Vorgänge nachgestellt : Die Horror-Nacht von Paris

Gestern wurde  für die Ermittlungen der Ablauf der Horror-Nacht im „Bataclan“ nachgestellt.
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Gestern wurde für die Ermittlungen der Ablauf der Horror-Nacht im „Bataclan“ nachgestellt.

Was geschah bei der Terror-Attacke im „Bataclan“? Die dramatischen Vorgänge wurden gestern nachgestellt. Birgit Holzer Birgit Holzer berichtet für unsere Zeitung aus Frankreich

svz.de von
18. März 2016, 10:00 Uhr

Es ist 21.40 Uhr an diesem Freitag, dem 13. November 2015. Die US-Band Eagles of Death Metal hat gerade „Kiss the devil“, „Küsse den Teufel“, angestimmt. Ausgelassen tanzen ihre Fans in der Pariser Konzerthalle „Bataclan“, die mit 1500 Zuschauern voll besetzt ist. Das Licht flackert in grellen Farben – da übertönen Schießgeräusche die Rockmusik. Unmittelbar brechen die Musiker ab, fliehen hinter die Bühne. Wer zunächst noch gedacht hat, das Spektakel gehöre zur Show, erkennt schnell, dass er bitter irrt. Zweieinhalb Stunden wird der Terror-Angriff dauern, bei dem 89 Menschen sterben und hunderte verletzt werden; ein weiterer Konzertbesucher stirbt später im Krankenhaus. Auch die drei Attentäter überleben nicht. Parallel dazu ermorden Komplizen vor Cafés und Restaurants in Paris sowie vor dem Fußballstadion Stade de France im Vorort Saint-Denis weitere 40 Menschen. Die Terror-Serie erschüttert. Und zwar bis heute.

Gestern wurde im Rahmen der Ermittlungen der Ablauf der Horror-Nacht im „Bataclan“ nachgestellt; eine Gruppe von Abgeordneten war anwesend, Überlebende, Angehörige und die Presse aber ausgeschlossen. Bekannt ist, dass die schwer bewaffneten Islamisten Samy Amimour, Foued Mohamed-Aggad und Ismaël Mostefaï zunächst einen Wachmann niederschossen, um durch den Haupteingang in die Konzerthalle einzudringen. Im Saal ballerten sie wahllos in die Menge – innerhalb weniger Minuten fielen Dutzende Menschen zu Boden. Wer konnte, rannte zu den Notausgängen oder in den ersten Stock. Doch genau dorthin gingen zwei der Terroristen, um etwa 20 verängstigte Besucher als Geisel zu nehmen. „Wir machen dasselbe wie ihr in Syrien“, riefen die Männer, die sich zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannten, Überlebenden zufolge. „Ihr tötet unsere Frauen, unsere Brüder und unsere Kinder, jetzt machen wir dasselbe mit euch!“ Lachend zielten sie auf Menschen. „Ihr zufriedener Gesichtsausdruck hat sich mir eingebrannt“, sagte ein Zeuge später.

Gegen 22.30 Uhr schoss ein Polizist auf den dritten Angreifer im Erdgeschoss, der sich daraufhin selbst in die Luft sprengte. Derweil arbeiteten sich Mitglieder von Polizei-Eliteeinheiten BRI und Raid langsam voran, wie BRI-Chef Christophe Molmy später beschrieb. „Hinter jeder Tür stießen wir auf verängstigte Menschen, um die man sich kümmern, aber auch überprüfen musste, ob sie nicht Sprengsätze trugen.“ Überall lagen Tote und Verletzte in ihren Blutlachen, aber auch Unverletzte, die sich nicht zu rühren wagten. Wo die Terroristen sich befanden und wie viele sie waren – das erschien unklar. Über das Handy einer Geisel telefonierte die Polizei mit ihnen, doch Verhandlungsversuche scheiterten. Gegen 00.20 Uhr starteten die Eliteeinheiten einen Sturmangriff, ein chaotischer Schusswechsel begann, zu Tode kamen nur die beiden Terroristen. Nach und nach wurden die Überlebenden und Verletzten evakuiert.

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