Museum in Zwickau : Die „Pappe“ im Rampenlicht

Begehrtes Fotoobjekt: Ein AWZ P70 inmitten der Duroplast-Produktionsanlage im Horch-Museum in Zwickau Fotos: jan woitas
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Begehrtes Fotoobjekt: Ein AWZ P70 inmitten der Duroplast-Produktionsanlage im Horch-Museum in Zwickau

Besucher können im Zwickauer August Horch Museum 113 Jahre Automobilgeschichte erleben – Trabifahrt inklusive

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11. November 2017, 16:00 Uhr

Das Knattern kommt zwar nur aus dem Lautsprecher. Doch den Trabi macht das Zwickauer August Horch Museum in seiner neuen Dauerausstellung sprichwörtlich erfahrbar. So können Besucher in einem zum Fahrsimulator umgebauten Trabant P 601 durch eine Plattenbausiedlung rollen. Daneben ist die weltweit einzig verbliebene Fertigungsanlage für die Duroplast-Herstellung zu besichtigen – alles im ehemaligen Sachsenring-Werk, wo der Trabant einst vom Band lief.

„Es gibt europaweit nur zwei Museen, die Automobilgeschichte an einem authentischen Ort zeigen“, sagte Museumschef Thomas Stebich vor der Eröffnung am Donnerstagabend. Vor der „Pappe“ fertigte im heutigen Museum zudem der Autobauer Audi, der 1909 in Zwickau von August Horch gegründet wurde.

Das Schnittmodell eines Trabant 600 (P 60)
Jan Woitas
Das Schnittmodell eines Trabant 600 (P 60)
 

Mit der Einweihung des Erweiterungsbaus verdoppelt sich die Ausstellungsfläche auf rund 6500 Quadratmeter. Zum einen wird die Vorkriegsgeschichte mit Modellen von Horch, Audi, Wanderer oder DKW behandelt. Per multimedialer Inszenierung können die Museumsbesucher zum Beispiel beim Grand-Prix-Rennen der legendären Silberpfeile der Auto Union live an der Startlinie dabei sein, wie Stebich erläuterte.

Im neuen Museumsbereich folgt die Entwicklung des Automobilbaus nach 1945 bis zur Gegenwart mit Volkswagen und der Zulieferindustrie. Vor allem der Trabi hat nun deutlich mehr Platz als bisher. Zeigte das August Horch Museum vor der Erweiterung gerade einmal zwei „Pappen“ und ein Schnittmodell, gehören nun drei Viertel der hinzugekommenen Fläche allein dem DDR-Kultauto.

Ein Schützenpanzerwagen und ein Trabant Kübel
Jan Woitas
Ein Schützenpanzerwagen und ein Trabant Kübel
 

Unter anderem steht nun auch das letzte Exemplar, das am 30. April 1991 vom Band lief und bislang im Depot ausharren musste, im Rampenlicht. Zudem werden Prototypen und geheime Entwicklungen gezeigt, die es nie in die Sachsenring-Produktion schafften. Insgesamt stehen 150 Großexponate für 113 Jahre Automobilgeschichte.

Daneben sorgen viele kleinere Original-Schaustücke für eine gelungene Zeitreise in den DDR-Alltag, darunter die detailgetreue Nachbildung einer Datsche.

Ein Sachsenring P240 „Repräsentant“ für Militärparaden
Jan Woitas
Ein Sachsenring P240 „Repräsentant“ für Militärparaden
 

Erste Ideen zur Erweiterung des Museums gab es bereits 2008, um das aus den Nähten platzende Depot zu entlasten und mehr Platz für Sonderausstellungen zu schaffen, wie Rudolf Volln-hals berichtete. Baubeginn war schließlich 2013, die Fertigstellung ursprünglich für 2014 geplant. Eine schlechte Bausubstanz, Probleme mit der Statik und dem Dach verzögerten laut Vollnhals das Projekt mehrfach. Zwei Drittel der Kosten von 14,3 Millionen Euro trägt demzufolge der Autobauer Audi. Die übrigen Gelder stammen aus Fördertöpfen von Bund und Land sowie Eigenmitteln des Museums, das jährlich rund 75 000 Besucher anzieht.

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