Stralsund : Der Traum vom Weltraum

„Eine beschützte Erde, ein Leben in Frieden und Toleranz“: Angela Merkel und Alexander Gerst in Stralsund
„Eine beschützte Erde, ein Leben in Frieden und Toleranz“: Angela Merkel und Alexander Gerst in Stralsund

Astronaut Alexander Gerst erzählt 1200 Schülern und Angela Merkel über seinen Ausflug ins All.

svz.de von
20. November 2015, 16:50 Uhr

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zu einer offenen Diskussion über die künftige Finanzierung der europäischen Weltallforschung aufgerufen. Bei dieser Forschung gebe es immer einen Begründungszwang, sagte Merkel gestern in Stralsund nach einem Vortrag des Astronauten Alexander Gerst über seine Mission an Bord der Internationalen Raumstation ISS vor 1200 Schülern. Man müsse sich aber den Mut bewahren, ein Risiko einzugehen, sagte die Kanzlerin. Es könne etwas Wunderbares dabei herauskommen, man dürfe aber auch nicht böse sein, wenn nicht so viel gelingt. „Vor allen Dingen kommt meistens etwas ganz anderes heraus.“

Ihre persönliche Haltung zur Weltraumforschung wollte Merkel nicht preisgeben, sie wolle Regierungsentscheidungen nicht vorgreifen. Sie fügte hinzu: „Wir haben die stolze DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) und die wird uns schon sagen, was wichtig ist. Und an der Stimme werden wir auch nicht ganz vorbeikommen.“  Beim Blick aus dem All auf die Erde komme auch zum Ausdruck, was sich in diesen Tagen viele Menschen immer wieder wünschen, sagte Merkel: „Eine beschützte Erde, vernünftige Menschen, die nicht andere Menschen umbringen, ein Leben in Frieden und Toleranz.“

Gerst war im vergangenen Jahr im Rahmen der so genannten „Blue Dot“-Mission 165 Tage im All an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) und berichtete mit eindrucksvollen Bildern über seine Reise. Er betonte die Notwendigkeit der bemannten Raumfahrt speziell für naturwissenschaftliche Experimente, die auf der Erde wegen der Schwerkraft nicht möglich seien.

So seien Astronauten im langen Aufenthalt in der Schwerelosigkeit selbst Forschungsobjekt, da sich Knochen wegen der fehlenden Belastung zurückbilden. Dank dieser Forschungen gebe es ein Medikament gegen Osteoporose, das inzwischen weltweit genutzt wird.

Auch der Forschung an Nutzpflanzen und den Materialwissenschaften seien im All große Fortschritte gelungen. Das ISS sei für die internationalen Beziehungen von weitreichender Bedeutung, so Gerst. 83 Länder seien an Station und Forschungen mit inzwischen 1700 Experimenten beteiligt. Die Zusammenarbeit unter diesen Ländern sei auch in Krisenzeiten stabil.

Für Gerst, der nie gezielt auf den Beruf als Astronaut hingearbeitet hat, steht neben der Anreicherung von Wissen, Innovationen oder internationaler Kooperation die Neugier im Mittelpunkt der Raumfahrt. Er forderte die Stralsunder Schüler auf, sich ihre Träume und ihre Neugier zu bewahren. „Ihr könnt das schaffen, lasst es Euch nicht ausreden.“

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