Gotthard-Basistunnel : Die längste Abkürzung der Welt

Mit 17 Jahren Bauzeit und 11 Milliarden Euro Kosten bleibt der Gotthard-Tunnel im Rahmen. Heute wird er eingeweiht

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01. Juni 2016, 12:00 Uhr

Löcher können sie, die Schweizer. Heute wird ein Meisterwerk der Ingenieurskunst eingeweiht – der Gotthard-Basistunnel. Mit je 57 Kilometern sind die beiden Röhren durch die Schweizer Alpen der längste Eisenbahntunnel der Welt. Nach vielen Testfahrten soll der reguläre Zugverkehr mit dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember aufgenommen werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi und Frankreichs Präsident François Hollande werden heute dabei sein.

Noch vor den geladenen Prominenten dürfen allerdings 1000 per Los ermittelte Einwohner der Schweiz mit Sonderzügen durch den neuen Tunnel zwischen Erstfeld im Kanton Uri und Bodio im Kanton Tessin fahren. Ein Dank an die Bevölkerung, die das Jahrhundertbauwerk durch ihre Zustimmung bei einem Volksentscheid sowie mit der Finanzierung als Steuerzahler ermöglicht hat.

In 17-jähriger Bauzeit für umgerechnet 11 Milliarden Euro blieb der Bau weitgehend im Rahmen der finanziellen und zeitlichen Vorgaben – in Deutschland schon lange nicht mehr denkbar. Der Basistunnel ist das Herzstück der „Neuen Eisenbahn-Alpentransversale“. Mit dem europäischen Großprojekt sollen weite Teile des Güterverkehrs zwischen dem Nordseehafen Rotterdam und Genua am Mittelmeer von der Straße auf die Schiene verlegt werden.

Während die Schweiz mit ihren dazugehörenden Verkehrsbauten weitgehend im Plan liegt, hinken Italien und vor allem Deutschland hinterher. So wird die 182 Kilometer lange NEAT-Teilstrecke zwischen Karlsruhe und Basel wohl frühestens 2035 komplett viergleisig befahrbar sein. Weltweit wird der neue Gotthard-Eisenbahntunnel derweil als technische und organisatorische Meisterleistung gewürdigt. Die Gleise verlaufen bei nur geringfügigen Steigungen sowie ohne enge Kurven auf einer Höhe von maximal 550 Metern über dem Meeresspiegel. Experten sprechen daher von einer „Flachbahn“. Darüber türmt sich bis zum Gipfel des Gotthards eine Felsabdeckung von 2300 Metern auf.

Zahlen und Fakten zum Gotthard-Tunnel

17 Jahre Bauzeit: Der Gotthard-Basistunnel ist mit 57 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt. Einige Daten:

Streckenführung: Zwischen Erstfeld (Kanton Uri) und Bodio (Kanton Tessin). Die Strecke ist eben, ohne nennenswerte Steigungen und enge Kurven.

Geschwindigkeiten: Personenzüge sollen in der Regel mit 200 Stundenkilometern fahren, Güterzüge mit 100. Möglich sind Höchstgeschwindigkeiten bis 250 km/h, für Güterzüge zu 160 km/h.

Zeitgewinn (nach Endausbau ab 2020): 45 Minuten zwischen Zürich und Lugano.

Wirtschaftlichkeit: Statt 180 Güterzüge pro Tag - wie im alten Gotthard-Tunnel - können 260 Güterzüge verkehren. Hinzu kommen 65 Personenzüge. Die ebene Strecke auf nur 530 Meter über dem Meeresspiegel macht längere Züge mit mehr Gewicht, weniger Loks und kürzere Fahrtzeiten möglich.

Umwelt: Weite Teile des Güterverkehrs durch die Alpen sollen künftig von der Straße auf die Schiene verlagert werden können.

Arbeitskräfte: 2400 Beschäftigte waren in Spitzenzeiten tätig, gearbeitet wurde rund um die Uhr in drei Schichten.

Steinmassen: Für die beiden einspurigen Hauptröhren sowie die Sicherheits-, Belüftungs- und Querstollen wurde 152 Kilometer lange Strecken aus dem Gestein gebrochen - insgesamt 28,2 Millionen Tonnen.

Kosten: 23 Milliarden Franken (21,5 Mrd. Euro) - einschließlich der Nebentunnel (Lötschberg und Ceneri) sowie Gleis- und Bahntechnik.

Beginn des normalen Fahrbetriebs: Geplant nach 3000 weiteren Testfahrten für den 11. Dezember 2016

Mehr zum Profil der Strecke, Aufbau des Tunnels, sowie Zahlen und Fakten finden Sie in unserer Infografik:
(zum Vergrößern klicken)

 
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