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Weltkatzentag : Des Deutschen liebstes Haustier

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Mehr als jeder fünfte Haushalt hat eine Katze.

svz.de von
erstellt am 08.Aug.2017 | 06:00 Uhr

Wer den Weltkatzentag ins Leben gerufen hat, weiß eigentlich niemand so genau. Nicht einmal der International Fund for Animal Welfare (IFAW), der zwar häufig, aber nach eigenen Angaben zu Unrecht als Urheber genannt wird. Wie auch immer: Heute ist es wieder Zeit, des Deutschen liebstem Haustier besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Denn seit Jahren liegen Katzen auf der Rangliste unangefochten an der Spitze.13,4 Millionen haben 2016 in deutschen Haushalten gelebt, berichtet der Industrieverband Heimtierbedarf. Oder anders gesagt: In mehr als jedem fünften Haushalt in Deutschland lebt eine Katze. Mit 8,6 Millionen folgen Hunde erst in großem Abstand.

 

Von so viel Tierliebe profitiert natürlich auch die Wirtschaft: Gut 1,6 Milliarden Euro gaben die Deutschen voriges Jahr allein für Katzenfutter aus – und weitere 284 Millionen für Katzenstreu.

So gut haben es leider nicht alle „Samtpfoten“ hierzulande: Tierschützer gehen von rund zwei Millionen wildlebenden, herrenlosen Katzen aus, die in Hinterhöfen, Gärten oder im Umfeld von Fabriken ein trauriges Dasein fristen und sich unkontrolliert vermehren.

 

Katzen-Geschichten unserer Redakteure

Sebastian Schramm: Die Katze aus der Studi-WG

Student sein ist ja immer ein bisschen Rock’n’Roll. Das Bier am Hafen, wenn man eigentlich im Hörsaal sitzen müsste. Oder der ausgedehnte Schlaf bis zum Donnerstagnachmittag nach einem spontanen Bergfest, natürlich nicht, ohne mehrere Seminare verpasst zu haben. Mal ehrlich: Was passt besser zum Lotterleben des Studenten als eine Katze, quasi als Schwester im Geiste? 2012, mit dem Beginn meines  Studiums, zog ich in eine Dreier-WG.  Mit in die Wohnung ging Melly, damals ein Katzenfräulein von zwei Jahren, noch grün hinter den flauschigen Ohren: Sie sprintete durch die Gegend, wollte alles sehen und alles wissen. Anders waren wir als Erstsemester an der Uni auch nicht. Aber wir entwickelten uns. Wir wurden richtige Studenten.

Morgens, wenn sie merkte, dass wir entweder keine Lust hatten oder verkatert waren (oder beides), kam sie auch ins Bett und stand höchstens für einen kleinen Snack auf. Lernten wir doch einmal oder schrieben an Hausarbeiten, setzte sie sich dazu, auf den Laptop oder den Notizblock. Fast so, als wollte sie sich beschweren: „Lernen? Pah! So ein Quatsch! Miau.“

Und wenn abends Freunde kamen, wieder die nächste Party vor Augen, tapste sie einfach mit in das Zimmer, das wir zu einer Bar umfunktioniert hatten. Ein nettes Plätzchen gefunden, genoss sie die Gesellschaft:  gute Musik, Streicheleinheiten und – weil sie mit zunehmender Uhr immer süßer wurde – das ein oder andere Leckerchen, vorzugsweise Dreamies. 

Es war die schönste Zeit.

Josefine Rosse: Der König auf Balkonien

Du bist mein Flauschpirat, mein Tiger, der Dicke oder Carlibert.  Für andere heißt du einfach Carlos. Als ich dich vor fünf Jahren zu mir holte, konnte ich nur ahnen, wie sehr du mir ans Herz wachsen würdest. Wenn ich nach Hause komme, plumpst du dich vor meine Füße, zeigst mir dein Bäuchlein und wartest darauf, dass ich dich kraule. Wenn ich nicht schnell genug bin, unterstützt du die Prozedur mit  einem lauten „Mau“.  Du schleichst um meine Beine,  wenn ich dir  Futter zubereite,   stupst mich mit deinem Köpfchen an, wenn ich dich rufe und kommst schmusen, wenn ich es mir gerade auf dem Sofa bequem gemacht habe. Da, wo ich bin, bist auch du.  Zugegeben: Manchmal machst du mich wahnsinnig. Zum Beispiel, wenn du Blumenkübel ausbuddelst, dein Katzenstreu in der  Wohnung verlierst,  deine weißen Haare auf meiner frisch gewaschenen schwarzen Jeans verteilst oder du dein großes Geschäft verrichtest, während ich bade.  Doch dann starrst du mich an, mit deinem rosa Näschen, den Puscheln auf den Ohren und dem schräg gelegten Kopf, so als würdest du mir damit zeigen wollen „Ich bin der süßeste Kater auf der Welt und das weißt du auch.“ Wir haben den Deal, dass du mindestens genau so alt wirst wie ich. Allein die Vorstellung, dass du im Katzenhimmel nach einem neuen  Partner suchen musst, macht mich traurig.  Deine Antwort ist meist  ein Gurren. Vielleicht hast du ein wenig zu oft die Tauben  beobachtet, wenn du auf dem Balkon  deine Audienzen hältst. Schließlich bist du der Katzenkönig, auch wenn das die Straßenmiezen  nicht immer sehen. Für mich bist du jedenfalls der Größte.

