Bevölkerungsentwicklung : Deutschland wächst

Bevölkerung wächst aufgrund von Zuwanderung: 82,2 Millionen Menschen lebten Ende 2015 in Deutschland.
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Bevölkerung wächst aufgrund von Zuwanderung: 82,2 Millionen Menschen lebten Ende 2015 in Deutschland.

Bevölkerungszahl steigt durch Rekord-Zuwanderung. 8,7 Millionen Menschen mit ausländischem Pass

svz.de von
26. August 2016, 21:00 Uhr

Die Rekord-Zuwanderung hat Deutschland um eine Stadt von der Größe zwischen Köln und München wachsen lassen. 82,2 Millionen Menschen lebten Ende 2015 nach vorläufigen Erhebungen des Statistischen Bundesamts in der Bundesrepublik. Rund 1,139 Millionen sind unterm Strich nach Deutschland gekommen – viele Flüchtlinge, aber auch EU-Bürger auf Jobsuche. Fakten zum Thema von Ira Schaible und Christiane Jacke:

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Wie hat sich die Zahl der Einwohner verändert?

Ende 2015 waren rund 978 000 Menschen mehr in Deutschland gemeldet als vor Jahresfrist. Das ist ein Plus von 1,2 Prozent. Im Vorjahr betrug der Zuwachs nur 0,5 Prozent – das waren 430 000 Menschen. Den zweithöchsten Bevölkerungszuwachs machten die Statistiker 1992 aus (700 000 Menschen). Auch das lag damals an der großen Flüchtlingszahl wegen der Krise auf dem Balkan: 1992 wurde die zweithöchste Zahl an Asylbewerbern in der Geschichte der Bundesrepublik registriert.

Wie ist die Bevölkerung in den Bundesländern gestiegen?

In allen Bundesländern leben mehr Menschen als vor einem Jahr. Besonders stark ist das Plus im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen (227 000), gefolgt von den wirtschaftlich starken Ländern Baden-Württemberg (plus 163 000) und Bayern (plus 152 000).

Prozentual fiel der Zuwachs in Baden-Württemberg und Bremen (je 1,5 Prozent) am stärksten aus und in Sachsen-Anhalt (0,4 Prozent) und Thüringen (0,6 Prozent) am schwächsten. Darin spiegelt sich nach Einschätzung von Fachleuten das ökonomische Gefälle.

Wie viele Ausländer leben in Deutschland?

Von den 82,2 Millionen Einwohnern haben 8,7 Millionen keinen deutschen Pass. Das waren 14,7 Prozent mehr als vor einem Jahr und so viele wie nie seit der Wiedervereinigung. Auf 100 Einwohner kommen 10,5 Ausländer, auch das ein Spitzenwert (2014: 9,3). 80 Prozent der Ausländer sind der Statistik zufolge im erwerbsfähigen Alter (15 bis 65 Jahre). Von den 73,5 Millionen Deutschen sind es nur 64 Prozent.

Wie viele Flüchtlinge sind unter den Zuwanderern?

Arbeitsmarktforscher Herbert Brücker vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung geht davon aus, dass 2015 rund 900 000 Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind.

Wie wirkt sich die Zuwanderung auf die demografischen Probleme aus?

Die werden nach Expertenmeinung höchstens leicht abgefedert. Die Probleme der sozialen Sicherung, des Fachkräftemangels und dass Ältere in ländlichen Regionen zurückbleiben, änderten sich nicht, sagt Stephan Sievert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung.

Welche Konsequenzen gibt es für den Arbeitsmarkt?

Es bleibt das Problem, dass viele Flüchtlinge erst mal Deutsch lernen müssen, bevor sie Aussicht auf eine Stelle haben. Das Angebot an Integrationskursen reicht aber nicht überall aus. Außerdem hat nicht jeder dort Zugang. Und viele Flüchtlinge müssen erst aus- oder weitergebildet werden.

Werden sich die Effekte also erst später bemerkbar machen?

Ja. Die Integration von Flüchtlingen in den Jobmarkt brauche Zeit, sagte Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Ewig hat Deutschland mit dieser Herausforderung laut Sievert aber keine Zeit. Er sagt: „Wenn die Baby-Boom-Generation ab Mitte 2020 in Rente geht, müssen wir es geschafft haben.“

 
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