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Massaker in Las Vegas : Die Show muss weitergehen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Las Vegas nach dem Konzert-Massaker: Trotz 59 Toten eine schnelle Rückkehr zur Normalität. Die Suche nach Motiv des Täters geht weiter

Der Flug, der den Korrespondenten dieser Zeitung nach Las Vegas bringt, ist voll besetzt. Auch zwei Paare sind an Bord, die in der Spieler-Metropole heiraten wollen – nur einen Tag nach dem folgenreichsten Schusswaffen-Massaker der jüngeren US-Geschichte, bei dem am Montagabend 59 Menschen getötet und 517 verwundet wurden. Eine Absage kam für die Hochzeitswilligen aber nicht in Frage. „Das kann doch in jeder Großstadt passieren“, sagt eine der Frauen, nachdem sie das Brautkleid gut gefaltet über ihrem Sitz verstaut hat. Die Crew serviert ihnen Champagner, Passagiere klatschen Beifall. The show must go on. Die Show muss weitergehen – so erschütternd die Tragödie auch ist.

Wer nach der Landung den „Strip“ zum „Mandalay Bay“-Hotel heruntergeht, in das sich der 64jährige Stephen Paddock im 32. Stock in einer Suite mit insgesamt 23 Waffen eingemietet hatte, spürt kaum etwas davon, dass hier tausende von Menschen noch vor kurzem während eines Open Air-Konzertes um ihr Leben rannten, andere neben sich sterben sahen und glaubten, sie würden das nächste Opfer sein. „Wie in einer Kriegszone“, beschreibt Lisa Fine, die das Drama unverletzt überlebte, das Stakkato von Schüssen, die auf sie und andere plötzlich herunter regneten, die Schreie und das Chaos.

Während die Spurensicherung in dem abgesperrten Todes-Areal unter Scheinwerferlicht weitergeht, ist das Leben im Zentrum von Las Vegas längst wieder zum Alltag zurückgekehrt. Im verrräucherten Erdgeschoss des „Harrahs“-Casino spielt vor allem das ältere Publikum begeistert Bingo, kaum ein Stuhl ist frei. Auch jene Werbezettel-Verteiler, die in der „Stadt der Sünden“ zu eben jenen animieren wollen, sind an jeder Ecke des „Strip“ wieder im Einsatz.

Die meisten Gäste des „Mandalay Bay“-Hotels sind abgereist, nachdem die Polizei während des Massakers und der Suche nach dem Schützen alle Stockwerke vorübergehend räumen ließ. Als sie schließlich fündig wird, sprengt ein Sondereinsatz-Kommando die Zimmertür, doch Paddock – selbst ein häufiger Gast in der Stadt, der Berichten zufolge sein aus Immobiliengeschäften erworbenes Vermögen gerne an Spieltischen einsetzte – hat sich kurz zuvor das Leben genommen.

Jetzt suchen Ermittler noch nach Spuren, die Hinweise auf das völlig unklare Motiv des Massenmörders geben könnten. Während die Verwandten Paddocks entsetzt zu Protokoll gaben, sie seien von der Aktion völlig überrascht worden, werden in dem Hotelzimmer und Haus auch Computer gefunden, die nun ausgewertet werden. Für einen islamistisch motivierten Terrorakt gibt es jedenfalls, so die Polizei, bisher keine Hinweise. Der Buchhalter Paddock sei ein Einzelgänger gewesen, der wenig Freunde, aber dafür mehr Waffen hatte, heißt es. 42 Pistolen und Gewehre sind gefunden worden. Alle ganz legal erworben.

Während in einer nahen Kirche ein Kerzenlicht-Gedenken für die Opfer der Attacke stattfindet, erzählt Uber-Fahrer Mike, wie er nur durch eine Vorsehung seiner Frau nicht zu Schaden kam. Er habe am Montagabend Nachtschicht machen wollen, die rund 22 000 Besucher des Country-Musikfestivals versprachen gute Einnahmen. Mike hatte schon überlegt, wo er parken würde – es wäre direkt in der Schusslinie von Paddock gewesen. „Meine Frau hat mich bedrängt, zuhause zu bleiben, und ich habe es getan,“ sagt er. Und: „Nicht auszudenken, was passiert wäre.“

Vor dem Verlassen des „Mandalay Bay“ zeigt der Weg durch die Casino-Ebene einen fast leeren Saal. Vor einem einarmigen Banditen, der mit einem Jackpot von über 570 000 US-Dollar lockt, sitzt eine Besucherin aus Fernost. Dass der Automat den nun so makaber wirkenden Titel „Hot Shot“ (Heißer Schuss) trägt, scheint sie nicht zu berühren. Sie raucht und wirft eine Münze nach der anderen ein. Auch hier gilt: The Show must go on.

Friedemann Diederichs

Für schärfere Waffengesetze

Der US-Entertainer Jimmy Kimmel (49) hat sich nach dem Massenmord von Las Vegas unter Tränen für schärfere Waffengesetze in den USA ausgesprochen. „Kein amerikanischer Bürger braucht ein Maschinengewehr oder gleich zehn davon“, sagte Kimmel zu Beginn seiner Late-Night-Show am Montagabend (Ortszeit) in Los Angeles. Die Politiker, die den Waffenbesitz unterstützten, sollten beten und um Verzeihung bitten, dass sie der Waffenlobby so viel Einfluss geben.

Kimmel wuchs in Las Vegas auf und kämpfte bei seinem bewegenden Kommentar zu dem Vorfall in seiner Heimatstadt immer wieder mit den Tränen. „Die Folge sind nun Kinder ohne Eltern, Väter ohne Söhne, Mütter ohne Töchter.“ Er forderte seine Zuschauer auf, ihre Kongressabgeordneten anzusprechen, damit sich etwas an der Gesetzeslage ändere. „Es reicht nicht, nur zu beten.“




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