Klassiker in Gelb : Die skurrilsten Briefkästen

Auch in Zeiten mobiler Kommunikation behauptet der Briefkasten seinen Platz im öffentlichen Raum

svz.de von
03. August 2016, 11:45 Uhr

briefkasten neu
 

Einer von Deutschlands ungewöhnlichsten Briefkästen hängt an einer Boje im Steinhuder Meer. „Alleine diese Woche haben wir rund 150 Briefe und Karten aus der Postboje geholt“, sagt Reinhard Starke vom Segelclub Garbsen. Vor den Toren Hannovers herrscht Hochsaison auf dem Binnensee – das Postaufkommen auf dem See dokumentiert das. Seit 52 Jahren hängt die quietschgelbe Tonne dort – als Schnapsidee einer örtlichen Segelschule gehört sie offiziell nicht zum Fundus der Deutschen Post. Die verweist in Zeiten des digitalen Wandels dennoch auf eine eher erstaunliche Entwicklung: Die Zahl ihrer Briefkästen nimmt nicht ab, sondern zu.

„110 000 Briefkästen sind derzeit in Deutschland von der Deutschen Post für die Nutzung der Kunden verfügbar, somit etwa 2000 mehr als vor zehn Jahren“, erklärt Jens-Uwe Hogardt von der Deutschen Post. Ein Grund: In bewohnten Gebieten muss ein Briefkasten in einer Distanz von nicht mehr als tausend Meter Fußweg erreichbar sein.

Zudem fällt der jährliche Rückgang der Briefsendungen zwar stetig, aber doch eher moderat aus. „Die Menge nimmt zwar jedes Jahr leicht ab, es wird aber noch immer fleißig geschrieben“, sagt der Postsprecher.

Dabei ist die einst so wichtige Briefzustellung heute beim Bonner Dax-Konzern eigentlich nur noch eine kleine, unbedeutende Sparte; denn in den Zeiten schneller, digitaler Kurznachrichten schreiben immer weniger Menschen auf Papier. Die Post reagierte schon mit einer Einschränkung ihrer sonntäglichen Leerung. Im Vorjahr beförderte sie über alle Produktarten hinweg 19,3 Milliarden Briefsendungen – täglich etwa 61 Millionen Sendungen im Briefbereich. Darin enthalten sind Briefe, Karten, Büchersendungen, Werbe- und Presseerzeugnisse.

Es sind vor allem Werbebriefe, die die Säcke in den Briefkästen anschwellen lassen. „85 Prozent aller Sendungen im Briefmarkt der Deutschen Post sind heute geschäftlicher Natur“, sagt Hogardt. Dazu zählen neben Werbesendungen behördliche Schriftstücke. Denn die Perspektiven für den handgeschriebenen Brief sind eher schlecht.

Das bestätigt auch die Germanistin Christine Bickes von der Leibniz-Universität Hannover, die in ihren Seminaren die „mediale und konzeptionelle Schriftlichkeit“ aufgreift: „Den Eindruck, dass im digitalen Zeitalter noch Briefe geschrieben werden, teile ich nicht.“ Sie gibt aber zu bedenken: „Allerdings schreibt die junge Generation regelmäßig und mit großer Begeisterung Ansichtskarten.“ Und sei es nur als Zierde für den Kühlschrank.

Als Universaldienstleister ist der ehemalige Staatskonzern Deutsche Post gesetzlich dazu verpflichtet, an sechs Tagen in der Woche Briefe deutschlandweit zuzustellen. Dabei zählen exotische Regionen wie der Spreewald ebenso wie der Harzer Brocken oder eine Hochzeitseiche bei Eutin in Schleswig-Holstein. Gelbe Briefkästen schippern auch auf der Nordsee. An Bord der Fähre „Pellworm I“ können Briefe eingeworfen werden, die dann mit Schiffsstempel versehen im Sonder-Couvert nach Kiel zur Post gehen. „Das kann schon mal etwas länger dauern, aber dafür ist es auch kein normaler Briefkasten“, so ein Sprecher.

Skurrile Briefkästen in Deutschland

Ob auf dem Berg, am Wasser oder im Wald: Wer Post verschicken will oder zustellen soll, findet auch in abgelegenen Gebieten Deutschlands einen Briefkasten – oder ähnliches. Ein paar skurrile Beispiele:

 

POSTBOTIN IM SPREEWALDKAHN

Etliche Briefkästen in Lübbenau (Brandenburg) werden mit dem Kahn angefahren, etwa 65 Haushalte. Pro Woche kommen mehr als 600 Briefe und etwa 60 Pakete zusammen. Die bislang sperrigste Auslieferung? Eine Hollywoodschaukel und eine Gartenhecke. Die Postbotin verkauft auf dem Kahn auch Briefmarken.

 

PER SEILBAHN ZUR ZUGSPITZE

Die Post auf Deutschlands höchstem Berggipfel kommt per Seilbahn. Es gibt sogar eine eigene Postleitzahl: 82475 Zugspitze. Der Postbote leert drei Briefkästen, die stets voller Ansichtskarten sind: An Spitzentagen kommen etwa 2000 zusammen.

HUCKEPACK ZUM ADRESSATEN

Kein Briefkasten, sondern ein knallgelber Briefrucksack hängt im „Waldgasthaus Rabenklippe(n)“ im Harz. Jeden Tag - außer am Sonntag - schnallt sich der Postbote den Rucksack um und wandert damit zum Postamt.

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