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Sex, Erpressung und Bestechung : Die Mafia von Mallorca

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Polizei nimmt „Paten“ des Nachtlebens fest: Sex, Erpressung und Bestechung am Ballermann

svz.de von
erstellt am 03.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Mallorcas Vergnügungsviertel ziehen jedes Jahr Millionen von Touristen an. Doch hinter den Kulissen wird mit harten Bandagen um Geld und Macht im Nachtleben gekämpft. Auch Politiker, Polizisten und Behördenmitarbeiter sollen tief verstrickt und und mit Sexpartys, Geld und Geschenken bestochen worden sein. Untersuchungsrichter Manuel Penalva glaubt sogar, dass sie zusammen mit Gastronomen eine mafiaähnliche kriminelle Vereinigung gebildet haben, um die lukrativen Geschäfte zu kontrollieren.

Die Sache ist so brisant, dass Ermittler Penalva den Fall zur Geheimsache erklärte. Doch einige Details sickerten durch. Es geht um die Vorherrschaft in den beiden wichtigsten Partyhochburgen: im Ballermann-Viertel an der Playa de Palma, Hotspot des deutschsprachigen Sauftourismus östlich der Inselhauptstadt Palma; und im britisch dominierten Magaluf auf der anderen Seite Palmas.

Nach jahrelangen Ermittlungen wurde jetzt der wohl schillerndste Unternehmer der Szene festgenommen: Bartolomé „Tolo“ Cursach, der ein Imperium aus Biergärten, Diskotheken, Restaurants, Fitnesscentern und Hotels regiert, steht unter Verdacht, einer der Strippenzieher dieses Korruptionsnetzes gewesen zu sein.

Nach Angaben mehrerer Inselzeitungen wird ihm eine lange Liste von Delikten vorgeworfen: etwa Bildung einer kriminellen Vereinigung, Bestechung, Betrug, Nötigung und Drogenhandel. Er soll mit kriminellen Machenschaften versucht haben, die Konkurrenz auszuschalten. Zudem werde wegen Steuerhinterziehung und Dokumentenfälschung ermittelt, hieß es.

Der Einfluss des Gastro-Unternehmers war nach Einschätzung der Ermittler so groß, dass Kommunalpolitiker, Lokalpolizisten und die für Lizenzen zuständigen Verwaltungsbeamten nach seiner Pfeife tanzten. In der Szene hat Cursach, der mit seinem Partyimperium Millionen scheffelte, den Ruf, eine Art „Pate“ des mallorquinischen Nachtlebens zu sein.

Polizisten durchsuchten nun den bekanntesten Vergnügungstempel des Unternehmers, den Megapark mitten im Ballermann-Viertel. Auch andere Etablissements wurden unter die Lupe genommen. Zum Beispiel die Riesendiskothek im britischen Partyzentrum Magaluf. Zusammen mit Cursach wurden zwei seiner engsten Mitarbeiter festgenommen.

Schon länger wird gegen etliche Polizisten, darunter mehrere führende Beamte, ermittelt. Einige sitzen sogar in Haft. Auch ehemalige Spitzenpolitiker, vor allem aus den Reihen der konservativen Volkspartei, die bis 2015 in den Inselhauptstadt Palma regierte, stehen unter Verdacht.

Je tiefer sich Untersuchungsrichter Penalva in den Fall kniet, um so mehr Skandalöses scheint ans Tageslicht zu kommen. Zum Beispiel
dies: Polizisten und Lokalpolitiker sollen mit Gratis-Sexdiensten in Nachtklubs dafür belohnt worden sein, dass es in bestimmten Etablissements nie Kontrollen der Behörden gab. Während andere Biergärten, Diskotheken und Nachtbars, deren Besitzer nicht im Korruptionsring mitmachten, mit Auflagen, falschen Anzeigen und Sanktionen schikaniert wurden.

Im Zuge der Ermittlungen stießen die Fahnder übrigens auch auf die Rockergruppe Hells Angels, die sich anscheinend ebenfalls in Mallorcas Nachtmilieu etablieren wollte. Gegen die Hells Angels, die mit kriminellen Methoden vor allem im Prostitutionsgeschäft mitgemischt haben sollen, ging die Polizei bereits 2013 vor.

Als Hauptbeschuldigter gilt in diesem Falle der frühere deutsche Hells-Angels-Boss Frank Hanebuth, der in Spanien immer noch auf seinen Prozess wartet.

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