zur Navigation springen

Jackpot von 90 Millionen geknackt : Die Lizenz zum Träumen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Glücksforscher Prof. Tilman Becker über den Reiz des Lotto-Spielens, die Haltbarkeit des Hochgefühls und mögliche Risiken.

Der Rekord-Eurojackpot mit 90 Millionen Euro ist im zwölften Versuch geknackt worden: Ein noch unbekannter Spieler aus Tschechien tippte die richtigen Zahlen und gewann den Riesentopf. Den auf mehr als 22 Millionen Euro angewachsenen Jackpot in der zweiten Gewinnklasse teilen sich drei Spieler aus Thüringen, Spanien und Litauen. Spieler aus MV gingen leer aus. Doch bringt der große Gewinn auch dauerhaft das große Glück? Der Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel der Universität Hohenheim, Prof. Tilman Becker, ist da skeptisch. Es gebe auch Risiken, sagt er im Interview mit Florentine Dame.

Was macht den Reiz am Lottospielen aus?

Becker: Der Lottoschein ist eine Lizenz zum Träumen. Dass man tatsächlich gewinnt, kommt ja relativ selten vor. Aber ab dem Moment, in dem ich meine Kreuzchen gemacht habe, kann ich träumen, was passieren würde, wenn ich so viel Geld gewinnen würde: Mit plötzlichem Reichtum könnte man ein Haus kaufen, die Arbeit aufgeben, mit den Reichen auf Du sein. Solche Was-Wäre-Wenn-Träume verkauft Lotto.

Machen Lottomillionen denn dauerhaft glücklich?

Das Glück kann einen Sprung machen, aber selbst wenn der Gewinner optimal mit seinem Reichtum umgeht, wird sich dieses Gefühl nach etwa einem halben Jahr wieder auf Normalmaß einpendeln – genau wie Unglücksfälle nicht dauerhaft unglücklich machen. Die Glücksforschung zeigt auch, dass sich Glück immer darüber definiert, wie es einem im Bezug zur Umwelt geht. Geldgewinne sind damit alles andere als Glücksgaranten: Wer unter vielen Armen ein bisschen Geld hat, ist wahrscheinlich glücklich. Wer mit einem Millionengewinn in eine Gesellschaft der Multimillionäre hineintreten will, wird wahrscheinlich unglücklich sein. Und wer bei einem Lottogewinn sein ganzes Leben ändert, läuft auch Gefahr, sich mit falschen Entscheidungen unglücklicher zu machen, etwa wenn man seinen Job hinschmeißt.

Besteht das Risiko, dass Lottospielen zur Sucht wird – gerade wenn so hohe Jackpots winken?

Was ein pathologischer Glücksspieler sucht, ist die Möglichkeit, die Welt um sich herum zu vergessen, die Wissenschaft spricht vom sogenannten Flow- oder Zoning-Erlebnis. Diesen Wunsch kann er durch andere Formen, etwa am Spielautomaten, viel besser bedienen. Gefährlich wird das Glücksspiel immer dann, wenn man verlorene Verluste durch erhöhte Einsätze ausgleichen will oder sich zwanghaft zum Spiel getrieben fühlt. Das ist bei Lotto, wo Sie ein- oder zweimal in der Woche einen Schein ausfüllen können, nicht in dem Maße gegeben wie bei einem kontinuierlichen Spiel im Fünf-Sekunden-Takt. Aber auch der Traum vom Lottogewinn, kann Leute dazu bringen, große Summen einzusetzen, die eigentlich über ihre Verhältnisse gehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen