden. Einen Mindestbetrag gibt es nicht. Und jeder kann mitbieten. So sind alle Straßen schnell vergeben. Hätten Sie es gewusst?

Das ist noch nicht alles: Wen hat das Feld „Frei Parken“ nicht schon einmal vor dem Bankrott gerettet? Hier landet das eingesammelte Geld aus den Ereignis- und Gemeinschaftsfeldern zusammen mit der Einkommensteuer. Oder? Falsch! Das Geld geht tatsächlich an die Bank. Und was passiert bei „Frei Parken“ dann? In der Anleitung steht ganz klar: „Tun Sie… nichts!“

Ja... Und mindestens eine Regel gibt es noch, die unsere ganze Monopoly-Welt auf den Kopf stellt: Spieler dürfen jederzeit untereinander unbebaute Grundstücke verkaufen und tauschen. Also auch, wenn sie nicht dran sind. Na dann, die Würfel sind gefallen!

Micha: Ich war mal bei einem Vorstellungsgespräch für ein WG-Zimmer in Schwerin, bei dem ich Monopoly spielen sollte. Vielleicht wollten die anderen Bewohner so herausfinden, was für ein Typ ich bin. Wenn ich das Brett umgeworfen hätte, wäre ich für das Zimmer sicher nicht in Frage gekommen. Monopoly zeigt einem, was für ein Mensch einem da gegenübersitzt. Ich habe dann die Bank übernommen und wer mir ein Bier gereicht hat, dem habe ich ein bisschen mehr Geld gegeben. Ich frage mich, wieso Monopoly so bekannt geworden ist? Das Spiel gibt es ja in jeder Familie. Ich glaube, ich habe es noch nie zu Ende gespielt. Nach zwei Stunden hat man keine Lust mehr. Vielleicht fanden es Eltern toll, weil sie so auch mal ihre Kinder abzocken können, statt sie immer nur zu finanzieren. Nach dem Motto: Guck mal, das ist Hotel Mama, das ist sogar rot. Dafür musst du bezahlen. Aber wie kommt es zu diesen Regelabweichungen? Was passiert da? Wie verbreiten die sich über die ganze Menschheit?

Fakten zum Angeben über "Monopoly"

1. Wussten Sie, dass es bei der Deutschlandvariante von Monopoly auch das Schweriner Schloss gibt? Das kann man für läppische 1,6 Millionen Euro kaufen.

2. Wussten Sie, dass Charles Darrow auch heute noch oft als Erfinder von Monopoly gilt? Bei einem Gerichtsprozess wurde jedoch festgestellt, dass er die Regeln des 1904 von Elizabeth Magie veröffentlichten The Landlord's  Game  kopiert haben soll.

3.  Pro-Tipp: In der ersten Phase bei Monopoly geht es darum, möglichst viele Straßen zu erwerben, um dann Miete zu kassieren. Doch die Wahrscheinlichkeit, auf ein bestimmtes Feld zu kommen, ist unterschiedlich groß, was mit den Ereignissen wie „Rücke vor bis Los“ zu tun hat. Eine Eselsbrücke lautet: „Keine Sau  kommt auf Blau! Kaufe Orange und Rot, dann ist die Miete schnell im Lot!“

Mensch ärgere dich nicht

Hier ist der Name Programm. Wie oft haben wir uns geärgert, wenn wir kurz vor dem Ziel herausgekickt wurden? Da helfen auch Phrasen wie „Ist doch nur ein Spiel“ nichts. Laut Umfrage haben 39 Prozent der Deutschen schon einmal ein Spiel aus Frust abgebrochen. Aber die Regeln von Mensch ärgere dich nicht kennen wir doch alle. Oder? Falsch gedacht. Wer einmal das Regelwerk von Schmidt Spiele gelesen hat, wird viel Wartezeit gespart haben. Das Unternehmen behauptet von sich, seit 100 Jahren „das beliebte Original“ zu verkaufen. Dort steht in der Anleitung: „Jeder Spieler erhält vier Steine einer Farbe. Einen Stein stellt er auf das Feld A seiner Farbe, die übrigen drei werden auf die gleichfarbigen B-Felder gesetzt.“ Soll heißen: Es darf von Beginn an eine Figur aufs Spielfeld gestellt werden. Das dreimalige Würfeln um eine Sechs ist damit hinfällig. Wie oft saßen wir Runde für Runde da, ohne aus dem Haus zu kommen? Alles umsonst. Und damit nicht genug. Im weiteren Spielverlauf ist es zwar tatsächlich so, dass man eine Sechs benötigt, um eine Figur auf das Feld zu bringen, aber dreimal würfeln darf man trotzdem nicht. Überlegen Sie gerade auch, wie viele Schlachten Sie mit diesem Wissen hätten schlagen können? Tja, Mensch, ärgere dich nicht!

