Großelterndienst : Die geliehene Oma

Leih-Oma Maggie Berntsen hat viel Freude mit ihren Leih-Enkeln.
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Leih-Oma Maggie Berntsen hat viel Freude mit ihren Leih-Enkeln.

Auch wenn die Großeltern nicht in der Nähe wohnen, müssen Kinder nicht auf sie verzichten

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11. August 2016, 08:00 Uhr

Während Maggie Berntsen dem kleinen Leonard das Fläschchen gibt, spielen seine beiden Schwestern im Garten. Fürsorglich wischt die 63-Jährige dem Baby den Mund ab und füllt Wassergläser für die Mädchen. Alle wirken fröhlich und sehr vertraut – eine Oma und ihre Enkel eben. Aber: Berntsen ist keine wirkliche Oma, sondern eine Leih-Oma. Vermittelt hat sie das Bonner Projekt „Großeltern auf Zeit“.

Großelterndienste, die es inzwischen in vielen deutschen Städten gibt, wollen unterschiedliche Generationen zusammenbringen. „Es geht nicht um einen Ersatz für einen Babysitter oder Nachhilfelehrer, sondern darum, dass Kinder und Senioren in Kontakt kommen – idealerweise wie bei Großeltern und Enkeln“, erläutert Eva-Maria Vogler von der Freiwilligenagentur Bonn. Die interessierten Familien hätten oft keine Großeltern, die in der Nähe wohnen, umgekehrt hätten die Leih-Omas und -Opas keine Enkel, um die sie sich kümmern könnten.

So ist es auch bei Maggie Berntsen. „Ich wollte im Ruhestand eine ehrenamtliche Aufgabe übernehmen, bei der ich gefordert werde.“ Durch ihren Beruf hatte die frühere Physiotherapeutin immer viel mit Kindern zu tun. „Als ich von dem Projekt gelesen habe, dachte ich: Das wäre was für mich.“ Nachdem sie einen Fragebogen ausgefüllt und an einem Vorbereitungskurs teilgenommen hatte, lernte sie schließlich ihre Partner-Familie mit den drei Kindern kennen: die elfjährige Vanessa, die zweijährige Stella und den damals gerade geborenen Leonard. „Es hat sofort gepasst“, sagt Berentsen ein halbes Jahr später. Die Mutter der Kinder nickt zustimmend: „Die Oma kümmert sich so liebevoll um die Kinder, spielt mit ihnen, nimmt sie mit zu Ausflügen und ist immer für sie da. Wir besuchen sie mehrmals in der Woche.“ Ihre eigenen Eltern wohnten weit weg, bedauert die 38-Jährige. „Ich selber bin mit Großeltern aufgewachsen, das hat mir bei meinen eigenen Kindern immer gefehlt.“

Bis es soweit war, dauerte es allerdings ein Jahr. Denn die Warteliste seitens der suchenden Familien ist lang. „Wir könnten dreimal so viele Großeltern vermitteln, wie wir zur Verfügung haben“, berichtet Vogler.

In anderen Städten sieht es ähnlich aus. Ein Grund sicher auch: Die Großeltern-Projekte sind von der Idee her langfristig angelegt. Wenn alles gut klappt, kann eine Enkel-Leihoma-Beziehung jahrelang bestehen. Vogler meint: „Wahrscheinlich möchten die meisten älteren Menschen sich nicht gerne so binden.“

Maggie Berntsen und ihre Leih-Familie können sich ein Leben ohne einander inzwischen gar nicht mehr vorstellen. „Das Kinderbett hat seinen festen Platz in unserem Haus. Und auch meinem Mann sind die Kinder inzwischen sehr ans Herz gewachsen – obwohl er sich ursprünglich eher da raushalten wollte“, sagt die 63-Jährige lachend. „Das Ganze ist für uns eine große Bereicherung.“

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