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1000 Menschen fotografiert : Deutschland, deine Gesichter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ferres, Adorf, Obdachloser, Schweinsteiger, Genscher, Bayer – 1000 Menschen hat der Fotograf Carsten Sander porträtiert

svz.de von
erstellt am 15.Apr.2016 | 12:00 Uhr

Was ist das Gesicht Deutschlands? Der Fotograf Carsten Sander hat sich auf die Suche gemacht. In fünf Jahren hat er 1000 Menschen fotografiert – Kinder und Alte, Obdachlose und Ur-Bayern, Schauspieler wie Veronika Ferres oder Mario Adorf, Fußballstars wie Bastian Schweinsteiger, Politiker wie den kürzlich gestorbenen Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Gysi, Lammert und Steinmeier. Immer frontal im gleichen Ausschnitt, immer vor der gleichen grauen Leinwand, immer mit „neutralem“ Blick, das heißt: nicht lachend, keine Mimik.

Erstmals wird die monumentale Porträtserie „Heimat. Deutschland – Deine Gesichter“ nun in Gänze in Mönchengladbach gezeigt. Auf einer Wandfläche von über 100 Quadratmetern sind die 1000 Porträts in Reih' und Glied gehängt – in 25 Reihen zu je 40 Fotos.

Die 2000 Augen blicken den Besucher an einem besonderen Ort an: In der riesigen und lichten Kirche St. Kamillus, die kürzlich zu einer modernen Grabeskirche umgebaut wurde.

Gegenüber der Wand mit Sanders Porträts sowie auf der Galerie stehen moderne Urnen-Schränke mit quadratrischen Abteilen – in jedes passt eine Urne. Formal scheinen die Urnen der Toten und die Porträts der Lebenden in ihrer streng geometrischen Anordnung aufeinander abgestimmt worden zu sein. Das Diesseits und Jenseits bilden hier eine ungewöhnliche Allianz.

Menschen jeglicher Hautfarbe und Nation, Bekannte und Unbekannte hat Sander fotografiert. „90 unterschiedliche ethnische Gruppen sind hier vertreten.“ Durch die Flüchtlinge werde sich das Gesicht Deutschlands nicht verändern, sagt er. „Das Gesicht hat sich längst verändert.“ Die Hängung der Fotos hat Sander komplett den Handwerkern überlassen.

Das Konterfei des Bloggers Sascha Lobo hängt nun neben dem Gesicht eines Mannes mit Down-Syndrom. Das Bild eines Obdachlosen mit einer Ratte im Arm findet sich neben dem Foto eines Ur-Bayern mit Gamsbart.

Prominente wie Scorpions-Sänger Klaus Meyne, Schauspielerin Hannelore Elsner oder Moderator Markus Lanz muss man lange auf der großen Wand zwischen vielen unbekannten Gesichtern suchen. Kanzlerin Angela Merkel hätte auch gut in die Serie gepasst. Aber sie wollte nicht.

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