Schottland : Die Todesbrücke für Hunde

Die Overtoun-Brücke
Die Overtoun-Brücke

Von der schottischen Overtoun Bridge sprangen schon 600 Vierbeiner 15 Meter in die Tiefe – und keiner weiß warum

svz.de von
20. Juli 2015, 21:00 Uhr

Da werden Hunde zu Lemmingen: Die Overtoun-Brücke nahe der westschottischen Kleinstadt Dunbarton ist ein Ort, wo regelmäßig Hunde in den Abgrund springen. In den letzten 70 Jahren waren es mehr als 600 Vierbeiner, die sich in die Tiefe stürzten. Mindestens 50 von ihnen fanden dabei den Tod.

Die Overtoun Bridge spannt sich über eine Schlucht auf der Zufahrt zum Schloss. Fünfzehn Meter geht es von der Brücke in die Tiefe. Immer ist es die gleiche Geschichte. In einem Moment sind die Hunde völlig normal, im nächsten überspringen sie die rund 1,20 Meter hohe und 50 Zentimeter breite Granitbrüstung. Immer auf der rechten Seite der Brücke, immer an klaren, sonnigen Tagen und immer sind es langschnauzige Hunde. Selbst wenn ein Vierbeiner den Sturz überlebt, so haben Tests gezeigt, versucht er beim nächsten Mal, wenn er auf die Brücke geführt wird, erneut über die Brüstung zu hüpfen.

Den Menschen in Dumbarton ist es ein Rätsel, warum das passiert. Haben Hunde einen Todestrieb? Oder Selbstmord-Gelüste? Schon die Frage scheint absurd. Fakt ist jedoch, dass hier immer wieder Herrchen und Frauchen ihre Lieblinge verlieren. Zuletzt passierte das Alice Trevorrow, die an der Overtoun Bridge mit ihrem Spaniel Cassie spazieren ging. „Sobald wir aus dem Auto stiegen, rannte sie los“, erinnert sich die Krankenschwester aus Dumbarton. „Dann war sie ganz starr, wie gelähmt. Und dann rannte sie und sprang, mehr als anderthalb Meter hoch und über die rechte Seite der Brücke.“ Cassies Verhalten, so Alice Trevorrow, sei völlig untypisch gewesen. „Da muss etwas Böses im Spiel sein“, meint sie, „dieser ganze Ort hat eine gruselige Atmosphäre und ganz besonders diese Brücke.“

Das meint auch Paul Owens, ein Philosophielehrer aus Glasgow, der ein Buch „The Rainbow Bridge“ über das Phänomen geschrieben hat. Owens ist überzeugt, dass Lady Overtoun dahinter steckt. Die Witwe des 1908 verstorbenen Lord Overtoun soll nie über den Tod ihres Mannes hinweggekommen sein und nach ihrem eigenen Ableben als Gespenst wiedergekehrt sein. Es gäbe viele Sichtungen, so Owens, einer „Weißen Frau“, einer durchsichtigen Erscheinung, die sich im Schloss selbst zeige, aber auch auf der Brücke. „Als ich auf der Brücke stand“, sagte Owens in einem Interview, „fühlte ich selbst einen entschiedenen und harten Stoß, als ob mich etwas oder jemand über die Brüstung stoßen wollte, genau wie die Hunde.“

Ein besonders grauenhafter Vorfall ereignete sich im Oktober 1994. Kevin Moy spazierte mit Frau und Kind über die Brücke, als er plötzlich das zwei Wochen alte Baby in die Tiefe warf. Er wollte hinterherspringen, konnte aber von seiner Frau zurückgehalten werden. Bei der Gerichtsverhandlung erklärte Moy, dass ihn das Gefühl gepackt habe, der Satan persönlich zu sein. Er habe versucht, die Welt von sich und des Teufels‘ Sohn befreien zu müssen.

Na ja: Ob wirklich okkulte Mächte hinter den Stürzen stecken, mag dahingestellt bleiben. Eine wesentlich prosaischere Erklärung hätte Tierpsychologe David Sands anzubieten, der das Phänomen eingehend untersucht hat. Zum einen, erklärt Dr. Sands, hätten Hunde einen viel schwächeren Gesichtssinn und zudem eine viel niedrigere Perspektive als Menschen: Sie könnten einfach nicht sehen, was hinter der Brüstung auf sie wartet. Zum anderen würden Hunde primär geleitet von ihrem Riechorgan. Und der würde ihnen sagen: Nerz. Der Geruch der marderartigen Raubtiere, die auf dem Grund der Schlucht leben, würde einen derart starken Jagdreiz bei den Hunden auslösen, dass die dann plötzlich losspringen würden.

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