Themen-Spezial: Sommeranfang : Der Sommer wohnt im Norden

Am 21. Juni startet die schönste Zeit des Jahres – alles was Sie über Sonne, Wind und das norddeutsche „Schietwetter“ wissen müssen

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19. Juni 2016, 08:30 Uhr

Wir müssen reden – über das Wetter. Mecklenburg-Vorpommern ist – statistisch gesehen – eines der sonnenreichsten Bundesländer. Und das Wetter an der Küste ist insbesondere im August und September das stabilste in ganz Deutschland. Da fallen das bisschen Wind und Regen, die zu jeder guten Küste gehören, nicht ins Gewicht: Der Sommer in MV tut gut – schließlich gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur unzweckmäßige Bekleidung.

Pünktlich zum offiziellen Sommeranfang widmet sich das Wochenend-Magazin dem Thema „Wetter“. Nicht zu Unrecht. Der Kommunikationspsychologe Stephan Lermer kennt fünf gute Gründe, das Wetter zum Gesprächsthema Nummer eins zu machen: Erstens ist es unverfänglich – alle und jeder können immer und zu jeder Zeit etwas dazu sagen. Zweitens betrifft es uns und unseren Gesprächspartner gleichermaßen, und es greift der Psychologenspruch „Gemeinsamkeit schafft Sympathie“. Drittens stellt es auch heute noch einen Basisfaktor vieler unserer Unternehmungen dar. Und viertens fühlt sich bei diesem Thema (noch) jeder kompetent, und fünftens ist das Wetter schließlich Ursache für Emotionen. Es ist nämlich immer „zu ...“. Zu warm oder zu kalt, zu trocken oder zu regnerisch.

Sucht man eine positive Erklärung für diese Art der Themenwahl, so würde man sicherlich anmerken, dass es gerade dieses Thema ist, was uns so wichtig ist, was uns so beschäftigt, da es so entscheidend für unser Leben ist. „Weißt du eigentlich, wie viel vom Wetter abhängt?“, fragt Daniel Brühl im Film „Nichts bereuen“.

Deshalb haben wir die Wetterstatistiken der letzten Sommer gewälzt. Wenig überraschend war Kap Arkona mit 841,1 Sonnenstunden der sonnenscheinreichste Ort im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern. Gefolgt von Rostock-Warnemünde (787,8) und Barth (783,3). Die Landeshauptstadt folgt abgeschlagen erst auf Platz 13 mit 686,2 Stunden – immer noch über dem Bundesdurchschnitt. Die absolut höchste Temperatur wurde am 7. August 2015 mit exakt 37 Grad in Grünow gemessen, Goldberg und Marnitz lagen am 4. Juli 2015 mit 36,8 Grad nur knapp darunter, und Teterow brachte es ebenfalls am 4. Juli auf 36,2 Grad. Die meisten Sonnentage – damit bezeichnen „Wetterfrösche“ Tage mit einer Durchschnittstemperatur von 25 Grad – verzeichnete ebenfalls Grünow mit 44. Die wenigsten gab es an der Sonnenhochburg Arkona – der kühle Seewind ist Schuld an diesem Wetterparadoxon.

Wie gesagt – übers Wetter kann man (und Frau) immer reden. Wir haben die Wetterextremen der letzten Jahrzehnte aufgespürt, sind der Frage nachgegangen, mit welchen Kleidungs- bzw. Ausrüstungsgegenständen der Sommer auf jeden Fall ein Erfolg wird. Dazu klären wir, welchen Einfluss das Wetter auf den Brötchenverkauf hat und ob Bäcker in Mecklenburg-Vorpommern dies berechnen können. Eine zutreffende Sommervorhersage ist also für viele Wirtschaftsbereiche Gold wert. Auch wenn viele Menschen die Frage nach dem Sommerwetter jedes Jahr aufs Neue interessiert, „Wetterfrösche“ tun sich damit schwer. Zwar geben jahrhundertealte Bauernregeln – wie der Siebenschläfer (dieses Jahr am Montag, dem 27. Juni): „Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag.“ – Hilfestellungen, doch wirkliche Prognosen bleiben fehlerbehaftet. Solche Vorhersagen stützen sich oft auf so unterschiedliche Methoden wie Bauernregeln, Bauchgefühl und langfristige Computerrechnungen. Besonders der amerikanische Wetterdienst liefert dabei scheinbar exakte Aussichten für den Sommer. Dessen experimentelle Langfristprognosen spucken für Europa zurzeit kaum Abweichungen der Monatsmittelwerte für das nächste halbe Jahr aus.

Demnach stünde uns in diesem Jahr weder ein kalter noch ein warmer, sondern ein völlig durchschnittlicher Sommer ins Haus. In Zeiten der Klimaerwärmung werden das allerdings viele schon als unangenehm empfinden. Hinzu kommt, dass für den Norden Deutschlands sogar ein wenig mehr Regen als im Mittel prophezeit wird – für Sonnenliebhaber ein Graus, für den echten Norddeutschen „een büschen Wind“ oder schlicht und einfach „Schietwetter“, das den Restsommer umso schöner erscheinen lässt. Aber wie bereits gesagt, es handelt sich dabei um Prognosen, die laut amerikanischem Wetterdienst für den Sommer derzeit eine Vorhersagegüte von nicht einmal 30 Prozent aufweisen. Jede daraus abgeleitete Sommerprognose ist daher nicht mehr als Kaffeesatzleserei. Auch der Sommer 2016 wird uns – wie in jedem Jahr – heiße und kühle Phasen bescheren, genauso wie trockene und nasse.

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