Katja Müller: Mehr Tiger als Stube

Ja, ich bin ein Tierfreund. Und ja, ich konnte bislang auch mit Katzen. Dachte ich. Doch vor wenigen Wochen wendete sich das Blatt. Es klang wie ein Traum: Ein Haus irgendwo im Nirgendwo umringt von Hunderten von Tannen – ich ganz allein mit drei Katzen, zwei Hunden und einem Waldkäutzchen. Haus-Sitting anno 2017. Kein Problem für ein Kind vom Lande mit reichlich Liebe zur Natur. Dachte ich. Doch schon am ersten Abend eskalierte es. Nachdem die Koffer ausgepackt und die Tiere vor dem Haus versorgt waren, ging es ans Abendessen für die drei Stubentiger. Zwei graue und eine rote Maine-Coon-Katze  nennen das  einstige Forsthaus ihr Reich. Und das verteidigen sie auch gegen Eindringlinge. Jedenfalls das rote Exemplar. Denn statt dankbarem Schnurren für frisches Wasser wie auch Trocken- und Nassfutter gab es eine Attacke, die sich gewaschen hatte. Zweimal hackte sie ins Bein und einmal in die Hand. Alle Versuche, sie abzuwehren, scheiterten. Es gab nur noch eins: die Flucht. Als der Hausherr am Abend noch einmal einkehrte, waren alle drei Samtpfoten die sanftmütigsten Kätzchen der Welt – anschmiegsam und freundlich. Doch am nächsten Morgen, als der Hausherr dann endgültig für drei Tage auf und davon war, gingen die Attacken wieder von vorn los. Der rote kastrierte Kater lief zu Höchstformen auf. Immer wieder Fauchen, Mauzen, Kratzen. Tja, das war dann wohl der absolute Beweis, dass in mancher Katze mehr Tiger als Stube steckt. Die Narbe auf dem Handrücken wird mich das so schnell nicht vergessen lassen. 

Sven Moritz: Ich kann nichts dafür

Nein, wir waren nicht füreinander bestimmt. Du kamst unangekündigt in mein Leben, sprich in die Wohnung. „Überraschung“ nannte es meine Partnerin.   Auch ihr Trick,  einen Namen aus meiner Lieblingsserie – „Star Trek“ (T’Pol) – zu suchen und dann in Polly abzuwandeln, verfing nicht. Ich hätte anfangs liebend gerne das wenige Wochen alte Tier  für diverse Raumfahrtprogramme angemeldet,  um es schnell los zu sein. Aber selbst vom nicht Millionen Lichtjahre entfernten Tierheim wollte meine bessere Hälfte  nichts wissen.

Katzen haben angeblich sieben Leben. Ob das so ist, habe ich im Fall der neuen Mitbewohnerin nicht überprüfen wollen. Ehrenwort. Ob den Samtpfoten ein sechster Sinn nachgesagt wird, ist mir unbekannt. Das kleine schwarze Monster an meiner im Personalausweis vermerkten Wohnadresse hat aber wohl gleich gespürt, dass in ihrem und in meinem Fall von Willkommenskultur keine Rede sein konnte. Was macht Mieze? Startet einfach eine Charmeoffensive. Hier mal ein Schnurren, dort mal ein Blinzeln, hier mal ein Krabbeln auf den Schoß, dort mal ein Streichen um die Beine. Und das über Wochen und Monate. Ihr Frauchen kam nie in den Genuss dieser Gunstbezeugungen.   Um es kurz zu machen: Nachdem fast fünf Jahre seit  Pollys Ankunft verstrichen sind, bekommt das nun nicht mehr so kleine Tier definitiv mehr Streicheleinheiten als meine Partnerin.  Und ich nenne die Katze   ab und an „Mäuschen“, also wie die Lieblingsspeise der Stubentiger.   Einfach schräg.  Aber ich kann nicht (mehr) anders.        

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