Es gibt auch noch eine gute Nachricht: Die Spielregeln der Schmidt-Edition wurden im Laufe der Zeit um Spielvarianten ergänzt. Dort kommt auch das dreimalige Würfeln vor. Eine andere Version ermöglicht auch das Schlagen von Steinen, die hinter einem liegen. Doch es sind halt nur Varianten.

Micha: Ich hasse Mensch ärgere dich nicht. Ich meine, man ärgert sich nur. Man würfelt, würfelt und würfelt und am Ende fliegt man doch raus. Es steckt überhaupt keine Strategie dahinter. Zumindest nicht mit der Regel, dass man rausschmeißen muss. Wenn es die nicht gibt, finde ich es viel besser. Dann kann man selbst das Spiel beeinflussen. Dass gleich eine Figur rausgesetzt werden kann und man nicht ewig warten muss, ist auch cool. Mensch, da bekomme ich doch gleich Lust, zu spielen.

Fakten zum Angeben über "Mensch ärgere dich nicht"

1. Wussten Sie, dass der deutsche Erfinder Josef Friedrich Schmidt die Erstauflage des Spiels 1914 an Lazarette verschenkte, damit sich die Frontsoldaten die Zeit vertreiben konnten? Selbst in Schützengräben soll man die Bretter gefunden haben.

2. Wussten Sie, dass das Spiel in der Schweiz Eile mit Weile heißt, in England Ludo und in den USA Frustration?

Interview: „Spiele wie Schach sind gewaltverherrlichend“

Mit Dr. Christian Klager, wissenschaftlicher Mitarbeiter für Philosophie und Philosophiedidaktik, sprach Lisa Kleinpeter.

Lesen Sie immer alle Regeln?
Es kommt darauf an. Wenn ich das Spiel schon einmal gespielt habe, dann eher nicht. Bei einem neuen Spiel, das gerade erst herausgekommen ist, muss man natürlich die Regeln lesen, um es zu verstehen. Es gibt den berühmt gewordenen Satz von Johan Huizinga: „Gegenüber den Regeln eines Spiels ist kein Skeptizismus möglich.“ Spiele sind nun mal durch Regeln bestimmt, man kann nichts gegen sie machen.

Monopoly ist ziemlich komplex und trotzdem berühmt geworden. Warum ist das so?
Genau lässt sich das so nicht sagen. Vielleicht funktionieren manche Spiele deshalb so gut, weil sie in gewisser Weise unser Leben widerspiegeln, ohne dass man ihnen das sofort ansieht.  Monopoly zum Beispiel  imitiert unsere kapitalistische Welt. Spiele wie Schach und Mensch ärgere dich nicht sind gewaltverherrlichend. Das sind Spiele, die von den rudimentärsten, grundsätzlichen Dinge unseres Lebens handeln. Gerade Schach ist ja ein klassisches Kriegsspiel. Uno hingegen ist wieder völlig abstrakt. Es lässt sich also nicht so einfach sagen.

Wie passiert es, dass sich manche falsche Regeln in der Gesellschaft durchsetzen?
Das liegt daran, dass  man denkt, die Regel verstanden zu haben. Innerhalb der Spielrunden setzen sich dann die neuen Regeln durch. Sie sind ja aber nicht falsch. Es geht hierbei ja nicht um eine moralische Frage. Es ist halt einfach eine neue Version des Spiels. Man darf auch als Spieler Regeln ändern, wenn sich alle einig sind.

Bevor es zum Familienstreit kommt: Was empfehlen Sie, wie entscheidet man, nach welchen Regeln gespielt wird?
Das ist die große Kunst des Spielvorbereitung. Man sollte vor dem Spiel die Regeln festlegen: Bei einer Gruppe kann man das zum Beispiel demokratisch klären. Oftmals lässt man auch das jüngste Mitglied entscheiden. Oder man sucht sich ein anderes Zufallskriterium: Der mit den längsten Haaren oder den meisten Haargummis.

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