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Missbrauchsskandal : „Die Hölle“: 547 Gewaltopfer bei Regensburger Domspatzen

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Mehrere Hundert Chorknaben der Regensburger Domspatzen sind zwischen 1945 und den 1990er Jahren misshandelt worden. Der mit der Aufklärung des Skandals betraute Anwalt hat nun seinen Abschlussbericht vorgelegt.

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erstellt am 18.Jul.2017 | 13:27 Uhr

Mindestens 547 Chorknaben der Regensburger Domspatzen sind Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt geworden. Das geht aus dem am Dienstag vorgelegten Abschlussbericht zum Missbrauchskandal bei dem weltberühmten Chor hervor. Der mit der Aufklärung beauftragte Rechtsanwalt Ulrich Weber gab auch dem früheren Domkapellmeister Georg Ratzinger, dem Bruder des emeritierten Papstes Joseph Ratzinger, eine Mitschuld: Ihm seien „sein Wegschauen, fehlendes Einschreiten trotz Kenntnis vorzuwerfen“.

Vor allem in der Vorschule, aber auch im Gymnasium sei es zu Gewalt gegen Schüler gekommen, sagte Weber. Die Vorfälle körperlicher Gewalt seien mit wenigen Ausnahmen verboten und strafbar gewesen, die sexuellen Übergriffe ohnehin. Die Fälle sind jedoch verjährt und somit strafrechtlich nicht mehr relevant.

Kritik an Kardinal Müller

Im Abschlussbericht zur Aufklärung des Missbrauchskandals bei den Regensburger Domspatzen werden auch Vorwürfe gegen den heutigen Kardinal Gerhard Ludwig Müller und den ehemaligen Chorleiter Georg Ratzinger erhoben. Müller hatte als Regensburger Bischof bei Bekanntwerden des Skandals 2010 eine Aufarbeitung in die Wege geleitet. Diese Aufarbeitung sei aber mit vielen Schwächen behaftet gewesen, etwa weil man nicht den Dialog mit den Opfern gesucht habe, heißt es in dem am Dienstag vorgelegten Bericht des Rechtsanwalts Ulrich Weber. Eine klare Verantwortung für die strategischen, organisatorischen und kommunikativen Schwächen müsse deshalb Müller zugeschrieben werden.

Dem Bericht zufolge wurden mindestens 547 Chorknaben Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt. Dem früheren Domkapellmeister Ratzinger, dem Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI., sei „sein Wegschauen, fehlendes Einschreiten trotz Kenntnis vorzuwerfen“.

Im Umgang mit konkreten Fällen habe der Schutz der Institution im Vordergrund gestanden. Opferschicksale seien ignoriert, teilweise sogar Beschuldigte geschützt worden.

Verantwortlich für die Gewalt seien in vielen Fällen der Direktor der Vorschule und sein Präfekt gewesen, sagte Weber. Es müsse aber davon ausgegangen werden, dass nahezu alle Verantwortungsträger bei den Domspatzen zumindest ein Halbwissen über Gewaltvorfälle gehabt hätten. Weber sprach von einer „Kultur des Schweigens“. Der Schutz der Institution habe im Vordergrund gestanden.

Betroffene hätten ihre Schulzeit als „Gefängnis, Hölle und Konzentrationslager“ bezeichnet, sagte Weber. Die physische Gewalt sei alltäglich und brutal gewesen. Viele Opfer schilderten die Jahre als „schlimmste Zeit ihres Lebens, geprägt von Angst, Gewalt und Hilflosigkeit“.

Die Untersuchung umfasst Fälle zwischen 1945 und Anfang der 1990er Jahre. Die Betroffenen sollen mit jeweils bis zu 20.000 Euro entschädigt werden.

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